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War and Peace by Shlomo Ben-Ami |
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Crossing Cultures by Ian Buruma |
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The Statesmen's Debate by Castaneda, Haass, Rocard |
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Anatomy of the Global Economy by J. Bradford DeLong |
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The Rebel Realist by Joschka Fischer |
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Roads to Prosperity by Dani Rodrik |
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The Unbound Economy by Kenneth Rogoff |
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Economics and Justice by Jeffrey D. Sachs |
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Finance in the 21st Century by Roubini, Shiller |
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The Ethics of Life by Peter Singer |
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Transatlantic Perspectives by Feldstein, Sinn |
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I Dissent: Unconventional Economic Wisdom by Joseph E. Stiglitz |
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Against the Current by Robert Skidelsky |
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Awakening India by Shashi Tharoor |
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The Next Wave by Naomi Wolf |
Ein langes Leben ist einer unserer sehnlichsten Wünsche und die Fortschritte in Medizin und Wirtschaft lassen die Hoffnung zu, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Manche Wissenschaftler meinen, die Lebenserwartung des Menschen könnte um die Mitte dieses Jahrhunderts 90 Jahre betragen. Was allerdings, wenn sich dieser Wunsch wirklich erfüllt? Was nützt ein längeres Leben, wenn wir unseren Lebensstandard nicht aufrecht erhalten können?
Das Grundproblem bei den Planungen für eine höhere Lebenserwartung ist, dass wir nicht wissen, ob sie auch wirklich eintritt. Die Lebenserwartung könnte zur Mitte des Jahrhunderts genauso gut – wie jetzt in den Industrieländern - nur 80 Jahre betragen, wenn der medizinische Fortschritt enttäuschend verläuft oder von neuen Bedrohungen und Gefahren untergraben wird. Wenn wir Vorsorge für ein langes Leben treffen, das dann doch kürzer ausfällt, haben wir enorme Mengen wertvoller wirtschaftlicher Ressourcen verschwendet. Wenn wir allerdings keine Vorsorge für ein tatsächlich längeres Leben treffen, werden viele alte Menschen zu einem Leben in Armut verdammt sein.
Die generelle Richtung jeder Volkswirtschaft hängt von der Lebenserwartung ab. Eine riesige Zahl alter Menschen bedeutet auch viele Menschen, die an gewissen Orten wohnen möchten, spezielle Wohnungen suchen und gewisse Arten von Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Welche Arten von Unternehmen sich durchsetzen, welche Gebäude errichtet werden und wie die Art der nötigen Forschung und Entwicklung aussieht, hängt von der Demografie der Nachfrage ab.
Das gilt auch für die Weltwirtschaft insgesamt. In seinem 2005 erschienen Buch The Future for Investors , argumentiert Jeremy Siegel, dass es eine Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Lebenserwartungen in verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Wohlstandsstufen geben wird und dass diese Wechselwirkung eine grundlegende Determinante der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern sein wird. Handelsströme könnten in beträchtlicher Weise von der Lebenserwartung beeinflusst werden: Länder, die in Zukunft mit einer relativ großen Zahl von alten Menschen rechnen, sollten jetzt einen Handelsbilanzüberschuss aufweisen und Defizite später.
Rentner brauchen eine feste Jahresrente – also Verträge, die ihnen ein fixes Einkommen für den Rest ihres Leben bieten – um sich gegen das Risiko zu wappnen, länger zu leben, als ihre Mittel ausreichen. Gäbe es kein Lebenserwartungsrisiko – wenn also die Wahrscheinlichkeit, zu einem bestimmten Alter zu sterben, verlässlich zu berechnen wäre – dann könnten Rentenfonds ohne Umstände vielen Menschen derartige Jahresrenten anbieten, indem sie in Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten investieren, die dann jedes Jahr genau die richtige Summe abwerfen.
Aber genau das können Rentenfonds nicht, denn damit riskieren sie, dass ihnen das Geld ausgeht, wenn es sich herausstellt, dass die Menschen im Durchschnitt länger leben als erwartet. Bei Menschen, die mit 60 Jahren in Rente gehen, ist der Unterschied, ob sie 80 oder 90 werden, enorm: in letzterem Fall würden die Gelder um 50 % länger ausbezahlt werden müssen. Daher bieten private Unternehmen keine Jahresrenten zu attraktiven Tarifen an. Es gibt für sie keine Sicherheit, dass sie ihren Verpflichtungen auch nachkommen können, außer bei signifikanter Überkapitalisierung.
