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Bricht der Damm in 2007?

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2007-01-02

Die Welt hat das Jahr 2006 ohne größere wirtschaftliche Katastrophe überlebt, obwohl die Ölpreise Schwindel erregende Höhen erreichten und der Nahe Osten immer mehr außer Kontrolle gerät. Doch produzierte das Jahr zahllose Lehren für die Weltwirtschaft sowie Warnsignale im Hinblick auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung.

Es überrascht nicht, dass der fundamentalistischen neoliberalen Politik in 2006 eine weitere klare Absage erteilt wurde, diesmal von den Wählern in Nicaragua und Ecuador. Zugleich erzielte im benachbarten Venezuela Hugo Chávez einen überwältigenden Wahlsieg: Zumindest hat er den armen Barrios, die vorher vom enormen Ölreichtum des Landes kaum profitiert hatten, etwas Bildung und Gesundheitsfürsorge gebracht.

Für die Welt am bedeutsamsten ist vielleicht, dass die Wähler in den Vereinigten Staaten Präsident George W. Bush, der nun von einem von den Demokraten dominierten Kongress in Schach gehalten wird, ihr Misstrauen ausgesprochen haben.

Als Bush in 2001 die Präsidentschaft antrat, hofften viele, dass er auf kompetente Weise von der Mitte her regieren würde. Seine pessimistischer eingestellten Kritiker trösteten sich mit der Frage, wie viel Schaden ein Präsident denn schon in ein paar Jahren anrichten könne. Nun wissen wir es: eine ganze Menge.

Noch nie war Amerikas Ansehen in den Augen der Welt derart gering. Grundwerte, die die Amerikaner als zentralen Bestandteil ihrer Identität ansehen, wurden untergraben. Das Undenkbare ist eingetreten: Ein amerikanischer Präsident verteidigt den Einsatz von Folter, zieht sich bei der Auslegung der Genfer Konventionen auf Formalitäten zurück und ignoriert die Anti-Folter-Konvention, die Folter unter allen Umständen untersagt. Zugleich ist Bushs Amtszeit (obwohl er als der „erste Präsident mit MBA“ bejubelt wurde) von Korruption und Unfähigkeit bestimmt – von der verpfuschten Reaktion auf den Hurrikan Katrina bis hin zu ihrer Führung der Kriege in Afghanistan und dem Irak.

Tatsächlich sollte man nicht zu viel in diese Wählerentscheidung des Jahres 2006 hineinlesen: Die Amerikaner mögen es nicht, wenn sie in einem Krieg auf der Verliererseite stehen. Es waren dieses Versagen und die Patsche, in die Amerika einmal mehr mit solcher Zuversicht getappt ist, die die Wähler dazu gebracht haben, Bush eine Absage zu erteilen. Aber das unter Bush im Nahen Osten angerichtete Chaos stellt auch ein zentrales Risiko für die Weltwirtschaft dar. Seit Beginn des Irakkrieges im Jahre 2003 ist die Ölproduktion im Nahen Osten – der kostengünstigsten Produktionsregion weltweit – nicht wie erwartet gestiegen, um die wachsende weltweite Nachfrage zu befriedigen. Zwar legen die meisten Prognosen nahe, dass die Ölpreise auf ihren derzeitigen Stand oder etwas darunter verharren werden, doch dies ist überwiegend durch eine erkennbare, von einer nachlassenden US-Konjunktur ausgehende Abschwächung der Nachfrage bedingt.

Natürlich stellt eine nachlassende US-Konjunktur ein weiteres wichtiges globales Risiko dar. Den wirtschaftlichen Problemen Amerikas liegen dabei Maßnahmen zugrunde, die zu Beginn von Bushs erster Amtszeit verabschiedet wurden. Insbesondere drückte die US-Regierung eine Steuersenkung durch, die weitgehend erfolglos dabei war, die Konjunktur zu stimulieren – weil sie so konzipiert war, dass vor allem die reichsten Steuerzahler von ihr profitierten. Die Last, die Wirtschaft zu stimulieren, lag damit bei der Federal Reserve, die die Zinsen auf ein nie da gewesenes Niveau absenkte. Während das billige Geld kaum Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen hatte, heizte es eine Immobilienblase an, die nun am Platzen ist und damit jene Haushalte in Gefahr bringt, die – um ihren Verbrauch aufrecht zu erhalten – ihre im Wert gestiegenen Häuser höher belastet hatten.

Diese Wirtschaftsstrategie war nicht aufrecht zu erhalten. Die Ersparnisse der privaten Haushalte fielen zum ersten Mal seit der Großen Depression ins Negative ab; das Land nahm täglich Auslandskredite in Höhe von drei Milliarden Dollar auf. Jedoch konnten die privaten Haushalte ihre Häuser nur so lange weiter belasten, wie die Immobilienpreise weiter stiegen und die Zinsen niedrig blieben. Höhere Zinsen und fallende Immobilienpreise lassen also für die amerikanische Wirtschaft nichts Gutes erwarten. Tatsächlich rührten laut einigen Schätzungen in den letzten Jahren rund 80% der Beschäftigungszunahme und fast zwei Drittel der Zunahme vom BIP direkt oder indirekt vom Immobiliensektor her.

Um es noch schlimmer zu machen, gab eine hemmungslose Ausgabepolitik der Regierung der Konjunktur während der Bush-Jahre weiter Auftrieb; die Haushaltsdefizite erreichten neue Höchststände. Dies erschwert es der Regierung nun, da die Haushalte ihren Verbrauch einschränken, die Konjunktur abzustützen. Tatsächlich dürften viele Demokraten, die sich im Wahlkampf für eine Rückkehr zur finanzpolitischen Vernunft ausgesprochen haben, eine Senkung des Defizits verlangen, was das Wachstum weiter dämpfen würde.

In der Zwischenzeit führen hartnäckige globale Ungleichgewichte zu weiterer Unruhe, insbesondere bei jenen, die von der Wechselkursentwicklung abhängig sind. Obgleich Bush lange versucht hat, anderen die Schuld dafür zuzuschieben, ist klar, dass Amerikas ungezügelter Konsum und seine Unfähigkeit, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu leben, die Hauptursachen dieser Ungleichgewichte sind. Sofern sich dies nicht ändert, werden globale Ungleichgewichte weiter eine Quelle weltweiter Instabilität sein, unabhängig davon, was in China oder Europa geschieht.

Angesichts all dieser Unsicherheiten ist es ein Rätsel, warum die Risikoaufschläge weiterhin so niedrig sind. Insbesondere aufgrund der dramatischen Verringerung des globalen Liquiditätswachstums infolge der schrittweisen Anhebung der Zinsen durch die Zentralbanken ist die Aussicht, dass die Risikoaufschläge wieder ein normaleres Niveau erreichen, heute selbst eines der größten Risiken, vor denen die Welt steht.

Joseph Stiglitz ist Nobelpreisträger für Ökonomie. Sein aktuellstes Buch ist Making Globalization Work.

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AUTHOR INFO

Joseph E. Stiglitz is University Professor at Columbia University, a Nobel laureate in economics, and the author of Freefall: Free Markets and the Sinking of the Global Economy.