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Endspiel in Irak und Afghanistan

NEW YORK – Seit fast einem Jahrzehnt wird die amerikanische Außenpolitik von den Kriegen in Irak und Afghanistan dominiert. Zum Jahreswechsel 2011 sieht es, zumal immer noch 50 000 US-Soldaten in Irak sind und weitere 100 000 in Afghanistan, nicht unbedingt danach aus, als würde sich diese Ära ihrem Ende zuneigen. Doch ist es so.

Irak, der zweitteuerste „Krieg der Wahl“ (nach Vietnam) in der amerikanischen Geschichte, erreicht für die Vereinigten Staaten zurzeit einen Belastungsgrad, der keine beträchtlichen militärischen und ökonomischen Ressourcen mehr verschlingen und keine große innenpolitische Aufmerksamkeit mehr erhalten wird. Voraussichtlich werden alle US-Truppen Irak bis Ende 2011 verlassen.

Selbst wenn mehrere tausend Soldaten bleiben, was wahrscheinlich erscheint, wird ihre Anzahl gering sein und ihre Rolle sich darauf beschränken, irakische Militär- und Polizeikräfte zu beraten und auszubilden und Einsätze gegen Terroristen durchzuführen. Acht Jahre, 4300 amerikanische Gefallene und über eine Billion Dollar später werden es – mit allen Vor- und Nachteilen – vor allem die Iraker sein, die die Zukunft ihres Landes bestimmen.

Die ersten Leistungen eines von Irakern geführten Iraks sind nicht wirklich vielversprechend. Zwar gab es mehrere relativ gerechte Wahlen, das politische Leben ist aktiv und die Wirtschaft wächst. Doch lassen die Schwierigkeiten der irakischen Politiker, nach den Wahlen im letzten Frühling eine Regierung zu bilden, nichts Gutes erahnen.

Tatsächlich hat sich noch keine politische Kultur des Kompromisses etabliert, und das Land bleibt weiterhin durch Geografie, ethnische Zugehörigkeit, Religion und Politik geteilt. Es gibt keinen Konsens darüber, wie der potenzielle Reichtum der gewaltigen Energieressourcen des Iraks aufgeteilt werden soll. Der kurdische Norden ist großenteils autonom; wo seine Hoheit endet und die der Zentralregierung beginnt, ist noch unklar. Der iranische Einfluss ist im Süden beherrschend und im Zentrum sehr stark.

Außerdem erlebt das Land nach wie vor regelmäßig Bombenanschläge, und Millionen von Irakern sind entweder Vertriebene im eigenen Land oder Flüchtlinge. Kurz gefasst, die Bedingungen im Irak werden sich, obwohl sie wesentlich besser sind als noch vor fünf Jahren, wahrscheinlich eher verschlechtern als verbessern.

Afghanistan macht viel langsamere Fortschritte, was den US-Truppenabbau angeht. Die Regierung Obama wird im Juli eine kleine Anzahl von US-Soldaten abziehen, das Datum wurde vom Präsidenten als Anfang des militärischen Rückzugs der USA gewählt. Doch wird dies nur der Beginn eines längeren, allmählichen Prozesses zur Verringerung der amerikanischen Truppen sein, und es sieht so aus, als würde dieser vier Jahre dauern – und womöglich länger.

Was die USA dann für über ein Jahrzehnt voller Opfer und Investitionen in Afghanistan vorweisen können, vermag niemand zu sagen. Die Gesamtsumme des US-Einsatzes wird im Hinblick auf amerikanisches Geld und Menschenleben wahrscheinlich geringer ausfallen als im Irak, aber immer noch erheblich sein.

Zudem ist es aufgrund mehrerer Faktoren schwierig hinsichtlich Afghanistan optimistisch zu sein: Da sind die Widerstandskraft der Taliban, die Schwäche und Korruption, die die Regierung plagen, und die Tatsache, dass Pakistan weiterhin als Rückzugsgebiet für die Taliban und andere bewaffnete Gruppen dienen wird, die in Afghanistan Fuß fassen wollen (oder mehr). Ein Afghanistan, das einem normalen Land ähnelt, ist nahezu unmöglich abzusehen.

Trotzdem wird die Entscheidung, das amerikanische Engagement in Irak entschieden und in Afghanistan allmählich zurückzufahren, letztendlich bedeutende Folgen für die USA haben – von denen viele willkommen sind. Eine davon sind die Finanzen. Die aktuelle Irak- und Afghanistan-Politik der USA kostet ungefähr 150 Milliarden US-Dollar pro Jahr, also über 20 % der gesamten US-Verteidigungsausgaben. Eine Kürzung dieses Betrages wird dringend benötigtes Geld für andere Verteidigungsaufgaben und zur Defizitreduzierung freisetzen, der wohl wichtigsten nationalen Sicherheitsaufgabe, die den USA bevorsteht.

Der Truppenabbau in Irak und Afghanistan wird es der US-Armee auch ermöglichen, sich von diesen beiden Konflikten zu erholen. Weder die Soldaten noch die Ausrüstung können die von ihnen geforderte Leistung aushalten. Rekrutierung und Personalbindung von hoch ausgebildeten Kräften in der US-Armee werden zunehmen, wenn der Belastungsgrad in den beiden Konflikten abnimmt, zudem werden viele aufgeschobene militärische Modernisierungsmaßnahmen stattfinden.

Grundsätzlich wird eine Verringerung des US-Engagements in Irak und Afghanistan ein erneutes Austarieren der Außen- und Verteidigungspolitik der USA ermöglichen. Die beiden Konflikte haben einen unverhältnismäßig großen Anteil der Ressourcen des Landes verschlungen – natürlich militärische und ökonomische, aber auch die Zeit und Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger und Diplomaten.

Kurzfristig können sich die USA durch die Zurücknahme der Aktivitäten in Irak und Afghanistan auf die unmittelbarsten äußeren Bedrohungen der US-Interessen konzentrieren: Iran und Nordkorea. Langfristig müssen die USA im Inland wie im Ausland Unterstützung für regionale und globale Vereinbarungen finden, die darauf ausgerichtet sind, die entscheidenden Probleme dieser Ära zu bewältigen – von der Verbreitung von nuklearem Material und Terrorismus bis hin zur Aufrechterhaltung einer offenen Weltwirtschaft und der Verlangsamung des Klimawandels. Dazu ist eine Außenpolitik notwendig, die sich auf die Schwellenländer des einundzwanzigsten Jahrhunderts konzentriert, von denen viele in Asien liegen.

Die Chance, das internationale System im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts zu prägen, haben die USA großenteils vertan. Irak und Afghanistan haben sich als strategische Ablenkungen herausgestellt, und vor allem in Afghanistan sollten die USA dem Druck widerstehen, ihre starke Militärpräsenz zu verlängern.

Jetzt bietet sich die Gelegenheit, die amerikanische Außenpolitik neu auszurichten, damit sie sich auf die Dinge konzentriert, die am wichtigsten sind. Es ist im Interesse der USA und der Welt, dass diese Gelegenheit nicht verpasst wird.

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