PEKING – Was ist das große Thema unserer Zeit? Die Antwort auf diese Frage hängt zwar vom jeweiligen Tag ab, aber wenn wir in Jahrhunderten denken, gilt die Urbanisierung der Menschheit sicher als eines dieser Themen. Heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, während es im Jahr 1800 nur 3 Prozent waren. Bis 2025 soll es allein in China 15 „Megastädte“ geben, in denen jeweils mindestens 25 Millionen Menschen leben. Ist die Sorge der Sozialkritiker hinsichtlich einer anonymen Einsamkeit in Großstädten berechtigt?
Zwar können Städte nicht jenes intensive Gemeinschaftsgefühl vermitteln, das oftmals das Leben in Dörfern und Kleinstädten prägt, aber in Städten bildet sich eine andere Art von Gemeinschaft. Die Menschen sind vielfach stolz auf ihre Städte und versuchen die charakteristische städtische Kultur zu pflegen.
Der Stolz auf die eigene Stadt hat eine lange Geschichte. In der Antike identifizierten sich die Athener mit dem demokratischen Charakter ihrer Stadt, während die Spartaner stolz auf die Reputation ihrer Stadt hinsichtlich militärischer Disziplin und Stärke waren. Natürlich sind die heutigen Stadtgebiete riesig, vielfältig und pluralistisch und daher mag die Behauptung seltsam erscheinen, wonach eine moderne Stadt einen Charakter hat, der das kollektive Leben ihrer Bewohner prägt.
Und doch deuten die Unterschiede zwischen – sagen wir – Peking und Jerusalem darauf hin, dass Städte sehr wohl über einen derartigen Charakter verfügen. Beide Städte entstanden rund um einen Kern, um den sich der Rest der Stadt in konzentrischen Kreisen erstreckt. Jerusalems Kern ist Ausdruck spiritueller Werte, während Pekings Stadtkern politische Macht darstellt. Und der Charakter einer Stadt ist prägender als ihre Persönlichkeiten. Peking lockt die führenden politischen Kritiker Chinas an, während sich die Sozialkritiker Jerusalems für eine Interpretation von Religion aussprechen, die statt unbelebter Objekte Menschen heiligen sollte. In beiden Fällen wird trotz des Widerspruchs gegen die jeweiligen Dogmen der vorherrschenden Ideologie, der Charakter der Stadt nicht in Zweifel gezogen.
Oder man denke an Montreal, wo sich die Bewohner in der heiklen linguistischen Politik der Stadt zurechtfinden müssen. Montreal ist ein relativ erfolgreiches Beispiel einer Stadt, in der sich sowohl Anglophone als auch Frankophone zuhause fühlen. Dennoch wird die politische Szene von Sprachdebatten beherrscht – die somit den Charakter der Stadt für ihre Einwohner formen.
Hongkong ist ein Spezialfall, wo der Kapitalismus eine so zentrale Rolle spielt, dass er sogar in der Verfassung (Grundgesetz) verankert ist. Doch der Kapitalismus wie er in Hongkong gelebt wird, ist nicht nur auf materiellem Zugewinn begründet. Seine Basis bildet die konfuzianische Ethik, in der die Sorge um den anderen einen höheren Stellenwert besitzt, als das Eigeninteresse. Das ist auch ein Grund, warum Hongkong die höchste Dichte an karitativen Tätigkeiten in Ostasien aufweist.
Demgegenüber verbindet man Paris mit Romantik. Allerdings missbilligen die Pariser Hollywoods banales Konzept der Liebe als Geschichte, die immer gut ausgeht. Ihre Vorstellung einer Romanze gründet sich auf deren Gegensatz zu konservativen Werten und der Vorhersehbarkeit des bourgeoisen Lebens.
Tatsächlich verfügen viele Städte über charakteristische Identitäten, auf die ihre Einwohner stolz sind. Dieser Stolz auf seine Stadt – von uns als „Civicism“ bezeichnet – ist ein Hauptmerkmal unserer Identitäten von heute. Das ist deshalb teilweise von Bedeutung, weil sich Städte mit unverwechselbarem Charakter den Homogenisierungstendenzen der Globalisierung leichter widersetzen können. Es ist besorgniserregend, wenn Länder ihre zeitlosen und gewachsenen Strukturen preisen. Die Besonderheiten einer Stadt hervorzuheben, kann hingegen ein Zeichen einer gesunden Entwicklung sein.
Chinesische Städte versuchen dieser Einförmigkeit durch Kampagnen zur Wiederentdeckung ihres einzigartigen „Geists“ entgegenwirken. Harbin beispielsweise rühmt sich seiner Geschichte der Toleranz und Offenheit gegenüber Fremden. Auf der offiziellen Webseite Tel Avivs wird neben anderen Attraktionen die fortschrittliche Rolle der Stadt als Zentrum der homosexuellen Gemeinschaft hervorgehoben.
Stolz auf die Stadt kann auch extremem Nationalismus vorbeugen. Die meisten Menschen brauchen eine gemeinschaftliche Identität. Es ist jedoch wohl besser seine Bindung an eine Stadt zu finden, als an ein bewaffnetes Land, das bereit ist, in einen Konflikt mit seinen Feinden zu treten. Menschen mit einem starken Gefühl der Identifikation mit ihrer Stadt können, wenn es um Engagement auf nationaler Ebene geht, ihre Entscheidungen auf mehr als nur bloßen Patriotismus gründen.
Städten mit prägendem Charakter ist es auch möglich, politische Ziele erreichen, die auf nationaler Ebene schwieriger anzustreben sind. In China, den Vereinigten Staaten und sogar Kanada kann es Jahre dauern, bis ernsthafte Pläne zur Bekämpfung des Klimawandels umgesetzt werden. Doch in den Städten Hangzhou, Portland und Vancouver ist man stolz auf das „grüne“ Image und geht im Bereich Umweltschutz weit über das national geforderte Maß hinaus.
Die Verstädterung wird als Grund für eine Vielzahl an modernen gesellschaftlichen Missständen bezeichnet - von Kriminalität und Rüpelhaftigkeit bis hin zu Entfremdung und Anomie. Aber indem sie uns mit ihrer einzigartigen Identität und Prägung durchdringen, könnten die Städte helfen, der Menschheit Kraft zu geben, um den schwierigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen.


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Zsolt Hermann
What the authors write about cities is true, humanity has been converging into larger settlmenets for multiple reasons for a long time.
But we must not forget we are in an evolutionary process, sometimes we tend to think that with humans as they are today the evolution has stopped.
On the contrary, the evolution of human beings has become much faster in recent decades, and today we are entering a completely new state with this closed, global, interconnected network around us.
Today whether someone lives in cities or not still has some meaning to the person's financial state, work and physical/technical aspects of life, but our social, family and personal relationships increasingly move over to the virtual domain.
Even before this geographic location started losing its meaning, I live in New Zealand but when I am in Patrice's French bakery eating croissants nobody can convince me I am not in France for that 10 minutes, and it is the same with Yunnis's Kebab shop, or the weekend dinner when my wife cooks some Hungarian meal...We can easily dosconnect from the rigid framework surrounding us.
We will get more and more detached from time and space as we continue connecting to each other virtually across the globe, today people can easily live family even sex life, make operations, build empires, incite revolutions virtually over the Internet. Even our wars have become remote controlled...
Where we live becomes less and less significant very soon, we will see the modern human is not bound by physical constraints, the only thing we have to work out with what attitude and content we fill the multi dimensional connections we have with each other.