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Die Asienkrise zehn Jahre später

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2007-07-01

In diesem Juli jährt sich die Finanzkrise in Ostasien zum zehnten Mal. Im Juli 1997 fiel der thailändische Baht steil ab. Kurz darauf breitete sich die Finanzpanik bis nach Indonesien und Korea aus, dann nach Malaysia. In kaum über einem Jahr wurde aus der Asienkrise eine globale Finanzkrise, die den russischen Rubel und den brasilianischen Real abstürzen ließ.

Mitten in einer Krise weiß niemand, wie tief und wie lange die Wirtschaft fallen wird. Doch war der Kapitalismus seit seinen Anfängen von Krisen gekennzeichnet; jedes Mal erholt sich die Wirtschaft wieder, doch enthält jede Krise ihre eigenen Lektionen. Also ist es zehn Jahre nach der Asienkrise selbstverständlich, folgende Fragen zu stellen: Welche Lektionen gab es, und hat die Welt sie gelernt? Könnte sich eine solche Krise wiederholen? Droht eine weitere Krise?

Es bestehen einige Ähnlichkeiten zwischen der Situation damals und heute: Vor der Krise von 1997 war eine rasche Zunahme der Kapitalbewegungen aus Industrieländern in Entwicklungsländer zu verzeichnen – eine Versechsfachung in sechs Jahren. Danach stagnierten die Kapitalflüsse in die Entwicklungsländer.

Vor der Krise meinten einige, dass die Risikoprämien für Entwicklungsländer irrational niedrig waren. Diese Beobachter sollten Recht behalten: Merkmal der Krise waren in die Höhe schnellende Risikoprämien. Das heutige globale Übermaß an Liquidität hat wieder zu vergleichsweise niedrigen Risikoprämien und einer erneuten Zunahme der Kapitalbewegungen geführt, trotz allgemeiner Übereinstimmung, dass enorme Risiken auf die Welt zukommen (einschließlich der Risiken durch eine Rückkehr der Risikoprämien auf ein normaleres Niveau).

1997 schoben der IWF und das Finanzministerium der Vereinigten Staaten die Krise auf mangelnde Transparenz in den Finanzmärkten. Doch als die Entwicklungsländer mit dem Finger auf geheime Bankkonten und Hedge-Fonds zeigten, schwand die Begeisterung des IWF und der USA für mehr Transparenz. Seitdem ist die Bedeutung von Hedge-Fonds gestiegen, und geheime Bankkonten florieren.

Doch gibt es einige große Unterschiede zwischen damals und heute. Die meisten Entwicklungsländer haben massive Devisenrücklagen angehäuft. Was Ländern wie ihnen sonst geschehen kann, haben sie auf die harte Tour gelernt, als der IWF und das US-Finanzministerium einmarschierten, ihnen die wirtschaftliche Souveränität nahmen und Verfahrensweisen verlangten, um die Rückzahlungen an die westlichen Kreditgeber zu erhöhen, wodurch ihre Wirtschaften in tiefe Rezessionen und Depressionen gestürzt wurden.

Rücklagen sind kostspielig, denn das Geld hätte für Entwicklungsprojekte ausgegeben werden können, die das Wachstum fördern würden. Trotzdem wiegen die Vorteile durch die geringere Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer weiteren Krise sowie zu einem weiteren Verlust der wirtschaftlichen Unabhängigkeit kommt, bei weitem die Kosten auf.

Dieses Rücklagenwachstum hat, obwohl es für die Entwicklungsländer einen Versicherungsschutz darstellt, eine neue Quelle der globalen Volatilität geschaffen. Besonders jetzt, da der Dollar unter der Regierung Bush seinen geheiligten Platz als Wertaufbewahrungsmittel verloren hat, ist es zum Ausgleich für diese Portfolios über mehrere Billionen Dollar notwendig, dass Dollarvorräte verkauft werden, was zur Schwächung des Dollars beiträgt.

Auch haben die Entwicklungsländer in den letzten Jahren zunehmend Kredite in ihren eigenen Währungen aufgenommen, wodurch sich ihr Fremdwährungsrisiko verringert. Für diejenigen Entwicklungsländer, die im Ausland weiterhin stark verschuldet bleiben, würde eine Erhöhung der Risikoprämien fast sicher wirtschaftlichen Aufruhr auslösen, wenn nicht sogar eine Krise. Doch bedeutet die Tatsache, dass so viele Länder über große Rücklagen verfügen, eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit, dass sich das Problem in eine weltweite Finanzkrise ausweitet.

Mitten in der Krise von 1997 wurde ein Konsens ausgearbeitet, dass eine Veränderung in der globalen Finanzarchitektur notwendig war: Die Welt musste bei der Prävention von Krisen und, wenn sie ausbrachen, bei ihrer Bewältigung besser werden. Doch erkannten das US-Finanzministerium und der IWF, dass die voraussichtlichen Reformen, so wünschenswert sie für die Welt auch waren, nicht in ihrem Interesse lagen.

Sie taten alles in ihrer Macht stehende, um sicherzustellen, dass während der Krise keine Reformen von Bedeutung stattfanden, in dem Wissen, dass der Schwung für eine Reform nach der Krise nachlassen würde. Sie hatten mehr Recht, als sie ahnten. Wer hätte schließlich vorhersehen können, dass auf Bill Clinton ein US-Präsident folgen würde, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, das multilaterale System in all seinen Formen zu untergraben?

Als der IWF z. B. nach der Argentinienkrise richtigerweise vorschlug, dass es eine bessere Möglichkeit der Schuldenumstrukturierung geben müsse (ein internationales Konkursverfahren), legten die USA ihr Veto gegen die Initiative ein. Als die OECD ein Abkommen zur Einschränkung des Bankgeheimnisses vorschlug, legte die Regierung Bush auch gegen diese Initiative ihr Veto ein.

Tatsächlich wurden die beiden wichtigsten Lektionen aus der Krise nicht aufgenommen. Die erste lautet, dass die Liberalisierung der Kapitalmärkte – das Öffnen der Finanzmärkte von Entwicklungsländern für Wellen von kurzfristigem, „heißem“ Geld – gefährlich ist. Es war kein Zufall, dass die einzigen beiden großen Entwicklungsländer, die von einer Krise verschont blieben, Indien und China waren. Beide hatten sich gegen eine Liberalisierung der Kapitalmärkte gesträubt. Dennoch stehen heute beide unter Druck, ihre Kapitalmärkte zu liberalisieren.

Die zweite Lektion lautet, dass in einer stark integrierten Welt ein glaubwürdiges internationales Finanzinstitut gebraucht wird, um die „Verkehrsvorschriften“ so zu entwerfen, dass die globale Stabilität gestärkt und das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern gefördert wird. Da der IWF derart von den USA (sie sind das einzige Land mit Vetorecht) und Europa (das traditionell den IWF-Chef ernennt) dominiert wird, wurde der Fonds lange Zeit als Interessenvertreter der internationalen Kreditgeber angesehen. Sein Versagen in der Krise von 1997 hat seine Glaubwürdigkeit weiter untergraben, und sein Versäumnis, etwas gegen die massive finanzielle Unausgewogenheit weltweit zu unternehmen, die derzeit die Hauptgefahr für die globale finanzielle Stabilität darstellt, hat seine Grenzen unterstrichen.

Reformen sind nach wie vor vonnöten – einschließlich einer Überholung des globalen Rücklagensystems. Vielleicht stehen wir nicht vor einer Wiederholung der globalen Finanzkrise von 1997, aber eines steht fest: Mängel im globalen Finanzsystem können immer noch teuer werden, sowohl für den globalen Wohlstand als auch für die weltweite Stabilität.

Joseph Stiglitz ist Nobelpreisträger für Ökonomie. Sein jüngstes Buch heißt Making Globalization Work (Die Chancen der Globalisierung).

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AUTHOR INFO

Joseph E. Stiglitz is University Professor at Columbia University, a Nobel laureate in economics, and the author of Freefall: Free Markets and the Sinking of the Global Economy.