Glücklicherweise beginnen sich die Finanzmärkte des Lebenserwartungsrisikos anzunehmen. Im November 2004 kündigte die Europäische Investitionsbank (EIB) in Zusammenarbeit mit der Privatbank BNP Paribas an, dass man die erste langfristige Lebenserwartungsanleihe der Welt ausgeben werde. Die jährliche Auszahlungssumme der Anleihe, deren Laufzeit 25 Jahre beträgt, liegt bei 50 Millionen britischer Pfund multipliziert mit dem Prozentsatz der männlichen englischen und walisischen Bevölkerung, die im Jahr 2003 65 Jahre alt war und in einem bestimmten Jahr noch am Leben ist (dieser Wert kann einem leichten Datenrückstand unterliegen). Wenn beispielsweise 80 % der Männer zehn Jahre nach Ausgabe der Anleihe noch am Leben sind, beträgt die Auszahlungssumme 40 Millionen Pfund. Wenn nach 20 Jahren nur noch 40 % der Männer leben, beträgt die Auszahlungssumme 20 Millionen Pfund.
BNP Paribas hoffte, die Anleihe in britischen Rentenfonds platzieren zu können, aber bis jetzt wurde die Anleihe nicht zur Gänze gezeichnet. Die meisten potenziellen Käufer lassen sich mit ihrer Meinungsbildung Zeit, da Treuhänder, Fondsmanager, Berater und Arbeitgeber sich erst an den Gedanken gewöhnen müssen, dass dieses neue Konzept in Einklang mit ihren treuhänderischen Verpflichtungen steht. Überdies ist es nicht klar, ob die EIB beim Risikomanagement weiterhin von den Rückversicherern unterstützt wird, da diese Rückversicherer selbst noch nicht wissen, wie sie sich gegen die damit verbundenen Risiken absichern sollen.
Die schleppende Einführung derartiger Lebenserwartungsanleihen spiegelt letzten Endes eine grundlegende Frage wider: Können wir die Auswirkungen des Lebenserwartungsrisikos wirklich verringern? Wenn jeder Mensch gleichermaßen vom Lebenserwartungsrisiko betroffen ist, dann sollte, ungeachtet des Preises der Lebenserwartungsanleihe, logischerweise jeder auf der gleichen Seite des Vertrages stehen wollen – alle Käufer zum einen Preis, alle Emittenten zu einem anderen. Keine Unterschiede heißt auch kein Markt.
In Wahrheit sind wir aber nicht alle in gleicher Weise vom Lebenserwartungsrisiko betroffen. Lebensversicherungsunternehmen, Medikamentenfirmen, Dienstleistungsanbieter für ältere Menschen und Anleger, die in Immobilien für das Rentenalter investieren, würden von einer längeren Lebenserwartung profitieren, während Altersversorgungspläne mit genau definierten Rentenbeträgen und Anbieter von Jahresrenten verlieren würden. Weniger wohlhabende Menschen sind durch eine höhere Lebenserwartung ebenfalls stärker bedroht, als diejenigen, für die ein längeres Leben nur bedeutet, dass ihre Nachkommen eben weniger erben. Länder mit einer höheren Geburtenrate werden in den nächsten 50 Jahren vom Lebenserwartungsrisiko tatsächlich weniger betroffen sein als Länder mit niedrigeren Geburtenraten.
Wir brauchen daher einen großen und flüssigen Markt für dieses Lebenserwartungsrisiko, so dass verschiedene Gruppen ihre Risiken untereinander kreativ verteilen können. Tatsächlich ist die Schaffung eines solchen Marktes der wichtigste Schritt, um sich des Problems des Lebenserwartungsrisikos zu stellen, denn dadurch könnten wir seinen wahren Preis ermitteln, wodurch auch unzählige Geschäftsentscheidungen zum Thema Lebenserwartung effizienter getroffen werden könnten.
Es gibt praktisch keine Geschichte der Preisentwicklung von Lebenserwartungsanleihen. Daher wird es eine Zeit lang dauern, bis Käufer und Verkäufer sowie Marktpreise ermittelt worden sind. Obwohl heute noch im experimentellen Stadium, werden die Lebenserwartungsanleihen eines Tages von entscheidender Bedeutung für die Weltwirtschaft sein.
Robert J. Shiller ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University, Direktor von Macro Securities Research LLC und Autor der Bücher Irrationaler Überschwang und Die neue Finanzordnung.
Copyright: Project Syndicate, 2005.
www.project-syndicate.org
Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier