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Jeffrey D. Sachs

Ein Durchbruch gegen den Hunger

Jeffrey D. Sachs

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2009-01-20

NEW YORK – Die aktuelle Hungerkrise hat beispiellose Ausmaße angenommen und bedarf dringender Maßnahmen. Beinahe eine Milliarde Menschen sind in der Hungerfalle gefangen – das sind etwa 100 Millionen mehr als vor zwei Jahren. Spanien übernimmt nun die globale Vorreiterrolle bei der Bekämpfung des Hungers. Für Ende Januar hat man Spitzenpolitiker aus der ganzen Welt nach Madrid geladen, wo man über schöne Worte hinaus konkrete Maßnahmen ergreifen will. Unter der Führung Spaniens und in Partnerschaft mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon schlagen mehrere Geberländer vor, ihre finanziellen Ressourcen zusammenzufassen, so dass die ärmsten Bauern der Welt, mehr Nahrungsmittel anpflanzen und somit der Armutsfalle entkommen können.

Der Nutzen dieser Hilfe durch die Geberländer kann beträchtlich sein. Kleinbauern in Afrika, Haiti und anderen verarmten Regionen bauen ihre Feldfrüchte momentan ohne die Vorteile ertragreicheren Saatgutes und Düngemittel an. Dies führt dazu, dass die Ernteerträge (von Mais beispielsweise) um etwa ein Drittel geringer ausfallen. Afrikanische Bauern erwirtschaften ungefähr eine Tonne Getreide pro Hektar. Im Vergleich dazu beträgt der Ernteertrag in China, wo man stark auf Düngemittel setzt, über vier Tonnen pro Hektar.

Die afrikanischen Bauern wissen, dass sie Dünger brauchen, können sich ihn aber nicht leisten. Die Hilfe der Geberländer würde das ermöglichen. Diese Bauern können dann nicht nur ihre Familien ernähren, sondern auch ein Markteinkommen erzielen und für die Zukunft sparen. Durch diese über ein paar Jahre aufgebauten Ersparnisse werden die Bauern schließlich kreditwürdig oder besitzen selbst genug Bargeld, um sich die dringend benötigten Produkte selbst zu kaufen.  

Es herrscht weitgehend Einigkeit über die Notwendigkeit vermehrter Finanzierungshilfen für Kleinbauern vor allem in Afrika (jene mit zwei Hektar Land oder weniger und verarmte Viehhalter). Der UNO-Generalsekretär leitete im letzten Jahr einen Lenkungsausschuss, der befand, dass die Landwirtschaft in Afrika jährlich etwa 8 Milliarden Dollar an Finanzierungshilfe braucht – also ungefähr vier Mal so viel wie aktuell zur Verfügung steht – wobei vor allem verbessertes Saatgut, Dünger, Bewässerungssysteme und landwirtschaftliche Beratung im Vordergrund stehen. 

Zusätzlich zur Direkthilfe für Kleinbauern sollten die Geberländer mehr finanzielle Mittel für Forschung und Entwicklung bereitstellen, die nötig ist, um neue Saatsorten für höhere Erträge zu entwickeln und um Pflanzen zu züchten, die zeitweilige Überschwemmungen, überschüssigen Stickstoff, salzige Böden und Schädlinge aushalten sowie auch anderen Herausforderungen einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion gerecht werden. Den Armen mit aktueller Technologie zu helfen und gleichzeitig in die zukünftige Verbesserung dieser Technologien zu investieren, ist die beste Art der Zusammenarbeit.

Die Investitionen rentieren sich auf wunderbare Weise. Forschungszentren wie das Internationale Reisforschungsinstitut und das Internationale Zentrum für die Verbesserung von Mais und Weizen entwickeln höchst ertragreiches Saatgut und innovative landwirtschaftliche Strategien, die gemeinsam die grüne Revolution in Asien begründen. Diese Zentren sind der Allgemeinheit noch kein Begriff, sollten es aber sein. Die dort vollbrachten wissenschaftlichen Durchbrüche haben dazu beigetragen, die Welt zu ernähren und wir brauchen mehrere dieser Zentren.

