Exit from comment view mode. Click to hide this space
Email | Print

Die Verlierer bleiben Herausforderer

HARARE: Vor den Präsidentschaftswahlen in diesem Monat war ich überzeugt davon, dass Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen ernsthafte Konsequenzen in Simbabwe selbst und im ganzen südlichen Afrika hätten. Trotz der Schatten von Krieg und Terrorismus rief ich zu fairen und freien Wahlen auf. Die Menschen von Simbabwe haben sie nicht bekommen. Stattdessen haben sie Terror erhalten.

In den zwei Jahren, die zu den Präsidentschaftswahlen geführt haben, war das Volk von Zimbabwe Opfer von Einschüchterungen, Schikanierungen und Bedrohungen seitens der Partei von Robert Mugabe, der Afrikanischen Nationalunion - Patriotischen Front (ZANU-PF), deren Programm staatlich subventionierter Terrorismus ist. Der ZANU-Terror geht auf das Konto der Schurkenelemente unter den Veteranen aus Simbabwes Unabhängigkeitskrieg vor zwei Jahrzehnten, der Regierungsmilizen und junger Männer, die allesamt von der Polizei unterstützt werden.

Folge von Einschüchterung und Gewalt war, dass meine Partei, die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), die Wählerschaft in weiten Teilen besonders der ländlichen Gegenden gar nicht erreichte. Zudem hat die Regierung meines Gegners, Präsident Mugabes, Hunderttausende von Wählern in den Städten wirksam entmündigt, besonders in der Hauptstadt Harare und in Chitungwiza. Da es insgesamt nicht genügend Wahllokale gab, haben meiner Meinung nach allein in Harare und Chitungwiza mehr als 360.000 Menschen in der Schlange gestanden, ohne ihren Wahlzettel in die Urne werfen zu können.

Ich zweifele die Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses weiterhin an, weil Mugabes Milizen es bei 52% der ländlichen Wahllokale verhindert haben, dass die MDC Wahlbeobachter stellten. Gegen Ende der Abstimmung fehlten unserer Partei Beobachter bei 6 von 10 Wahllokalen auf dem Land. Das bedeutet, dass Mugabes Anhänger in diesen Wahllokalen ihren Willen durchsetzen konnten. Wir stellen gerade eine umfassende Liste all der Wahllokale zusammen, die nur von ZANU-Anhängern kontrolliert wurden. Bei unseren bisherigen Untersuchungen ist sogar in diesem frühen Stadium eine Systematik zum Vorschein gekommen: in diesen Wahllokalen sind die meisten Stimmen für Mugabe abgegeben worden.

Angesichts der erdrückenden Beweislage kann ich das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen, aus denen der amtierende Präsident Robert Mugabe, mit 56% der 3 Millionen abgegebenen Stimmen als Sieger hervorgegangen ist, nicht akzeptieren. Das offizielle Ergebnis spiegelt den wahren Willen des Volkes von Simbabwe nicht wider und ist in dessen Augen illegitim.

Das Volk von Simbabwe wurde um sein Recht gebracht, einen Präsidenten ihrer Wahl frei und demokratisch zu wählen. Der Kampf um die Wahlergebnisse ist eine politische Angelegenheit, die politisch gelöst werden muss. Lebensmittel und Treibstoff sind knapp, Arbeitsplätze gehen verloren, die Inflation liegt bei mehr als 100%. Das Volk von Simbabwe war mutig und bestimmt und hat es verdient, dass dies anerkannt wird. Vielleicht ist es dafür noch nicht zu spät.

Ich schreibe diesen Text in Betrübnis, denn Mugabes Regime missachtet noch immer den Willen des Volkes. Was auch geschieht, ich werde dem Volk als treuer Diener zur Seite stehen und den Weg mit ihnen zuende gehen. Möglicherweise will mich die Regierung verhaften. Ich wurde ja auch schon vor den Wahlen wegen Hochverrats verhaftet. Im schlimmsten Fall wollen sie mich sogar töten. Aber die Regierung wird den Willen des Volkes, seine Rechte und seine Macht zurückzufordern, nie brechen können.

Es liegt in unserer Hand, einen demokratischen Wandel zu vollziehen. In den kommenden Tagen werden wir Momente der Angst erleben, aber wir dürfen nicht zulassen, dass uns die Verzweiflung übermannt. Der politische Wandel ist unaufhaltsam. Aber wir müssen bereit sein, für unsere Freiheit einen hohen Preis zu bezahlen. Präsident Mugabe und seine Schergen fürchten sich vor den Menschen, und wir haben gehört, dass sie alles tun werden, um den Überbringer der Nachricht zu töten.

Sollte es soweit kommen, bitte ich das Volk von Simbabwe nur darum, stark zu bleiben und zu Ende zu führen, was wir gemeinsam begonnen haben. Es gibt viele Helden im Volk von Simbabwe - Helden, die stundenlang gewartet haben, um zu wählen, Helden, die sich nicht wegschicken ließen. Es sind die Helden eines neuen Simbabwe, deren Stimme in der Welt Gehör finden muss.

Wir sind einen sehr steinigen Weg zusammen gegangen, um in unserem Land einen demokratischen Wandel zu erreichen. In der Geschichte der Menschheit hat ein Volk selten eine derartige Gewalt ertragen müssen und es dabei verstanden, sich Liebenswürdigkeit und Überschwang zu bewahren. Ich merke, dass die Bevölkerung von Simbabwe ungeduldig ist. Ich verstehe das. Aber damit es einen politischen Prozess geben kann, müssen sie geduldig sein und abwarten. Sie können diese Wahlen nicht einfach so stehen lassen, aber sie dürfen auch nicht auf die Provokation von Mugabe hereinfallen und zur Gewalt greifen. Die Menschen von Simbabwe wollen die Veränderung, in der Verfassung, im Rechtssystem, legitime Veränderung, und sie werden sie erreichen, trotz aller Hindernisse.

Wir wissen, dass wir nicht allein dastehen. Wir wissen, dass in ganz Afrika bei Wahlen betrogen wird. In den meisten afrikanischen Staaten scheinen Unregelmäßigkeiten, Betrug und Schwindel bei Wahlen an der Tagesordnung zu sein. In Afrika gibt es immer irgendwo eine Krise wegen Wahlen. Es ist traurig, aber der ganze Kontinent ist geplagt von Regierungen, die zu unlauteren Mitteln greifen, wenn es an der Zeit ist, den Menschen ihr Wahlrecht zuzugestehen.

Aber diejenigen, die etwas anderes wollen, können hoffen. Simbabwes Kampf ist noch nicht beendet. Noch ist Zeit, aus unserer Erfahrung die Lehren für Afrika und die Welt zu ziehen. Mein Volk ist in der Stunde seiner größten Not. Ich gelobe, es nicht zu verlassen.

Reprinting material from this Web site without written consent from Project Syndicate is a violation of international copyright law. To secure permission, please contact us.

Exit from comment view mode. Click to hide this space

Comments (0)

You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.

Show comments of
close

The two commenting options explained

Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.

1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.

2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.

Top Project Syndicate commentaries

Email this article

Your name is required.

Your email is required.


Your friend's name is required.

Your friend's email is required.


A message is required.