Thursday, July 31, 2014
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Romney gegen Obama

CAMBRIDGE – Obwohl die Vorwahlen für den Präsidentschaftswahlkampf in den USA noch nicht abgeschlossen sind, wird Mitt Romney wohl fast sicher als Kandidat der Republikaner im November den demokratischen Präsidenten Barack Obama herausfordern.

Als Gouverneur von  Massachusetts baute sich Romney einen Ruf als kompetenter und moderater Konservativer auf. Dieses politische Profil kam auch bei der Wählerschaft des Bundesstaates gut an. Allerdings werden die Vorwahlen der Republikaner vom äußersten rechten Flügel der Partei beherrscht, weswegen sich Romney angestrengt bemüht hat, sein „moderates“ Image abzulegen, indem er konservative Positionen in den Vordergrund rückte. Als voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat muss er sich nun wieder in Richtung politischer Mitte bewegen, wo die meisten Wählerstimmen zu holen sind.

Welcher ist nun aber der wahre Mitt Romney? Und wie können die Wähler die beiden Kandidaten beurteilen?

Obama kann auf eine Erfolgsbilanz zurückblicken, wenngleich er auch viele Wähler enttäuscht hat, die ihm 2008 ihre Stimme gaben. Natürlich argumentieren seine Anhänger, dass er mit zwei laufenden Kriegen und der schlimmsten Rezession seit den 1930er Jahren zurechtkommen musste. Überdies blockiert ein von den Republikanern kontrolliertes und ihm feindlich gesinntes Repräsentantenhaus seit den Midterm-Wahlen 2010 seine Initiativen.

Was Romney anbelangt, wird er Obamas immer noch nicht erfüllte Wahlversprechen in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, während Obama Romney wiederum als „Wendehals“ bezeichnen wird, der seine Positionen je nach Situation (und Zuhörerschaft) ändert. Bei den  Schwierigkeiten, die Leistungen des Wahlsiegers im Amt vorauszusagen, handelt es sich aber nicht um ein neues Phänomen.

Während seines Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2000 versprach George W. Bush bekanntlich „mitfühlenden Konservatismus“ und eine zurückhaltende Außenpolitik. Als Präsident regierte er aber ganz anders und beschloss, in den Irak einzumarschieren. Auch Woodrow Wilson und Lyndon Johnson machten in ihren Wahlkämpfen Versprechungen zum Thema Frieden, dennoch führten beide Amerika kurz nach ihrer jeweiligen Amtsübernahme in den Krieg.

Sind solche Richtungswechsel nach Wahlen eine Verhöhnung der Demokratie? Wie können die Wähler intelligente Entscheidungen treffen, wenn Wahlkämpfe einem akribisch geplanten Drehbuch folgen und raffiniert über die Bühne gebracht werden?

Führungstheoretiker weisen darauf hin, dass wir weniger auf die Versprechungen der Politiker, als vielmehr ihre emotionale Intelligenz achten sollten – ihre Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, auf andere zuzugehen. Entgegen der Ansicht, wonach Emotionen klares Denken beeinträchtigen, kann die Fähigkeit, Emotionen zu verstehen und zu steuern, sehr wohl zu effektiverem Denken führen.

Oliver Wendell Holmes, Richter am Obersten Gerichtshof der USA, scherzte einst nach einem Treffen mit Franklin D. Roosevelt: „Zweitklassiger Verstand, aber erstklassiges Gemüt.“ Die meisten Historiker werden zustimmen, dass Roosevelts Erfolg als Spitzenpolitiker in größerem Maße seinem freundlichen Wesen als seinen analytischen Fähigkeiten geschuldet war. Alle Energie und Optimismus, die er während der ersten hundert Tage seiner Präsidentschaft an den Tag legte, waren nicht auf konkrete politische Vorschläge während seines Wahlkampfs zurückzuführen.

Seit über einem Jahrhundert ringen Psychologen mit dem Konzept der Intelligenz und wie man sie bestimmt. Mit allgemeinen Intelligenztests werden Dimensionen der Intelligenz wie sprachliche und räumliche Fertigkeiten gemessen, aber der so bestimmte Intelligenzquotient sagt nur für etwa 10 bis 20 Prozent des Erfolgs im Lebens etwas aus. Und während sich die Experten uneinig sind, welcher Anteil der restlichen 80 Prozent der emotionalen Intelligenz zugeschrieben werden können, sind sie sich generell einig, dass es sich dabei um eine wichtige, erlernbare Fähigkeit handelt, die mit Alter und Lebenserfahrung stärker wird und über die der Einzelne in unterschiedlichem Ausmaß verfügt.

