PARIS: Vor einem Jahr, als er sich um das Amt des französischen Präsidenten bewarb, versprach Nicolas Sarkozy einen „Bruch“ mit der Vergangenheit. Bisher jedoch können nur wenige Franzosen die Art von Bruch erkennen, die Sarkozy versprach. Sie irren freilich, wenn sie glauben, dass sich im ersten Jahr seiner Präsidentschaft nichts verändert habe. Sarkozy hat tatsächlich einen Bruch herbeigeführt, wenn auch in einem unerwarteten Bereich: dem seit den Tagen Charles de Gaulles vorherrschenden Konsens in der Außenpolitik.
Natürlich ist es in diesem frühen Stadium unmöglich, die langfristigen strategischen Auswirkungen von Sarkozys offenkundigem Entschluss, Frankreich wieder in die integrierte militärische Kommandostruktur der NATO einzubinden und das französische Engagement bei seinem Out-of-Area-Einsatz in Afghanistan – seinem ersten überhaupt – zu stärken, präzise zu einzuschätzen. Doch die Folgen dieser Entscheidungen sind klar: Frankreich ist unter Sarkozy nun wieder im Herzen des atlantischen Bündnisses angekommen.
Obwohl dies außerhalb Frankreichs banal erscheinen mag, hat Sarkozys Revolution in der Außenpolitik im eigenen Land leidenschaftlichen Widerstand hervorgerufen. Tatsächlich verurteilen alle Parteien auf der Linken des politischen Spektrums Sarkozys Bruch mit dem militärischen und diplomatischen Erbe der Fünften Republik.
Natürlich hat das wahre Problem, dass die Linke mit Sarkozys Politik hat, seine Wurzeln in seiner Vorstellung von Frankreichs Beziehung zu den USA. Das Misstrauen gegenüber Amerika war – so viel ist klar – keine bloße Pose der Linken. Auch die Haltung vieler Gaullisten hatte über Jahrzehnte eine antiamerikanische Einfärbung. Doch auch wenn Sarkozy seine Partei nicht von den Vorzügen von George Bushs Amerika überzeugt hat, hat er ihren einst gewohnheitsmäßigen Argwohn im Hinblick auf die USA abmildern können. In sofern hat sich in diesem zentralen Bereich der französischen Diplomatie eine Kluft zwischen Links und Rechts aufgetan, wie sie Frankreich seit vier Jahrzehnten nicht erlebt hat.
Die französische Linke lehnt Sarkozys transatlantische Impulse ab – was kaum überrascht – und hat ihm wiederholt Verrat am Erbe General de Gaulles vorgeworfen. Die Mehrheit des französischen Volkes jedoch scheint eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA zu befürworten.
Die Ironie dieser Entwicklung ist beträchtlich: Im selben Jahr, in dem die Sozialisten den 40. Jahrestag der Demonstrationen gegen de Gaulle vom Mai 1968 feiern, versuchen sie auch, sich seiner diplomatischen Gewänder zu bemächtigen, indem sie sich zum Hüter jener unabhängigen französischen Außenpolitik ausrufen, die er einst befürwortete.
In den 1960er Jahren prangerten Sozialisten und Zentristen gleichermaßen den „Antiamerikanismus“ de Gaulles an. Ob in der Frage der NATO, der französischen Nahostpolitik oder in Bezug auf die Verfassung: Francois Mitterrand (der sozialistische Parteiführer der 1960er Jahre) und die Opposition kritisierten de Gaulles einzelgängerische Methoden scharf dafür, den Konsens im Bündnis zu zerrütten. Tatsächlich widersetzten sich die Sozialisten der Entscheidung de Gaulles, Frankreich aus der vereinigten militärischen Kommandostruktur der NATO herauszunehmen; sie widersetzten sich der Schaffung eines unabhängigen französischen Nukleararsenals (sie bevorzugten die amerikanische Nukleargarantie), und sie lehnten de Gaulles Bruch mit Israel nach dem Sechstagekrieg ab.
Ende der 1970er Jahre jedoch begannen die Sozialisten, ihre öffentliche Haltung zu ändern. Sie stellten sich hinter das Konzept der nuklearen Abschreckung als Gewähr nationaler Unabhängigkeit und begannen, sich von Amerika zu distanzieren. Obwohl Mitterrand in der Frage der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing in Europa Anfang der 1980er Jahre fest aufseiten Amerikas stand, was ihm den Respekt von Präsident Ronald Reagan eintrug, hatte sich zu diesem Zeitpunkt der gaullistische Konsens über die Grundlagen der französischen Außenpolitik auf alle politischen Gruppen ausgeweitet. Selbst was die Kommunistische Partei angeht, lässt sich sagen, dass sie sich im Wesentlichen dessen Grundsätze zu Eigen gemacht hatte.
Sarkozy hat nun mit dieser so genannten „gaullistisch-mitterrandistischen“ Ausrichtung gebrochen, die auf dem anhaltenden Glauben an einen französischen „Exzeptionalismus“ im Bereich der Außenpolitik beruhte. Dies heißt nicht, dass Sarkozys Frankreich Amerika in allen internationalen Fragen folgen wird. Ganz im Gegenteil. Doch es bedeutet, dass Frankreich sich Amerika nicht länger aus reiner Opposition entgegenstellen wird.


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