After the Storm
Die Gefahr der Staatsverschuldung
Nouriel Roubini
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LONDON – Die Große Rezession der Jahre 2008-2009 wurde aufgrund einer in vielen Ökonomien exzessiven Anhäufung von Schulden und Fremdkapital durch private Haushalte, Finanzinstitutionen und Unternehmen ausgelöst. Obwohl angesichts einer abflauenden Krise auch viel über Schuldenabbau gesprochen wird, sieht es in der Realität so aus, dass sich der Verschuldungsgrad im privaten Sektor auf sehr hohem Niveau stabilisiert hat.
Im Gegensatz dazu findet im öffentlichen Sektor infolge der Konjunkturbelebungsprogramme und der Sozialisierung privater Verluste momentan eine massive Erhöhung der Verschuldung statt. Zahlreiche Industrieländer weisen Haushaltsdefizite von über 10 Prozent des BIP auf und man rechnet mit einem drastischen Anstieg der Schuldenquote – in manchen Fällen mit einer Verdoppelung in den nächsten Jahren.
Wie Carmen Reinhart und Ken Rogoff in ihrem neuen Buch Dieses Mal ist alles anders zeigen, führten derartige Bilanzkrisen in der Geschichte zu Erholungsphasen, die über viele Jahre langsam, anämisch und unter Trend verliefen. Probleme mit der Staatsverschuldung sind angesichts der massiven Neuverschuldung im öffentlichen Sektor eine weitere sehr wahrscheinliche Entwicklung.
In Ländern, die keine Staatsanleihen in eigener Währung ausgeben können (traditionellerweise Schwellenländer), oder die Anleihen in ihrer Währung emittieren, aber ihr Geld nicht unabhängig drucken können (wie in der Euro-Zone), führen untragbare Haushaltsdefizite oftmals zu einer Kreditkrise, zu Staatsbankrotten oder anderen erzwungenen Formen einer Restrukturierung der Staatsverschuldung.
In Ländern, die in eigener Währung Kredite aufnehmen und die Staatsschulden monetisieren können, ist eine Schuldenkrise unwahrscheinlich, aber die Monetisierung von Haushaltsdefiziten kann letztlich hohe Inflation zur Folge haben. Und eine Inflation ist – wie auch ein Staatsbankrott – eine Kapitalsteuer für die Inhaber staatlicher Anleihen, weil sie den realen Wert nomineller, festverzinslicher Verbindlichkeiten verringert.
Daher sind die jüngsten Probleme Griechenlands nur die Spitze eines Staatsschulden-Eisbergs in vielen Industrieländern (und in wenigen Schwellenländern). Die Investoren auf den Anleihemärkten haben Griechenland, Spanien, Portugal, Großbritannien, Irland und Island bereits im Visier, wodurch die Renditen der staatlichen Anleihen steigen. Letztlich könnten sie auch auf andere Länder – sogar Japan und die USA – abzielen, wo sich die Haushaltspolitik auf unhaltbaren Abwegen befindet.
In den am meisten entwickelten Ökonomien verschärfen alternde Bevölkerungen – besonders gravierend in Europa und Japan – das Problem der haushaltspolitischen Nachhaltigkeit, da sinkende Einwohnerzahlen die Belastung durch ungedeckte öffentliche Verbindlichkeiten, vor allem aus den Sozial- und Krankenversicherungssystemen, noch vergrößern. Ein niedriges oder negatives Bevölkerungswachstum bedeutet auch ein potenziell niedrigeres Wirtschaftswachstum und daher eine schlechtere Schuldendynamik sowie zunehmend intensive Zweifel an der Tragbarkeit der öffentlichen Schuldenlast.
