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Die Arbeit wird grüner

MONACO: Wenn vom 20.-22. Februar die Umweltminister aus etwa 100 Ländern hier in Monaco zum Governing Council and Environmental Forum des UNO-Umweltschutzprogramms (UNEP) zusammenkommen, werden sich die Gespräche auf ein umweltfreundliches „grünes Wachstum“ und Wege und Mittel, mit denen die Welt eine kohlenstoffemissionsarme Wirtschaft erreichen kann, konzentrieren. Das Beschäftigungs- und Entwicklungspotenzial der Bekämpfung des Klimawandels wird erst jetzt als ein Teil dieser Bemühungen verstanden. UNEP hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und den Internationalen Gewerkschaftsbund eingeladen, zu diesen Diskussionen beizutragen.

Die laufenden Änderungen sind eine Folge des Kyotoprotokolls, werden jedoch zum Teil auch im Vorgriff auf kommende Emissionsreduzierungen unternommen. Von gleicher Wichtigkeit ist, dass sich die Art und Weise, in der Gewerkschaften und Industrie Umweltfragen wahrnehmen, drastisch verändert. In der Vergangenheit wurden Regelungen zum Schutz der Umwelt manchmal mit Misstrauen und Sorge um Geschäft und Arbeitsplätze betrachtet. Heute sehen die Unternehmen hier Gewinnchancen und die Gewerkschaften Arbeitsplätze.

Man bedenke etwa Folgendes:

·amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160; Ein Beratungsunternehmen mit Sitz in Washington schätzt, dass die US-Umweltbranche 2005 Umsätze im Wert von mehr als 340 Milliarden Dollar und fast 50 Milliarden Dollar an Steuern erwirtschaftet hat. Und die Zahl der dort beschäftigten 5,3 Millionen Arbeitnehmer übertrifft jene in der Pharmaindustrie um das Zehnfache.

·amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160; Ein auf die Erhöhung der Energieeffizienz von Eigenheimen spezialisiertes britisches Unternehmen ging letzten Juni in London an die Börse und beschäftigt inzwischen 4000 Mitarbeiter, die einst in nahe gelegenen, inzwischen geschlossenen Kohlebergwerken tätig waren.

·amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160; Eine vom deutschen Umweltministerium erstellte Studie geht davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten im Bereich der Umwelttechnik in Deutschland bis 2020 jene in der Automobilindustrie übersteigen wird.

·amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160; In China gibt es heute mehr als 1000 Firmen, die im Bereich der thermischen Sonnenenergie tätig sind. Diese erzielen einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar und beschäftigen in Herstellung und Montage 600.000 Mitarbeiter.

·amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160;amp#160; Die indische Stadt Delhi führt derzeit neue, umweltfreundliche Busse ein, die mit Flüssiggas betrieben werden. Dies schafft zusätzliche 18.000 neue Arbeitsplätze.

Diese Trends dürften sich fortsetzen. Die Sustainable Energy Finance Initiative des UNO-Umweltschutzprogramms geht davon aus, dass die Investitionen in erneuerbare Energien inzwischen einen Umfang von 100 Milliarden weltweit – das sind 18% aller Neuinvestitionen innerhalb des Stromsektors – erreicht haben. Die Initiative, die etwa 170 Finanzinstitute umfasst, schätzt außerdem, dass die Finanzierung sauberer und erneuerbarer Energien durch den Markt bis 2020 1,9 Billionen Dollar erreichen könnte.

Die internationalen Bemühungen beginnen, Früchte zu tragen. Der Clean Development Mechanism des Kyotoprotokolls könnte Investitionen im Umfang von 100 Milliarden Dollar für Projekte zum CO2-Ausgleich – wie Programme im Bereich der erneuerbaren Energien und Aufforstungsprojekte – vom Norden in den Süden umlenken. Die Konferenz in Bali im vergangenen Jahr vereinbarte, die „vermiedene Entwaldung“ in tropischen Ländern in ein neues Klimaregime einzubeziehen, was neue Beschäftigungschancen im nachhaltigen Management, im Naturschutz und im Tourismus schaffen könnte. Eine Reihe von Ländern, darunter Costa Rica, Norwegen und Neuseeland, haben sich zur CO2-Neutralität verpflichtet, was wiederum Investitionen und Beschäftigung in CO2-freundlichen Sektoren erfordert.

Maßgeblicherweise tragen die Arbeitnehmer zu diesen Bemühungen bei. Auf Bali signalisierte die globale Gewerkschaftsbewegung ihr Bekenntnis zu einer 85%igen Reduzierung der weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050 und betonte dabei den wahrgenommenen Nutzen einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung und die Zukunft „grüner“ Jobs. Diese Arbeitsplätze werden eine entscheidende Rolle bei der Verringerung des „ökologischen Fußabdrucks“ der einzelnen Volkswirtschaften und der Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster spielen. In einem rasch grüner werdenden Arbeitsmarkt müssen Arbeitsplätze, die aufgrund mangelnder ökologischer Nachhaltigkeit verloren gehen, durch gerechte Übergangsmaßnahmen ersetzt werden, die die Förderung der sozialen Sicherheit, wirtschaftliche Diversifizierung und Umschulungen umfassen.

Doch grüne Jobs allein reichen nicht. Die Bewältigung der vom Klimawandel ausgehenden Herausforderung erfordert ein neues Entwicklungsmodell, dass Emissionsreduktionen mit einer besseren Zukunft für die große Mehrzahl der Menschen und der Chance auf Bestreitung des Lebensunterhalts durch einen anständigen Job verbindet.

Im vergangenen Monat rief der chinesische Präsident Hu Jintao nach Umsetzung nachhaltiger Entwicklung und ordentlichen Arbeitsbedingungen, indem die „wirtschaftliche Globalisierung in Richtung einer ausgewogenen Entwicklung, gemeinsamen Nutzens und Win-Win-Fortschritten“ vorangetrieben und „sichergestellt werde, dass Wirtschafts-, Handels- und Finanzinstitute günstige Bedingungen schaffen, ... um für eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen und dafür, dass die große Mehrzahl der Arbeitnehmer in den Genuss einer ordentlichen Arbeit kommt.“

Ein Wandel liegt eindeutig in der Luft. Unsere Reaktionen auf den Klimawandel müssen eine soziale Dimension haben. Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Regierungen müssen in einen Dialog treten, um gesellschaftspolitische Strategien umzusetzen, die gewährleisten, dass „grüne“ Arbeitsplätze anständige Arbeitsplätze sind. Nur auf diese Weise können die Armen und Arbeitslosen von Marseille bis Mumbai und von Sao Paulo bis Schanghai optimistisch sein, dass die Schaffung einer ökologisch nachhaltigen Welt zugleich zu anständiger, ökologisch nachhaltiger Arbeit führt.

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