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Davies and Shiller

Oh schöne Zweitwohnung

Robert J. Shiller

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2005-11-24

Immer, wenn ich bei Finanz- und Wirtschaftskonferenzen auf der Welt einen Vortrag halte, stelle ich fest, dass man mit den Ehepartnern der teilnehmenden Geschäftsleute mittleren Alters großartig ins Gespräch kommt, wenn man sich nach ihren Ferienwohnungen erkundigt. Daraufhin werde ich mit Geschichten über herrliche, von der Veranda aus beobachtete Sonnenuntergänge am Meer unterhalten, Geschichten über Ausblicke auf weite Flächen voll bunter Wildblumen an Berghängen und über fröhliche Familientreffen in schöner Abgeschiedenheit (sowie Probleme mit den Rohrleitungen).

Vor Jahren erkundigte ich mich nie nach Ferienwohnungen. Sie schienen die Leute nicht so sehr zu beschäftigen. Der Erwerb von Zweitwohnungen zum Vergnügen war auf die Reichen beschränkt und schien daher kein gutes Gesprächsthema für die einfachen Geschäftsleute zu sein, die ich bei solchen Konferenzen treffe.

Doch derzeit erfährt die Welt einen Zweitwohnungsboom: Immer mehr Menschen kaufen Ferienwohnungen an schönen und netten Orten, die sich einige Flugstunden von ihren ersten Wohnungen und Arbeitsplätzen befinden. Ihre Zweitwohnungen sind ein Rückzugsort, an dem sie nur einen Teil des Jahres verbringen, und in letzter Zeit werden unberührte Bergrücken und Klippen am Ozean mit neuen Wohnungen übersät, um den Bedarf zu decken.

Laut einer Studie der National Association of Realtors (NAR, Nationaler Verband der Grundstücksmakler) waren 13 % aller 2004 in den Vereinigten Staaten gekauften Wohnungen Ferienwohnungen. Darin sind keine Käufer enthalten, die die Wohnungen als Investitionsimmobilien erworben haben, in den meisten Fällen, um sie zu vermieten. Laut NAR entfallen weitere 23 % der Wohnungsverkäufe auf Investitionskäufer, wodurch der Anteil der Zweitwohnungskäufe auf 36 % des Gesamtvolumens steigt.

Einige US-Landkreise mit einem hohen Anteil an Ferienwohnungen erleben Preissteigerungen, die es mit den boomenden Vierteln der Metropolen aufnehmen können oder diese sogar übertreffen. Beispielsweise stiegen die Wohnungspreise in der schicken Feriengegend Cape Cod in Massachusetts laut Case-Shiller-Hauspreisindex zwischen 1997 und 2005 um 184 %, verglichen mit einem Anstieg um 131 % im nahe gelegenen Boston in demselben Zeitraum.

Amerika steht nicht alleine da. Die Europäer kaufen gemütliche Skihütten in den Alpen, elegante Eigentumswohnungen mit mediterranem Ausblick in Südspanien und immer häufiger Villen an malerischen Standorten in der Türkei, Ungarn und Kroatien. Die Australier kaufen Küstengrundstücke an der Sunshine Coast und den Whitsundays.

Japans Ferienwohnungsboom der 80er Jahre ist mit dem Einbruch seines Aktienmarktes und des städtischen Grundstücksmarktes weitgehend abgeebbt. Doch selbst dort bleibt der Markt für Ferienwohnungen an Orten wie Karuizawa, dem Kawaguchi-See und Hakone heiß.

Sich eine Ferienwohnung in einer schönen Umgebung leisten zu können, mag für einige Menschen sehr viel bedeuten. Tatsächlich scheinen sie die Gespräche, die ich manchmal über diese Immobilien höre, in den wahren Sinn des Lebens einzuweihen. Denn wo leben in unserer Vorstellung schließlich Philosophen, Dichter und Gurus? In einer dieser eindrucksvoll bezaubernden Wohnungen natürlich, und nicht als Touristen in Hotelzimmern.

Die meisten Leute, die sich eine solche Ferienwohnung auf keinen Fall leisten könnten, vermissen sie wahrscheinlich nicht. Sich nach einer zu sehnen, scheint ein Bedürfnis wie das nach gutem Wein zu sein; man entdeckt es erst dann, wenn man über ein ansehnliches Vermögen verfügt. Während also das globale Wirtschaftswachstum weitergeht und die Haushaltseinkommen in den bevölkerungsreichsten aufstrebenden Ländern steigen, wird die Nachfrage nach Ferienwohnungen an schönen Orten im In- und Ausland wahrscheinlich in die Höhe schnellen – und somit die Preise.

Dies gibt Anlass zur Besorgnis. Das reale BIP ist in vielen entwickelten Ländern um zirka 3 % pro Jahr gewachsen und doppelt so viel oder mehr in einigen Schwellenländern. Immobilien an schönen Orten werden wahrscheinlich zu dem, was Wirtschaftswissenschaftler als „superiore Güter“ bezeichnen – Güter, die bei steigenden Einkommen einen höheren Anteil am Verbrauch ausmachen. Bei gleich bleibendem Angebot sollten die Mieten für diese Immobilien genauso stark oder stärker steigen als die BIP-Wachstumsrate. Die Preise könnten zeitweise viel schneller steigen.

Andererseits wird der rasante Preisanstieg bei Ferienwohnungen an einigen Orten durch eine Spekulationsblase angeheizt. Der Ferienwohnungsboom scheint psychologisch mit den aufgeblähten Preisen für Stadtwohnungen in vielen „Glamourstädten“ der Welt verbunden zu sein, und die Preise dieser Ferienwohnungen sind in gleicher Weise anfällig für einen beträchtlichen Preissturz in den kommenden Jahren.

Zudem gibt es viele Möglichkeiten für das Baugewerbe, weiteren Abermillionen von Menschen die Gelegenheit zu geben, irgendeinen schönen Ort ihr Zuhause zu nennen, indem sie die Flächen dort einfach dichter und mit mehr Hochhaus-Ferienwohnungen bebauen. Viele der heute gebauten Einfamilien-Ferienhäuser oder Apartmentgebäude in locker bebauten Gebieten werden am Ende wahrscheinlich verkauft, abgerissen und durch dicht bebaute, riesige Komplexe ersetzt, wodurch das Angebot vergrößert und somit der Preisdruck auf die verbleibenden Ferienwohnungen in locker bebauten Gebieten gesenkt wird.

Solche dicht besiedelten Komplexe stellen wohl das bestmögliche Ergebnis dar, denn sie werden den meisten Menschen gefallen. Die meisten Urlauber finden die Anwesenheit vieler anderer Urlauber um sie herum aufregend. Große Menschenmassen tragen zu einer Urlaubsatmosphäre bei und ziehen die Unterhaltungs- und Sportindustrie an.

Doch für viele, die sich vorstellen, an einem Ort zu entspannen, der ihnen ein idyllisches Leben in ungestörter Schönheit bietet, besteht das hohe Risiko, dass die Preise in den nächsten Jahrzehnten unerschwinglich werden. Keine Wirtschaftsstrategie kann dies ändern, selbst wenn sie zu einem spektakulären BIP-Wachstum führt.

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AUTHOR INFO

Robert Shiller, a Professor of Economics at Yale and chief economist at MacroMarkets LLC, is the author of The Subprime Solution: How Today’s Global Financial Crisis Happened, and What to Do about It.