Das Dilemma besteht darin, dass eine Haushaltskonsolidierung zwar notwendig ist, um einen unannehmbaren Spread bei Staatsanleihen zu verhindern, die kurzfristigen Folgen von Steuererhöhungen und Kürzungen der Staatsausgaben aber tendenziell kontraktiv wirken. Auch das kompliziert die öffentliche Schuldensituation und verhindert die Wiederherstellung eines akzeptablen Staatsschuldenniveaus. In diese Falle tappte Argentinien in den Jahren 1998-2001, als eine notwendige haushaltspolitische Kontraktion die Rezession verschärfte und schließlich zum Staatsbankrott führte.
In den Mitgliedsländern der Eurozone beeinträchtigen der Verlust externer Wettbewerbsfähigkeit aufgrund restriktiver Geldpolitik und der harten Währung, die Aushöhlung des langfristigen komparativen Vorteils gegenüber den Schwellenländern und ein über dem Produktivitätswachstum liegendes Lohnwachstum die Erneuerung des Wachstums. Stellt es sich nicht ein, vergrößern sich die haushaltspolitischen Probleme weiter, während es politisch noch schwieriger wird, wirkungsvolle Reformen zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit durchzubringen.
In diesem Fall kann ein Teufelskreis aus öffentlichen Defiziten, Leistungsbilanzlücken, sich verschärfenden Auslandsschulden und stagnierendem Wachstum einsetzen. Letztlich ist es denkbar, dass dies zu einer Einstellung des Schuldendienstes in Ländern der Eurozone führt sowie auch zum Ausstieg schwacher Ökonomien aus der Währungsunion, weil diese nicht in der Lage sind, sich rasch genug anzupassen und Reformen durchzuführen.
Die Bereitstellung von Liquidität durch einen internationalen Kreditgeber letzter Instanz – wie der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfonds oder sogar eines neuen Europäischen Währungsfonds – könnte verhindern, dass aus einem Liquiditätsproblem eine Zahlungsunfähigkeit wird. Ist ein Land aber wirklich insolvent und nicht nur knapp bei Kasse, dann verhindern solche „Bailouts“ den endgültigen Bankrott und die Abwertung (oder den Austritt aus einer Währungsunion) auch nicht, denn der internationale Kreditgeber letzter Instanz wird eine ausufernde Schuldendynamik nicht mehr finanzieren, wie dies in Argentinien (und in Russland im Jahr 1998) der Fall war.
Der Abbau von hohen öffentlichen Schulden und die Verringerung von öffentlichen Schuldenquoten durch Wachstum alleine sind besonders schwierig, weil eine Bilanzkrise zu anämischer Erholung führt. Und eine Reduktion von Schuldenquoten durch stärkeres Sparen führt zum Spar-Paradoxon: ein zu rascher Anstieg der Ersparnisse vertieft die Rezession und verschlechtert die Schuldenquote sogar noch.
Letzten Endes ist die Lösung der Schuldenprobleme des privaten Sektors durch die vollständige Sozialisierung privater Verluste und den Schuldenabbau im öffentlichen Bereich riskant. Bestenfalls werden Steuern erhöht und die Ausgaben gekürzt, wodurch sich negative Auswirkungen auf das Wachstum ergeben. Schlimmstenfalls können dabei direkte Kapitalsteuern (im Fall eines Bankrotts) oder indirekte (Inflation) herauskommen.
Untragbare private Schuldenprobleme müssen durch Insolvenzen, Schuldenreduzierung und die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital gelöst werden. Werden jedoch stattdessen private Schulden exzessiv sozialisiert, steht den entwickelten Ökonomien eine düstere Zukunft bevor: gravierende Nachhaltigkeitsprobleme hinsichtlich ihrer Staats-, Privat- und Auslandsschulden in Kombination mit eingeschränkten Wachstumsaussichten.
Nouriel Roubini ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Stern School of Business der New York University und Präsident von Roubini Global Economics (www.roubini.com), eines weltweit agierenden makroökonomischen Beratungsunternehmens.
Copyright: Project Syndicate, 2010.
www.project-syndicate.org
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Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier
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alykhansatchu 04:52 17 Mar 10
So Nourel, the Denoument is yet to come?
Aly-Khan Satchu
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