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Wie wird die Rezession in den USA aussehen?

Nouriel Roubini

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2008-04-14

NEW YORK – Nun, da klar ist, dass sich die Vereinigten Staaten in einer Rezession befinden, geht es darum, ob diese kurz und flach oder lang und tief ausfallen wird – eine Frage, die für den Rest der Welt ebenso bedeutend ist wie für die USA.

Die Antwort darauf hängt von der Form der Rezession in den USA ab: Ist sie kurz und flach, wird ausreichendes Wachstum in anderen Teilen der Welt dafür sorgen, dass es nur zu einem leichten weltweiten Abschwung kommt. Ist die Rezession in den USA allerdings lang und heftig, könnte dies in manchen Ländern (Großbritannien, Spanien, Irland, Italien und Japan) zu einer offenkundigen Rezession und in anfälligen Schwellenökonomien sogar zu Finanzkrisen führen.

Prinzipiell  könnte die Rezession in den USA die Form eines V, eines U, W oder L haben. Welches dieser vier Szenarien ist nun das wahrscheinlichste?

Momentan wird allgemein davon ausgegangen, dass die Rezession V-förmig – also kurz und flach -  und damit ähnlich wie die jeweils acht Monate dauernden Rezessionen in den Jahren 1990-91 und 2001 verlaufen wird. Die meisten Analysten prognostizieren ein schrumpfendes BIP in der ersten Hälfte des Jahres 2008 und eine Erholung im zweiten Halbjahr. 

Ich erwarte eine längere und tiefere U-förmige Rezession, die mindestens 12 und möglicherweise auch 18 Monate andauert – also eine der schlimmsten Rezessionen in den USA seit Jahrzehnten – da die makroökonomischen und finanziellen Bedingungen heute viel schlechter sind.

Erstens befinden sich die USA in der schwersten Immobilienrezession seit der Großen Depression und diese Krise ist noch nicht vorüber. Der Bau neuer Eigenheime ist um etwa 50 % zurückgegangen und die Verkäufe neuer Häuser um über 60 %. Damit ist ein enormes Überangebot entstanden, wodurch die Preise stark fallen – bis jetzt um 10 % und wahrscheinlich um weitere 10 % in diesem Jahr und im Jahr 2009. 

Es wurden bereits 2,2 Billionen Dollar an Werten vernichtet und etwa acht Millionen Haushalte weisen ein negatives Eigenkapital auf: Ihre Hypotheken übersteigen also den Wert ihrer Häuser. Bis zum Jahr 2010 werden die Häuserpreise um bis zu 30 % fallen, wodurch 6,6 Billionen Dollar an Eigenheimkapital zerstört werden und 21 Millionen Haushalte – 40 % der 51 Millionen mit einer Hypothek – werden mit negativem Eigenkapital zu kämpfen haben. Verlassen die Besitzer ihre Häuser, könnten die Kreditverluste einen Wert von 1 Billion Dollar oder noch mehr erreichen, wodurch der größte Teil des Kapitals im US-Finanzsystem vernichtet und eine systemische Bankenkrise ausgelöst werden könnte.

Zweitens wurde der Abschwung im Jahr 2001 durch schwache Investitionstätigkeit der Unternehmen (die 10 % des BIP ausmacht) untermauert. Heute liegen die Schwierigkeiten im privaten Verbrauch (70 % des BIP). Die amerikanischen Verbraucher sind finanziell am Ende, stehen ohne Ersparnisse mit hohen Schulden da (im Schnitt 136 % des Einkommens) und sind von vielen negativen Schocks betroffen.

Drittens befinden sich die USA in der schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression. Die Verluste erstrecken sich über Hypotheken aller Bonitätsstufen bis hin zu kommerziellen Hypotheken und unbesicherten Verbraucherkrediten (Kreditkarten, Autokredite, Studentendarlehen). Die Gesamtverluste – einschließlich 1 Billion Dollar aus Hypotheken und den damit verbundenen verbrieften Produkten – könnten eine Höhe von bis zu 1,7 Billionen Dollar erreichen.

Angesichts dieser atemberaubenden Summen könnte den USA eine W-förmige Rezession mit zwei Talsohlen bevorstehen. Die wichtigste Frage ist, ob die Steuerermäßigungen, die die US-Haushalte Mitte 2008 bekommen sollen, in den Verbrauch gehen werden – und daher zu einem positiven Wachstum im dritten Quartal führen – oder ob man das Geld spart. Angesichts der finanziell angespannten Lage der amerikanischen Haushalte, könnte ein Gutteil dieser Steuernachlässe dazu verwendet werden, hohe Kreditkartenrechnungen (oder andere unbesicherte Verbraucherkredite) zu bezahlen oder Hypothekenausfälle hinauszuschieben.

Glücklicherweise ist eine L-förmige Phase lang andauernder ökonomischer Stagnation – wie sie Japan in den 1990er Jahren erlebte – unwahrscheinlich.  Japan wartete nach dem Platzen der Vermögenspreisblase fast zwei Jahre, bis die Geldpolitik gelockert und steuerliche Anreize geboten wurden. In den USA wurden diese Schritte jedoch schon frühzeitig gesetzt. Während Japan überdies die Reorganisation des Unternehmens- und Bankenbereichs jahrelang hinausschob, werden in den USA private und vor allem staatliche Bemühungen zur Reorganisation von Vermögenswerten und Firmen rascher beginnen und nachdrücklicher umgesetzt werden.

Dennoch sind die USA angesichts einer heftigen Finanzkrise, fallender Häuserpreise und einer Kreditkrise, mit der längsten und tiefsten Rezession seit Jahrzehnten konfrontiert, womit jede Hoffnung auf eine weiche Landung für den Rest der Welt zerstört wird. Eine globale Rezession wird zwar abzuwenden sein, ein heftiger Wachstumseinbruch aber nicht. Viele europäische Ökonomien verlangsamen sich bereits und manche schlittern in die Rezession. Aufgrund ihrer Handelsbeziehungen mit den USA, sind vor allem China und Asien anfällig. Und die Schwellenmärkte werden leiden, wenn die schrumpfende US-Wirtschaft und der weltweite Abschwung die Rohstoffpreise ruinieren.

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AUTHOR INFO

Nouriel Roubini is Professor of Economics at the Stern School of Business at New York University and Chairman of Roubini Global Economics (www.roubini.com).