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Der lange Atem des Dollars

NEU DELHI – Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und der hartnäckigen Defizite der Vereinigten Staaten wird die Rolle des Dollars als weltweite Leitwährung zunehmend in Frage gestellt. Die jüngsten Schritte zur Internationalisierung des chinesischen Renminbi haben Erwartungen hinsichtlich einer sich abzeichnenden Verschiebung im globalen Währungssystem geschürt. Zahlreiche bekannte Ökonomen, einschließlich der Mitglieder einer UNO-Kommission unter dem Vorsitz von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, empfehlen ein „globales Reservesystem“, das an die Stelle der Dollar-Hegemonie treten soll. Aber die lange Geschichte der globalen Leitwährungen legt nahe, dass die Tage des Dollars an der Spitze noch lange nicht vorbei sein könnten.

In der Antike wies Indien gegenüber dem römischen Reich einen riesigen Handelsüberschuss auf. Plinius schrieb im 1.Jahrhundert: „Es verging kein Jahr, in dem nicht 50 Millionen Sesterzen von Rom nach Indien flossen.” Mit diesem Handelsungleichgewicht war ein stetiger Abfluss von Gold- und Silbermünzen verbunden, der zu einer Knappheit dieser Metalle in Rom führte. In der Sprache von heute würde man sagen, dass Rom mit einer Geldverknappung konfrontiert war. 

Rom reagierte auf diese Entwicklung mit der Reduktion des Gold- und Silbergehalts der Münzen (die antike Form der Monetisierung), was im römischen Reich zu anhaltender Inflation führte. Aber die häufigen Funde römischer Münzen in Indien deuten darauf hin, dass römisches Münzgeld außerhalb des römischen Reiches noch lange nach der offensichtlichen Reduzierung des Gold- oder Silbergehalts angenommen wurde. 

Nach der Eroberung Südamerikas stieg Spanien im 16. Jahrhundert zu einer Supermacht auf. Zwischen 1501 und 1600 wanderten 17 Millionen Kilogramm reinen Silbers und 181.000 Kilogramm reinen Goldes vom amerikanischen Kontinent nach Spanien, wo man das Geld für Kriege in den Niederlanden und anderswo ausgab. Dieser Liquiditätszuwachs führte in ganz Europa einerseits zu einem wirtschaftlichen Boom und andererseits zu Inflation.   

Trotz dieses Reichtums wuchsen die Schulden Spaniens. Das Land wurde drei Mal zahlungsunfähig – in den Jahren 1607, 1627 und 1649 – und steuerte seinem dramatischen geopolitischen Niedergang entgegen. Allerdings blieben spanische Silbermünzen (bekannt als „Pesos zu acht Reales“ oder spanische Dollars) dem Welthandel als Hauptwährung bis zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erhalten. Tatsächlich waren spanische Münzen in den USA bis 1857 ein gesetzliches Zahlungsmittel – also noch lange nachdem Spanien schon keine Großmacht mehr war.

Mitte des 19. Jahrhunderts funktionierte das Geldwesen auf Grundlage des auf Gold und Silber beruhenden Bimetallismus. Aber dem britischen Beispiel folgend, verschrieben sich die wichtigsten Länder in den 1870er Jahren dem Goldstandard.

Bei Bedarf konvertierte die Bank of England einen Pfund Sterling in eine Unze (11/122) Feingold.   Dieses System wurde durch den Ersten Weltkrieg zum Erliegen gebracht, aber Großbritannien kehrte im Jahr 1925 zur Goldbindung zurück. Als jedoch die Große Depression um sich griff, war die Bank of England gezwungen, zwischen der Bereitstellung von Liquidität für die Banken und der Einhaltung der Verpflichtungen durch die Goldbindung zu wählen. Im Jahr 1931 entschied man sich für ersteres.

Doch das Pfund Sterling blieb bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg eine der wichtigsten Währungen auf der Welt. Noch im Jahr 1950 – also mehr als ein halbes Jahrhundert, nachdem die USA Großbritannien als weltgrößte Industriemacht abgelöst hatten – wurden 55 Prozent der Devisenreserven in Pfund Sterling gehalten und viele Länder koppelten ihre Währungen weiterhin an das Pfund.

