Thursday, April 17, 2014
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Wachstumsmotor aufstrebende Märkte

NEU-DELHI – Die Schlüsselrolle von Schwellen- und Entwicklungsländern – wie Indien, China und Brasilien – bei der Aufrechterhaltung des weltweiten Wirtschaftswachstums ist während der jüngsten globalen Krise in den Brennpunkt gerückt und wurde gut dokumentiert. Dieser Trend wird sich 2011 und darüber hinaus wahrscheinlich fortsetzen.

Tatsächlich erwartet der IWF, dass die Wirtschaft der Schwellen- und Entwicklungsländer 2010 um 6 % und 2011 um 6,3 % wachsen wird. Die Schwellenländer haben nicht nur die globalen Auswirkungen der jüngsten Krise gedämpft, sondern auch den Industrieländern geholfen, den Rezessionstrend von 2008-2009 umzukehren. Doch bleibt die Erholung in den Industrieländern schwach und die Arbeitslosigkeit auf Krisenniveau.

Doch obwohl die Schwellenländer sich derzeit als Antriebsfedern der globalen Nachfrage erweisen, ist weiterhin die richtige Mischung aus staatlichen Initiativen und Strategien erforderlich, um sicherzustellen, dass sie kurzfristig weiter den Anstoß für eine schnellere Erholung der Weltwirtschaft geben und mittel- wie langfristig Motoren für nachhaltiges Wachstum sind. Ferner besteht die starke Notwendigkeit, langfristige Kapitalflüsse an Schwellenländer zu unterstützen, um damit weiter Investitionen zu stimulieren, vor allem in ihre Infrastruktursektoren, und somit die von der Weltwirtschaft dringend benötigte zusätzliche Nachfrage anzukurbeln.

Eine weitere wichtige Entwicklung in dieser Hinsicht ist die steigende Anzahl der Mittelschichtkonsumenten in den Schwellenländern, ihre steigende Kaufkraft und somit ihr potenzieller Einfluss auf die globale Nachfrage. Laut einer Schätzung verfügen die Mittelschichtkonsumenten in einem Dutzend Schwellenländern heute über eine jährliche Kaufkraft von ungefähr 6,9 Billionen US-Dollar.

Tatsächlich deuten Hochrechnungen von McKinsey & Company darauf hin, dass die Kaufkraft dieser aufstrebenden Mittelschicht in den Schwellenländern im Laufe des nächsten Jahrzehnts auf 20 Billionen Dollar anwachsen könnte – doppelt so hoch wie das aktuelle Verbrauchsniveau in den Vereinigten Staaten. Die vier größten Schwellenländer – Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) – sind große Hersteller und Verbraucher von Waren und Dienstleistungen und werden auch bei der Bestimmung des Tempos, der Richtung und der Nachhaltigkeit des globalen Wirtschaftswachstums eine wichtige Rolle spielen.

Ich möchte mich besonders Indien zuwenden. In den fünf Jahren vor der Krise von 2008-2009 ist die indische Wirtschaft durchschnittlich um nahezu 9 % pro Jahr gewachsen. In der Krise hat sich das jährliche Wachstum verlangsamt, allerdings nur auf 6,7 %, worin sich die der Wirtschaft innewohnende Widerstandskraft widerspiegelt. Die Wachstumsrate hat sich anschließend 2009-2010 auf 7,4 % erholt, und wir erwarten bis 2011-2012 ein Wachstum von 9 %.

Die Stärke der indischen Wirtschaft wird von einer hohen Sparquote und kräftigen Investitionen gestützt. Die unverzügliche Reaktion der Regierung auf die Krise – Konjunkturprogramme, Wachstumspakete und eine Lockerung der Geldpolitik – hat sich als wirkungsvoll erwiesen. Das solide Finanz- und Bankensystem, das den Risiken auf den globalen Märkten nur in begrenztem Maße ausgesetzt war, hat zusammen mit dem beträchtlichen Inlandsverbrauch, der die Nachfrage erhält, ebenfalls dazu beigetragen. Doch was Indien von anderen Schwellenländern unterscheidet, vor allem von China und den südostasiatischen Ländern, ist, dass die Inlandsnachfrage – und nicht der Export – der Hauptmotor für das Wachstum ist.

Um eine Rückkehr zu hohen globalen Wachstumsraten zu erreichen, ist eine Wiederbelebung der Nachfrage auf breiter Fläche erforderlich. Natürlich wird diese nur allmählich stattfinden, vor allem in den Industrieländern. Somit werden Indiens hohe Wachstumsraten weiterhin auf eine starke Inlandsnachfrage angewiesen bleiben müssen. Um diese Herausforderung zu meistern, konzentrieren wir uns auf Investitionen in Infrastruktursektoren wie Strom, Telekommunikation, Straßen, Häfen und Flughäfen.

Obwohl der staatliche Sektor weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird, sind angesichts der benötigten massiven Investitionen erhebliche private Investitionen – einschließlich Auslandsinvestitionen – erforderlich, um Indiens gewaltiges „Infrastrukturdefizit“ und die damit einhergehende Finanzierungslücke zu beheben. Um dieses Infrastrukturproblem zu bewältigen, wurde eine Strategie der öffentlich-privaten Partnerschaften beschlossen. Gleichzeitig müssen wir in unser Humankapital investieren, indem wir die Entwicklung unterstützen und die Fertigkeiten der Arbeitskräfte sowie die Innovationsfähigkeit verbessern.

Auf dem Gipfel in Seoul im November hat die G-20 das Ziel Entwicklung entschieden in den Mittelpunkt ihrer Agenda gestellt. Indiens Premierminister Manmohan Singh unterstrich die Bedeutung von Infrastrukturinvestitionen, indem er folgenden Vorschlag machte, den mehrere Politiker unterstützten: „Die Rückschleusung von überschüssigen Ersparnissen in Investitionen in Entwicklungsländer wird nicht nur das unmittelbare Nachfrageungleichgewicht verringern, sondern auch zur Behebung der Entwicklungsungleichgewichte beitragen. Mit anderen Worten: Wir sollten die Ungleichgewichte der einen Art dazu nutzen, die Ungleichgewichte der anderen Art zu beheben.“

Auf unserem Weg in das zweite Jahrzehnt des Jahrhunderts sollten innovative Ideen wie die Nutzung globaler Ersparnisse oder Überschüsse zur Finanzierung der Infrastruktur in Schwellen- und Entwicklungsländern ernsthaft verfolgt werden. Damit würden wir nicht nur den Wachstumsimpuls dieser Volkswirtschaften erhalten, sondern auch zur globalen Erholung beitragen, indem wir die in den Industrieländern dringend benötigte zusätzliche Nachfrage erzeugen würden.

Während die globale Bedeutung der Schwellenländer in den kommenden Jahren unweigerlich wachsen wird, muss diese Veränderung in einer kooperativen Partnerschaft mit den Industrieländern verankert sein. Was Indien angeht, untermauern unsere unverwüstlichen demokratischen Werte, unsere Fähigkeit, mit Verschiedenheit umzugehen, und unsere starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten die aktuelle Stellung unseres Landes in der Welt.

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