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Der IWF braucht einen Chef aus den Schwellenländern

Horst Köhlers Rücktritt als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds eröffnet eine einmalige Chance, die stark bedrängte internationale Finanzinstitution zu reformieren.

Als ersten Schritt zu einer umfassenden Reform benötigt der IWF einen neuen Chef mit solider fachlicher Ausbildung, Weitblick und Erfahrung aus erster Hand im Umgang mit makroökonomischen Risiken, mit denen Übergangs- und Schwellenländer konfrontiert sind. Horst Köhler erfüllte keines dieser Kriterien. Als trister Bürokrat und mittelmäßiger Ökonom war er nicht einmal Deutschlands erste Wahl für den Posten.

Anstatt den besten Mann oder die beste Frau für diesen Job zu holen, wird sich wohl leider das übliche politische Verfahren durchsetzen. Es wird erwartet, dass die Position des Direktors an einen Europäer geht. Bis vor ein paar Tagen schien Spaniens Finanzminister Rodrigo Rato Spitzenreiter zu sein. Jetzt, da seine Volkspartei bei den spanischen Parlamentswahlen eine Niederlage erlitten hat, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass er Europas Kandidat für den IWF-Posten sein wird.

Dennoch zeigt die Tatsache, dass Rato ernsthaft in Betracht gezogen wurde, wie untauglich das Verfahren ist. Rodrigo Rato ist ein fähiger Politiker und unter seiner Führung haben sich Spaniens Finanzen gut entwickelt. Es würde jedoch zu weit führen zu behaupten, er sei der beste Kandidat für die Position beim IWF.

Rato ist ausgebildeter Rechtsanwalt und graduierter Betriebswirt. Er hat aber keine Erfahrung im Krisenmanagement, mit umfangreichen wirtschaftlichen Reformen oder in der Krisenprävention. Wenn Qualifikationen bei der Auswahl des nächsten IWF-Chefs ins Gewicht fielen, würde Rato nicht einmal die erste Auswahlrunde überstehen.

Wie nicht anders zu erwarten, befinden sich die sachkundigsten Personen im Bereich Krisenprävention und Krisenlösung in den erfolgreichen Ländern Lateinamerikas. Nach Jahrzehnten der Instabilität haben sich eine handvoll lateinamerikanische Länder - insbesondere Chile und Mexiko - zu Beispielen für Besonnenheit, Sparsamkeit und makroökonomische Stabilität entwickelt. Diese lateinamerikanischen Nationen mussten Lehrgeld bezahlen. Ihre führenden Politiker haben begriffen, dass eine Kombination aus guter Konjunkturpolitik, politischem Realismus und solide finanzierten sozialen Programmen notwendig war, um Wohlstand und sozialen Fortschritt zu erreichen.

Der ehemalige mexikanische Präsident Ernesto Zedillo, ein angesehener Ökonom und zurzeit Direktor des Zentrums für Globalisierung der Yale Universität, ist ein hervorragender Kandidat für den Posten beim IWF. Unter seiner Führung hat Mexiko riesige Schritte auf dem Weg zur Stabilität und zu einer offeneren und demokratischen Gesellschaft zurückgelegt.

Zu einem früheren Zeitpunkt seiner Karriere arbeitete Zedillo an der Umstrukturierung von Mexikos Schulden und er verfügt über ein gründliches Verständnis der internationalen Märkte. Zudem wurde in seiner Amtszeit das viel bewunderte Sozialprogramm Progresa zur Verringerung der Armut auf dem Land eingeführt.

Alejandro Foxley, Chiles erster Finanzminister nach der Widereinkehr der Demokratie im Jahr 1990, und einer der Architekten des außerordentlichen wirtschaftlichen Erfolges des Landes, ist ein weiterer idealer Kandidat für die Leitung des IWF. So unterschiedliche Persönlichkeiten wie Joseph Stiglitz, einer der schärfsten Kritiker des IWF, und Robert Rubin, der ehemalige amerikanische Finanzminister, haben Chiles wirtschaftliche Errungenschaften gepriesen. Die Liste der chilenischen Leistungen umfasst schnelles Wirtschaftswachstum, die Halbierung der Armut in weniger als zehn Jahren und die Verwaltung von Spekulationskapital durch marktbasierte Einschränkungen bei kurzfristigen Zuflüssen.

Das Profil von Alejandro Foxley ist so perfekt für den Posten, dass Personen, denen er unbekannt ist, ihn für eine Erfindung halten könnten. Mit einem Doktortitel in Ökonomie ist er ein geachteter Gelehrter mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen, ein erfahrener Manager und ein fähiger Politiker, der vor fünf Jahren in den chilenischen Senat gewählt wurde. Foxley versteht die Nöte der Übergangs- und Schwellenländer und weiß gleichzeitig aus eigener Erfahrung, dass sich ein politischer Kurs, der auf makroökonomische Stabilität abzielt, in Bezug auf Wachstum, Wohlstand und die Verringerung von Armut enorm bezahlt macht.

Es besteht kein Zweifel, dass von Zedillo oder Foxley unterstützte politische Richtlinien sofort glaubwürdig würden. Wenn einer von ihnen Geschäftsführender Direktor werden würde, käme dem IWF wahrscheinlich mehr Bedeutung zu als jemals zuvor. Die Politiker der Industrienationen sollten ausnahmsweise mal das Richtige tun und den fähigsten Kandidaten für diese entscheidende Position auswählen.

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