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Das Ende der Banken?

BARCELONA: Sind die Banken infolge der aktuellen Finanzkrise dem Untergang geweiht? Die Verbriefung von Hypotheken wurde ursprünglich als Triumph angesehen, weil sie die Risiken auf die Finanzmärkte verlagerte. Die Annahme von Einlagen und die Vergabe und Überwachung von Krediten – die Domäne der traditionellen Banken – galt dagegen als beschränkt und altmodisch. Moderne Banken würden, so dachte man im Gegenteil, würden ihren Finanzbedarf überwiegend auf dem Interbankenmarkt decken und ihre Kreditportfolios zu verbriefen.

In der Theorie sollten solche Banken aufgrund des angeblich äußerst effizienten Interbankenmarktes gegen einen Sturm auf die Kasse immun sein und das Risiko auf Anleger verlagert werden, die bereit sind, es zu schultern. Einlagen würden durch Anlagefonds ersetzt, die, wie man weiß, ebenfalls gegen einen Sturm auf die Kasse immun sind, und das Risiko außerbilanzieller strukturierter Investmentgesellschaften (SIVs) würden die Rating-Agenturen präzise bewerten. Durch all diese Finanzsteuerungsmaßnahmen würden die veralteten Kapitalanforderungen unnötig gemacht, die den Bankbetrieb behinderten.

Die gegenwärtige Krise hat dieses optimistische Drehbuch ausgelöscht. Der Interbankenmarkt ist beinahe zusammengebrochen, weil die Banken einander nicht über den Weg trauen – ganz so, wie wir dazu neigen, dem übereifrigen Verkäufer eines Gebrauchtwagens nicht zu trauen.

Dies ist ein Marktversagen wie aus dem Lehrbuch. Die Quelle des Problems ist die Unsicherheit über das Engagement der Banken in Subprime-Hypotheken, dessen Risiken von den Rating-Agenturen aufgrund von Interessenkonflikten in nachlässiger Weise bewertet wurden. In Großbritannien ist Northern Rock dieser modernen Bankstrategie zum Opfer gefallen, in den USA Bear Stearns. Andere könnten bald folgen.

Mehr noch: Institute, die dachten, dass sie das Risiko dem Markt übertragen hätten, mussten erkennen, dass der Untergang eines von ihnen protegierten SIV ihren Ruf unwiderruflich beschädigen würde. Mit anderen Worten: Sie mussten diese SIVs retten. Nur leider hatten sie es versäumt, ausreichend Geld für diesen unvorhergesehenen Notfall zur Seite zu legen, und darum mussten ihnen externe Investoren wie etwa Staatsfonds aus China, Singapur und dem Nahen Osten zur Rettung kommen.

Und schließlich sind auch die Anlagefonds in Gefahr, weil ihre angeblich sicheren Investments möglicherweise scheitern werden und die Versicherungen, die sie stützen, nun fragwürdig erscheinen. Die Durchseuchung der Geldmarktfonds mit Subprime-Hypotheken könnte sich als Katastrophe erweisen, mit sehr viel weiter gehenden Folgen, als wir sie bisher erlebt haben. Der vermeintliche Risikotransfer könnte sich als Fata Morgana herausstellen.

Wer hat Schuld: Banken, Märkte, Aufsichtsbehörden? Die Antwort könnte uns einen Hinweis darauf geben, welche Zukunft die Banken erwartet. Einige Aufsichtsbehörden waren in sofern unverantwortlich, als sie das rationale, an Gewinnmaximierung orientierte Verhalten von als Gesellschaften mit beschränkter Haftung organisierten Instituten und wirksam gegen ein Scheitern abgesicherten Führungskräften nicht erkannten.

Was schließlich sollten die Banken machen, wenn sie, statt die Subprime-Hypotheken in ihren Büchern zu halten, ihre Wertentwicklung zu überwachen und sich Eigenkapitalanforderungen auszusetzen, sie (weil die Rating-Agenturen ein Eigeninteresse an dem Geschäft haben) zu ihrem Vorteil verbriefen, Eigenkapitalanforderungen vermeiden und von der Unerfahrenheit der Anleger mit derartigen Produkten profitieren konnten? Selbst wenn die Dinge schiefgehen sollten und das Eigenkapital der Banken in Mitleidenschaft gezogen würde: Die Führungskräfte wussten, dass ihre eigenen großzügigen Boni und Pensionsleistungen aller Wahrscheinlichkeit nicht leiden würden. Angesichts all dessen hätten es sich die Aufsichtsbehörden zweimal überlegen sollen, bevor sie ohne weitere Rückstellungen außerbilanzielle Zweckgesellschaften zuließen.

Die grundlegende Frage lautet heute: Wer überwacht undurchsichtige Kredite, seien es nun Subprime-Hypotheken oder was auch immer? Die traditionelle Antwort hierauf war: die Banken. In einer Welt der Verbriefungen bleibt diese Frage offen.

Gibt es also eine Alternative zur altmodischen Kreditüberwachung durch die Banken?

Wenn die verbrieften Pakete ordentlich bewertet worden wären, wären die sie ausgebenden Institute möglicherweise gezwungen gewesen, einen Teil davon zu behalten, um dem Markt zu signalisieren, dass sie das Risiko im Griff hätten. Und es ist klar, dass die Vorstellung, dass für die außerbilanziellen Aktivitäten der Banken kein Eigenkapital erforderlich sei (da die Banken nicht Träger des Risikos waren), schlicht falsch war.

Eine angemessene Aufsicht – einschließlich der Aufsicht über die Rating-Agenturen – würde die traditionellen Banken vermutlich wieder populär machen. Eine neuerliche Überprüfung der Organisation von Banken als Gesellschaften mit beschränkter Haftung würde sogar noch weiter dabei gehen, ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.

Das zugrunde liegende Prinzip ist ganz einfach: Wenn das eigene Geld auf dem Spiel steht, neigt man zur Vorsicht. Aber wenn man mit dem Geld anderer spielen und im Erfolgsfall eine hohe Belohnung erwarten kann, ohne im Falle des Versagens eine Strafe befürchten zu müssen, können die Anreize für das Eingehen unverantwortlicher Risiken enorme Ausmaße annehmen.

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