CHICAGO – In seiner Juli-Sitzung verabschiedete das Europäische Parlament einige der weltweit strengsten Regelungen für Bonuszahlungen an Bankmanager. Ziel ist es, die Risikobereitschaft von Finanzinstituten zu dämpfen.
Die neuen Regelungen sehen vor, dass maximal 30 % der Bonuszahlungen an Banker bar bezahlt werden. Zwischen 40 % und 60 % müssen mindestens drei Jahre lang zurückgestellt werden und mindestens 50 % müssen als „bedingtes Kapital“ investiert werden, einer neuen Schuldenform, die als Kapital bereitsteht, wenn ein Finanzinstitut in Schwierigkeiten gerät. Der innovativste Aspekt dieser Neuregelungen ist, dass die Einschränkungen nicht nur für die Hauptgeschäftsführer der Banken gelten, sondern für alle Topmanager (wobei die Definition von Topmanager allerdings den nationalen Parlamenten überlassen wird).
Was dieses gewaltige Eingreifen in private Leistungsverträge angeblich rechtfertigt, sind die Auswirkungen auf das Gesamtsystem, die diese Bonuszahlungen haben können. Die hohe Bezahlung im Bankensektor, so wird argumentiert, belohne den Erfolg, bestrafe jedoch nicht das Versagen. Die Manager können einfach von einem Unternehmen zum anderen wechseln, wenn es schlecht läuft, und so jede Bestrafung umgehen. Das System belohnt Manager dafür, Risiken einzugehen, auch wenn die Risiken zu hoch sind. Diese Verzerrung wird als eine der Hauptursachen für die Finanzkrise von 2008 angesehen.
Problematisch an dieser Argumentation ist, dass es keine Belege gibt, die den ersten entscheidenden Zusammenhang in dieser Logik untermauern würden. Viele Forscher haben versucht, eine Verbindung zwischen den Vergütungsverfahren für Bankmanager und ihrer Risikobereitschaft herzustellen, sind dabei jedoch auf keine gestoßen. Es konnte lediglich festgestellt werden, dass höher bezahlte Angestellte größere Risiken eingingen, allerdings ist unklar, ob dies eine Ursache oder eine Wirkung ist. Angestellte in Banken mit hohem Fremdfinanzierungsanteil sollten besser bezahlt werden, da sie ein höheres Risiko tragen.
Allerdings sind diese Forschungsarbeiten auf die fünf Topmanager beschränkt, deren Daten öffentlich zugänglich sind. Leider gibt es für Manager aus den tieferen Etagen keine öffentlich zugänglichen Daten, um einen Kausalzusammenhang zwischen der leistungsabhängigen Bezahlung durch Boni und der Risikobereitschaft herzustellen.
In dieser Hinsicht steht der von der US-Regierung eingerichteten Financial Crisis Inquiry Commission (FCIC) eine einmalige Möglichkeit zur Verfügung. Dank ihrer Befugnis zur Zwangsvorladung kann die FCIC diese Daten sammeln und analysieren. Es bleibt zu hoffen, dass wir diese Fragen nach der Veröffentlichung ihres Berichts im Dezember beantworten können.
Wenn wir davon ausgehen, dass ein Kausalzusammenhang besteht, scheint die europäische Richtlinie recht gut ausgearbeitet zu sein – mit einer großen Schwäche. Sie ist deshalb gut ausgearbeitet, weil sie nicht in die Höhe der Vergütungen eingreift (wie viele gefordert haben), sondern in die Form der Vergütung. Sie verlangt, dass ein Großteil des Jahresbonus nicht nur drei Jahre zurückgestellt wird, sondern auch, dass dieser zur Risikodeckung zur Verfügung steht. Wenn das Unternehmen in den drei Jahren schlechte Leistungen erbringt, verlieren die Manager einen Teil bzw. ihren gesamten angewachsenen Bonus. Die Anreize, Risiken einzugehen, werden somit verringert, aber nicht vollständig beseitigt.
Die größte Schwäche liegt darin, dass diese Vorschriften leicht zu umgehen sind, da sie lediglich für Bonuszahlungen gelten, dabei bleibt das Verhältnis zwischen Gehalt und Bonus den Banken überlassen. Gegenwärtig erhalten Bankmanager ihre Bonuszahlungen zu Anfang des Jahres, wobei die Höhe von ihrer individuellen Leistung im Vorjahr abhängt. Es wäre äußerst einfach, den Bonus des Vorjahres, der von der Vorjahresleistung abhängig ist, in das Gehalt des aktuellen Jahres umzuwandeln. Das Gehalt, das vollständig in bar ausgezahlt werden kann, wird jedes Jahr neu verhandelt und umgeht damit alle regelnden Einschränkungen. Ohne direktes Eingreifen der Regierung ist es schwierig, das Problem zu beheben.
Jedoch beschränkt sich in großen Finanzinstituten der Anreiz, auf Kosten der Steuerzahler zu spekulieren, nicht nur auf die Manager. Er gilt ebenso für die Inhaber von Wertpapieren, die de facto vom Staat geschützt werden. Da sie Zugang zu einem versicherten Kredit haben, finden es die Inhaber von Bankaktien unwiderstehlich, sich übermäßig viel Geld zu leihen. Schränkt man die leistungsbezogene Bezahlung der Manager ein, ohne etwas an den Anreizen für die Aktieninhaber zu ändern, so zwingt man die Aktieninhaber lediglich dazu, sich aktiver ins Unternehmen einzubringen und andere Wege zu finden, größere Risiken einzugehen.
Wenn das Problem in der überhöhten Risikobereitschaft (moral hazard) liegt, die sich daraus ergibt, dass die Banken zu groß sind, um sie pleite gehen zu lassen, besteht die Lösung nicht darin, die Bezahlung zu beschränken, sondern dieses Risiko zu beseitigen, indem man die Aktieninhaber zwingt, mehr Kapital zu investieren oder ihre Aktien zu verlieren, wenn die Schulden der Banken unsicher werden. Wie Oliver Hart und ich vor kurzem in einem Aufsatz erläuterten, ist dies leicht möglich. Dazu muss ein Regulierer immer dann eingreifen, wenn die Credit Default Swaps für die Schulden eines Finanzinstituts zu hoch werden.
Wenn wir zusätzlich zur Reformierung der Kapitalanforderungen (nicht anstatt dieser) bei der Bezahlung eingreifen wollen, ist die effektivste Möglichkeit hierzu eine Variante der Steuer, die der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown eingeführt hat: eine Sondersteuer auf sämtliche Vergütungsleistungen oberhalb einer gewissen Grenze, die nicht als Aktien gezahlt werden. Diese Steuer hätte zwei positive Nebeneffekte: Sie würde die Banken zu einer Veränderung ihrer Kapitalstruktur veranlassen, wodurch sie ihre exzessive Fremdfinanzierung abbauen würden und die Manager zu einer höheren Risikobeteiligung gezwungen wären.
Wenn es eine so einfach Lösung gibt, warum hat kein gewähltes Gremium sie umgesetzt? Ich befürchte, die Politiker wollen in der Öffentlichkeit hart gegenüber den Bankern wirken, haben aber kein Interesse daran, das Problem wirklich zu lösen.


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