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Der Euro und der Bimetallismus

PRINCETON – Die Alternativen zur europäischen Währung, dem Euro, scheinen sich zunehmend auf ein verzweifeltes Durchwursteln oder einen chaotischen Zusammenruch zu beschränken. Dabei existiert ein mutigerer und produktiverer Ansatz, der auf Erfahrungen mit verschiedenen Währungen zurückgreifen kann.

Man kann die Bedrohung kaum überbewerten, die von der gegenwärtigen politischen Sackgasse ausgeht, in der sich Europa befindet. Anfang der 1930er-Jahre ist die Politik in den USA durch geldmarktpolitische Inkohärenz lahmgelegt worden und die Federal Reserve Bank of New York hatte sich mit der Chicagoer Fed in einem unüberwindbaren Konflikt über eine Lockerung der Geldpolitik verstrickt (damals durch den Kauf von Offenmarktpapieren). Die chronischen politischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich von heute erzeugen ein Maß an Ungewissheit, das potenziell sogar noch zerstörerischer sein kann.

Alle paar Monate ergreifen europäische Regierungen eine neue und noch ausgeklügeltere Initiative zur Lösung der Schuldenkrise im Euroraum. Einen Tag lang (und manchmal auch nur über ein paar Stunden) feiern die Finanzmärkte eine Kursrally, aber schon bald kommen erneut Zweifel auf. Eine realistische Endphase ist nicht spürbar. Und es gibt keine längerfristige Vision, wie die fiskalische Integration, die für das wirksame Funktionieren einer Währungsunion erforderlich ist, innerhalb eines praktikablen Zeitrahmens erreicht werden kann.

Die Europäer sollten einen Blick in die Vergangenheit werfen, als frühere Krisen innovative Lösungen hervorgebracht haben. Es hatte so ausgesehen, als würde die anhaltende Krise des Europäischen Währungssystems (EWS) zwischen September 1992 und Juli 1993 die europäische Integration zum Scheitern bringen. Was anfänglich als Problem eines Landes (Italien) betrachtet worden war, ließ andere Wechselkurssysteme wie Dominosteine kippen: Großbritannien, Spanien und Portugal – und bis Juli 1993 war sogar Frankreich gefährdet. Damals wie heute stand die Zukunft Europas auf dem Spiel.

Die Lösung, zu der man sich in hektischen spätabendlichen Verhandlungen in Brüssel entschlossen hatte, wirkte zunächst kontraproduktiv. Die massive Ausdehnung des Schwankungsspielraums der Wechselkurse der EWS-Teilnehmerstaaten auf 15% nach oben und unten vom Leitkurs ließ eine Einheitswährung zunächst abwegiger erscheinen. Diese Ausweitung hat allerdings auch dazu geführt, dass so genannten „Einbahnspekulationen“, die in Erwartung weiterer Abwertungen auf anfällige Währungen getätigt wurden, und somit der zentralen Triebfeder für Instabilität der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Das modern Äquivalent zur Ausweitung des Schwankungsspielraums von 1993 wäre eine Beibehaltung des Euro für alle Mitglieder der Eurozone und die gleichzeitige Genehmigung für einige (prinzipiell für alle) – wenn nötig – nationale Währungen auszugeben. Die Länder, die dies tun, würden wahrscheinlich feststellen, dass ihre neuen Währungen umgehend mit einem erheblichen Abschlag gehandelt würden. Kalifornien hat unlängst einen ähnlichen Weg beschritten und angesichts fehlender Möglichkeiten sich Kapital zu beschaffen Schuldscheine ausgegeben.

Der Erfolg der Stabilisierungsbemühungen könnte dann anhand des Preises der neuen Währung beurteilt werden. Werden die Zielsetzungen – fiskalische Stabilisierung und erneutes Wachstum – erreicht, verschwindet der Abschlag. In gleicher Weise war der französische Franc nach 1993 zunächst von seiner alten Bandbreite abgewichen, kehrte dann aber dank guter politischer Leitlinien in die Bandbreite der Wechselkurse zurück.

Dieser Ansatz hat einen bedeutenden Vorteil: Eine Neudenominierung von Bankvermögen oder -verbindlichkeiten wäre nicht erforderlich. Infolgedessen wäre er nicht den zahlreichen rechtlichen Herausforderungen unterworfen, auf die eine radikalere Alternative stoßen würde.

Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, dass keine Konvergenz auftreten würde und die beiden parallelen Währungen über einen wesentlich längeren Zeitraum nebeneinander existieren würden. Der Gedanke ist nicht neu. Eine der Möglichkeiten, die in den Diskussionen über die Währungsunion Anfang der 1990er-Jahre in Erwägung gezogen wurde, war, dass eine gemeinsame Währung nicht unbedingt eine einheitliche Währung bedeuten muss. Diese Möglichkeit ist mehr als ein theoretisches Konstrukt, das vor zwei Jahrzehnten am Rande erörtert wurde; sie ist eine echte historische Alternative.

Tatsächlich gibt es eine eher überraschende Parallele zur dauerhaften Koexistenz zweier Währungen über einen langen Zeitraum. Bevor sich der Goldstandard in den 1870er-Jahren durchsetzte, hatte Europa seit Jahrhunderten mit einem bimetallischen System gearbeitet und sowohl Silber als auch Gold verwendet. Jedes Metall hatte seine unterschiedliche Prägung. Der Erfolg dieses Systems ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Münzen für unterschiedliche Zwecke genutzt wurden. Hochwertige Goldmünzen wurden für Transaktionen mit Großbeträgen und internationale Geschäfte verwendet. Geringwertige Silbermünzen wurden für kleine alltägliche Transaktionen genutzt, so etwa bescheidene Lohn- und Mietzahlungen. Es war Shakespeare, der Silber als „gemeinen, bleichen Notenläufer von Mann zu Mann“ bezeichnete.

In diesem System führt eine Abwertung des Silbers im Verhältnis zum Gold zu niedrigeren Reallöhnen und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit. Italienische Textilarbeiter der Frühen Neuzeit erhielten weniger Lohn in Silbermünze, während für ihre Produkte auf dem internationalen Markt für Luxusartikel nach wie vor ein Goldpreis verlangt wurde. Dies ist einer der Gründe, warum Theoretiker wie Milton Friedman einen bimetallischen Standard für grundsätzlich stabiler als ein monometallisches (auf Gold basierendes) System erachteten.

Heutzutage wäre das Äquivalent zum Anpassungsmechanismus der frühneuzeitlichen Welt des Bimetallismus beispielsweise ein Rückgang der griechischen Lohnkosten, die in der Nationalwährung bezahlt würden, solange diese mit Abschlag gehandelt wird. Diese Nationalwährungen wären die Entsprechung der Silber-Währungen.

Der Euro unterdessen wäre das Gegenstück zum Goldstandard. Die bereits existierenden Institutionen, die Europäische Zentralbank und diejenigen nationalen Zentralbanken, die keine neue Alternative haben, würden für seine Stabilität sorgen. In diesem Sinne wären die Kernländer das Gegenstück zum Großbritannien des achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts, das eine allein auf dem Goldstandard basierende Währung besaß.

Es scheint merkwürdig und widersinnig im nationalen wie auch im internationalen Umfeld eine Auswahl zwischen verschiedenen Währungen zu ermöglichen. Aber es ist – und war – machbar, und die hohe Forderung nach Stabilität kann außerordentlich erfolgreich erfüllt werden.

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