Economics and Justice
Boom, Pleite und Erholung in der Weltwirtschaft
Jeffrey D. Sachs
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NEW YORK – Die aktuelle globale Wirtschaftskrise wird als Greenspans Wahn in die Geschichte eingehen. Die Krise wurde in der Hauptsache vom Zentralbankrat der Vereinigten Staaten in der Zeitspanne von Mitte der 1990er Jahre bis heute verursacht, als Geld leicht zu haben war und die Deregulierung der Finanzmärkte betrieben wurde.
Diese Politik des einfachen Geldes, die von Regulierungsbehörden gestützt wurde, die es versäumten, zu regulieren, ließ in den USA und anderen Ländern zuvor ungekannte Immobilien- und Verbraucherkreditblasen entstehen, insbesondere in den Ländern, die Amerikas finanzpolitische Orientierung teilten. Die Blase ist nun zerplatzt, und diese Wirtschaftsnationen steuern auf eine steile Rezession zu.
Zentrale Ursache dieser Krise war der Anstieg der Immobilien- und Aktienpreise, die weitab der historischen Vergleichsmarken lagen. Greenspan schürte zwei Blasen – die Internetblase von 1998-2001 und die spätere Immobilienblase, die jetzt gerade platzt. In beiden Fällen führte ein Anstieg der Vermögenswerte dazu, dass die US-Haushalte dachten, ihr Vermögen hätte sich ungeheuer vermehrt, was sie zu einer massiven Steigerung ihrer Kreditaufnahme und Ausgaben verführte – für Häuser, Autos und andere langlebige Gebrauchsgüter.
Die Finanzmärkte gaben diesen Haushalten eifrig Kredite, teilweise weil die Kreditmärkte dereguliert waren, was als Einladung zur leichtsinnigen Kreditvergabe diente. Aufgrund des starken Anstiegs der Haus- und Aktienmarktpreise, erhöhte sich das Nettovermögen der US-Haushalte zwischen 1996 und 2006 um ca. $ 18 Billionen. Der durch diesen Wohlstand bedingte Konsumanstieg ließ die Wohnungspreise seinerseits weiter steigen und überzeugte so Haushalte und Kreditgeber, die Blase noch eine Stufe höher zu schrauben.
All das ist nun mit einem Crash in sich zusammengefallen. Die Immobilienpreise erreichten 2006 ihren Höhepunkt und die Aktienpreise 2007. Mit dem Zerplatzen dieser Blasen wird ein Papiervermögen von vielleicht $ 10 Billionen oder sogar $15 Billionen ausradiert.
Mehrere komplexe Vorgänge geschehen nun gleichzeitig. Erstens schränken die Haushalte ihren Verbrauch stark ein, da sie sich wesentlich ärmer fühlen als vor einem Jahr – und es auch sind. Zweitens sind Institute mit hoher Fremdfinanzierung wie Bear Sterns und Lehman Brothers pleite gegangen, was zu einem weiteren Vermögensverlust (für Aktionäre und Kreditgeber dieser bankrotten Institute) sowie einem weiteren Verlust von Krediten führt, die diese Firmen früher bereitgestellt haben.
Drittens haben auch kommerzielle Banken bei diesen Geschäften viel verloren, was einen großen Teil ihres Kapitals vernichtet hat. Wenn sich ihr Kapitalbestand verringert, so tun das auch ihre zukünftigen Darlehen. Viertens haben der Konkurs von Lehman Brothers und der knapp verhinderte Konkurs des Versicherungsriesen AIG eine Finanzpanik ausgelöst, in der sogar gesunde Unternehmen nicht in der Lage sind, kurzfristige Bankdarlehen zu bekommen oder kurzfristige Wertpapiere zu verkaufen.
Die Aufgabe der politischen Entscheidungsträger besteht darin, genug Vertrauen wiederherzustellen, damit die Unternehmen wieder kurzfristige Kredite bekommen können, um ihr Personal zu bezahlen und ihren Bestand zu finanzieren. Die nächste Aufgabe besteht darin, auf eine Wiederherstellung des Bankkapitals zu drängen, damit kommerzielle Banken wieder Darlehen für längerfristige Investitionen gewähren können.