Aus dieser Geschichte werden drei Dinge deutlich. Erstens: Ein auf Edelmetallen basierendes globales Währungssystem ist keine Lösung für die fundamentalen Ungleichgewichte eines globalen Wirtschaftssystems. Zweitens sind Edelmetalle keine Lösung des Inflationsproblems. Und drittens ist festzustellen, dass eine Leitwährung sowie das ihr zugrunde liegende Ökosystem des Welthandels den geopolitischen Niedergang des Leitwährungslandes oftmals um Jahrzehnte überleben.  

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine neue Wirtschaftsordnung mit den USA als Ankerland etabliert. Das Bretton-Woods-System sah die Bindung des US-Dollars an Gold im Verhältnis von 35 Dollar pro Unze vor. Andere Währungen waren an den Dollar gekoppelt (wobei jedoch gelegentliche Anpassungen erlaubt waren).

Die Schwachstelle des Systems bestand darin, dass es die globale wirtschaftliche Expansion nur so lange untermauerte, wie die USA bereit waren, durch die Anhäufung von Defiziten Dollars bereitzustellen – jene Defizite, die letztendlich Amerikas Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des Goldpreises von 35 Dollar pro Feinunze untergraben sollten. Im Jahr 1961 reagierten die USA mit der Schaffung des London Gold Pool, im Rahmen dessen andere Länder verpflichtet wurden, den USA die Hälfte ihrer Goldverluste zu erstatten. Diese Vereinbarung führte allerdings rasch zu Unbehagen und Frankreich verließ den Gold Pool im Jahr 1967. Vier Jahre später brach das Bretton-Woods-System zusammen.

Oder doch nicht? Trotz der Probleme in den 1970er Jahren blieb der Dollar die vorherrschende Währung auf der Welt, wobei mehrere Generationen asiatischer Länder ihre Wechselkurse an den Dollar koppelten. Ebenso wie im Bretton-Woods-System konnte eine periphere Ökonomie (China beispielsweise) überaus rasch wachsen und die Ankerökonomie (USA) sehr wohl in den Genuss billiger Finanzierung kommen. Chinas relativer Aufstieg schmälerte die Rolle des Dollars nicht – ja könnte sie sogar noch vergrößert haben. Ebenso wie die Japaner während ihrer raschen Wachstumsperiode, haben sich die Chinesen bis vor kurzem der Internationalisierung des Renminbi widersetzt.

Stehen wir also am Anfang der Ära nach dem Dollar? Trotz allen durch die große Rezession begründeten Ungemachs, deutet nichts darauf hin, dass die Welt den Dollar aufgeben würde. Die Anleger sind weiterhin bereit, die USA zu Niedrigstzinsen zu finanzieren und der nominelle handelsgewichtete Dollar-Index ist nicht zusammengebrochen.

Selbst wenn China die USA als weltgrößte Ökonomie innerhalb eines Jahrzehnts ablöst, kann eine Leitwährung unverwüstlicher sein als die wirtschaftliche und geopolitische Dominanz des Leitwährungslandes. Aus diesem Grund wird der Dollar höchstwahrscheinlich noch lange, nachdem die USA überholt wurden, die vorherrschende globale Währung bleiben.

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  1. Commented

    Peter Hauer

    This article lists three conclusions. The first conclusion is irrelevant, and the second conclusion is simply mistaken. Mr. Sanyal said, “First, (based on history) a global monetary system based on precious metals does not resolve the fundamental imbalances of a global economic system.

    On its face, this is obviously true. But so what? A monetary system based on precious metals was never intended to “resolve the fundamental imbalances of a global economic system.” The only effective way for individual nations to correct their trade imbalances is to increase their productivity. Any other method (devaluing the currency, forcing interest rates lower, etc.) will only distorts the free market, and create investment bubbles along with inflation.

    Mr. Sanyal also said:
    “Second, precious metals do not resolve the problem of inflation.”

    He used the Roman Empire as an example. However, the Roman Empire effectively “went off” the gold standard, when they debased their coins (putting in less gold than the face value claimed). They were not really basing their money on the gold standard any more. So of course they suffered from inflation after they did that.

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