Dutzende – etwa 40 bis 50 – Länder niedrigen Einkommens und mit Schwierigkeiten in der Nahrungsversorgung haben Notprogramme zur Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion durch Kleinbauern erarbeitet, können sie allerdings momentan aus Mangel an Finanzierungshilfen nicht umsetzen. Diese Länder haben sich an die Weltbank gewandt, die im Jahr 2008 beherzte Anstrengungen in Form des neuen Global Food Crisis Response Program unternahm. Allerdings verfügt die Weltbank nicht über ausreichend Mittel, um den dringenden Bedarf dieser Länder zu decken. Daher musste die Hilfe auf ein paar wenige Maßnahmen reduziert werden, wo man das Geld wirksam und verlässlich einsetzen konnte. Unterdessen bleiben hunderte Millionen Menschen in der Hungerfalle gefangen.  

Zahlreiche einzelne Geberländer erklärten, nun zwar bereit für eine Anhebung der finanziellen Hilfe für Kleinbauern zu sein, aber auf der Suche nach entsprechenden Mechanismen für diese Hilfe nicht fündig geworden zu sein. Die aktuellen Hilfsstrukturen sind nicht ausreichend. Die mehr als 20 bilateralen und multilateralen Geberinstitutionen im Bereich Landwirtschaft sind stark zersplittert und sowohl auf individueller Ebene als auch insgesamt unzulänglich.

Trotz aller engagierten Bemühungen zahlreicher Fachleute bleiben die Maßnahmen gegen die Hungerkrise zutiefst unzureichend. Die Anbausaison 2008 kam und ging ohne, dass den verarmten Kleinbauern ausreichend zusätzliche Hilfe zur Verfügung gestellt wurde. Die Länder Afrikas sind  endlos – und meist erfolglos – auf der Suche nach den bescheidenen Geldbeträgen, die sie benötigen, um Düngemittel und verbessertes Saatgut zu kaufen.

Meine Kollegen und ich, die wir im Beratungsausschuss der spanischen Initiative sitzen, empfehlen, dass die Geberländer ihre Mittel auf ein einziges internationales Konto einzahlen, das wir als Financial Coordination Mechanism (FCM) bezeichnen. Mit diesen Mitteln können Bauern in armen Ländern Dünger, verbessertes Saatgut und dringend benötigte kleine Bewässerungssysteme kaufen.

Arme Länder würden rasche und verlässliche Finanzierung für landwirtschaftliche Hilfsmittel aus einem einzigen Fonds und nicht von Dutzenden verschiedenen Gebern erhalten. Indem man die finanziellen Mittel in einem FCM zusammenfasst, kann man die Verwaltungskosten der Hilfsprogramme niedrig halten und die Verfügbarkeit der Mittel sichern. Darüber hinaus müssten die armen Länder nicht 25 Mal verhandeln, bis sie Hilfe bekommen. 

Die Zeit des Normalbetriebs ist vorbei. Die Geberländer versprachen zwar, die Hilfe für Afrika bis 2010 zu verdoppeln, liegen aber immer noch weit hinter ihren Zusagen. In Wirklichkeit wurde die Hilfe für landwirtschaftliche Programme in den letzten 20 Jahren gekürzt und erst jetzt erfolgt ein Kurswechsel.

Unterdessen hungern jeden Tag eine Milliarde Menschen. Wir brauchen einen herzeigbaren, öffentlichen, klaren und überzeugenden Durchbruch, der die Herzen und den Verstand der Menschen mobilisiert und einen Erfolg demonstriert. Ende Januar kann in Madrid Geschichte geschrieben werden, wenn die reichsten und die ärmsten Länder der Welt zusammenkommen, um Lösungen für die globale Hungerkrise zu finden. Das Leben der ärmsten Milliarde Menschen hängt davon ab.

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darockiaraj 10:57 03 Feb 09

Great idea.. it will be also be helpful to come up with ideas to make the process corruption free.



AUTHOR INFO

Jeffrey D. Sachs is Professor of Economics and Director of the Earth Institute at Columbia University. He is also a Special Adviser to United Nations Secretary-General on the Millennium Development Goals.