Doch werden diese Schritte, so dringend notwendig sie auch sind, eine Rezession in den USA und anderen Ländern, die von der Krise betroffen sind, nicht verhindern. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Aktien- und Immobilienmärkte in nächster Zeit erholen werden. Die Haushalte sind in der Folge ärmer und werden ihre Ausgaben stark verringern, was eine Rezession kurzfristig unumgänglich macht.
Die USA wird es am härtesten treffen, doch auch andere Länder, die vor Kurzem Immobilien- und Verbrauchsbooms (und jetzt Crashs) erlebten – insbesondere Großbritannien, Irland, Australien, Kanada und Spanien –, sind ebenfalls betroffen. Island, das seine Banken vor wenigen Jahren privatisiert und dereguliert hat, steht nun vor dem Staatsbankrott, da seine Banken die ausländischen Kreditgeber, die ihnen viel Geld geliehen haben, nicht ausbezahlen können. Es ist kein Zufall, dass all diese Länder, mit Ausnahme von Spanien, ausdrücklich Anhänger der US-Philosophie der „freien Märkte“ und unterregulierten Finanzsysteme waren.
Doch egal wie groß der Schmerz in den deregulierten angelsächsischen Wirtschaftsnationen ist, muss all dies nicht unweigerlich zu einer globalen Katastrophe führen. Ich sehe keinen Grund für eine globale Depression oder gar eine globale Rezession. Zwar werden die USA eine Senkung der Einkünfte und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnen, wodurch sich die Exporte aus der übrigen Welt in die USA verringern werden. Doch wachsen viele andere Teile der Welt weiter. Viele große Volkswirtschaften, darunter China, Deutschland, Japan und Saudi-Arabien, haben sehr große Exportüberschüsse und sind demnach dem Rest der Welt (besonders den USA) gegenüber eher als Kreditgeber denn als Kreditnehmer aufgetreten.
Diese Länder schwimmen im Geld und werden vom Platzen einer Immobilienblase nicht belastet. Obwohl ihre Haushalte in gewisser Weise unter dem Sturz der Aktienpreise gelitten haben, können sie nicht nur weiterwachsen, sonder auch ihre interne Nachfrage steigern, um die geringeren Exporte in die USA auszugleichen. Sie sollten jetzt die Steuern senken, die Bedingungen für inländische Kredite lockern und die staatlichen Investitionen in Straßen, Stromversorgung und öffentlichen Wohnungsbau steigern. Sie verfügen über genügend Devisenreserven, um das Risiko finanzieller Instabilität durch eine Steigerung ihrer Ausgaben im Inland zu verhindern, solange sie dies umsichtig tun.
Was die USA angeht, ist der unbestreitbare Schmerz, den derzeit Millionen von Menschen spüren und der nächstes Jahr, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, noch stärker wird, eine Chance, das Wirtschaftsmodell zu überdenken, das seit Präsident Ronald Reagans Amtsantritt 1981 eingeführt wurde. Niedrige Steuern und Deregulierung haben zu einer Konsumorgie geführt, die Spaß machte, solange sie dauerte, sie haben jedoch auch eine riesige Einkommensungleichheit, eine große Unterschicht, starke Kreditaufnahme, die Vernachlässigung von Umwelt und Infrastruktur und jetzt ein riesiges Finanzschlamassel erzeugt. Die Zeit ist reif für eine neue Wirtschaftsstrategie – im Wesentlichen für einen neuen New Deal.
Jeffrey D. Sachs ist Professor für Wirtschaftswissenschaften und Leiter des Earth Institute an der Columbia University.
Copyright: Project Syndicate, 2008.
www.project-syndicate.org
Aus dem Englischen von Anke Püttmann
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joseelr 04:04 20 Oct 11
Goodness, do you know what your talking about when you speak of Canada....banks are strongest in the world for a few years now.... housing is fine, unemployment rate 7.1%, etc.... Take note.