Führungspersönlichkeiten in der Politik arbeiten hart daran, ihr öffentliches Image zu steuern. Das erfordert ein gewisses Maß an jener emotionalen Disziplin und Fertigkeit, über die erfolgreiche Schauspieler verfügen. Ronald Reagans Hollywood-Erfahrungen erwiesen ihm in dieser Hinsicht gute Dienste und Roosevelt war ein Meister der Image-Kontrolle. Trotz seiner Schmerzen und der Schwierigkeiten, seine durch Kinderlähmung verkrüppelten Beine zu bewegen, bewahrte er ein heiteres äußeres Erscheinungsbild und vermied es, im Rollstuhl fotografiert zu werden.

Ob Spitzenpolitiker es einsehen oder nicht: sie senden stets Signale aus. Zu emotionaler Intelligenz gehört auch das Bewusstsein und die Kontrolle über diese Signale sowie Selbstdisziplin, die verhindert, dass persönliche psychologische Bedürfnisse die Politik verzerren. Ist emotionale Intelligenz nicht authentisch, kommt das auf lange Sicht sehr wahrscheinlich heraus.

Richard Nixon beispielsweise verfügte über starke kognitive Fähigkeiten, aber über eine schwach ausgeprägte emotionale Intelligenz. Er konnte zwar wirksame außenpolitische Strategien konzipieren, war aber weniger in der Lage persönliche Unsicherheiten zu kontrollieren, die schließlich zu seinem Sturz führten – ein Manko, das erst im Laufe der Zeit zutage trat. Tatsächlich war er schon einige Zeit Präsident, als die Öffentlichkeit von seiner berüchtigten „Liste der Feinde“ erfuhr.

Bush zeigte in der Mitte seines Lebens emotionale Intelligenz, als er seine Alkoholprobleme überwand und den Mut bewies, auf unpopulären politischen Maßnahmen zu beharren. Aber ab einem gewissen Punkt wird Beharrlichkeit zu Halsstarrigkeit. Ebenso wie Wilson klebte auch Bush mit starrköpfiger Hingabe an seiner Vision, wodurch Lernen und Anpassung verhindert wurden. Vielleicht ist die Flexibilität, über die Obama und Romney verfügen, am Ende gar keine so schlechte Eigenschaft für einen Präsidenten.

Die Härten eines ausgedehnten Wahlkampfs geben den Wählern einige Anhaltspunkte im Hinblick auf Ausdauer und Disziplin. Jeder der republikanischen Kandidaten galt in diesem Wahlkampf schon als Favorit und die Unbilden der Vorwahlen legten so manche Schwächen offen, wie beim texanischen Gouverneur Rick Perry, der ursprünglich als attraktiver Kandidat galt. Die Art, wie Romney nun im Wahlkampf hinsichtlich des Programmes seiner Partei agiert, wird uns einiges über seine Unabhängigkeit und die zukünftige Auswahl seiner Kabinettsmitglieder sagen.

Die wichtigste von den Wählern zu prüfende Variable ist allerdings die Biographie eines Kandidaten. Damit meine ich nicht die für den Wahlkampf zurechtgemachten Bücher und TV-Werbespots. Obwohl Imageberater und Schauspielkunst den Charakter eines Kandidaten verschleiern können, ist ein integriertes Leben über lange Zeit die beste Grundlage zur Beurteilung der Authentizität des Wesens des nächsten Präsidenten und seiner zukünftigen Art zu regieren.

Vor allem sind anspruchsvolle Wähler emotional intelligent genug, um auf Überraschungen gefasst zu sein. Wenn ihr Kandidat sie enttäuscht – und das wird er zwangsläufig, ungeachtet des Wahlergebnisses – werden die Wähler nicht vergessen, dass Demokratie die schlechteste Regierungsform ist, mit Ausnahme aller anderen.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier

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  1. CommentedPatrick Ferrell

    Please dude, be honest for a change. Obama has a proven track record, yeah, proven to be BAD. Sure his supporters are going to do what he does, blame everybody but himself. "Oh, he had to adapt to two ongoing wars", the war in Iraq was basically over since the SURGE, which he said wouldn't work when he was in the Senate, actually DID work. Also, Bush went to Iraq with the BLESSINGS of both houses of Congress, including Obama who was in the Senate at the time.

    He promised to pull soldiers out of both places if elected, so saying he had to adapt to two wars was HIS DECISION, not anybody else's. Republican's didn't force him to keep GITMO open either, and he triumphantly signed his executive order to close Gitmo in a year, yet it still remains to this day. Whose he gonna blame that one on?

    Mitt Romney scares me as a RINO candidate, because if he DOES move back to the middle, it will possibly bring on an independent challenger who is much more conservative, and might jeopardize a conservative win and Obama will win in true Clinton fashion, without a majority of the vote. We will have to wait and see.

    I do know that America has been KICKED awake by the HUGE grab for power that Obama and his regime have decided to take on by "recess appointing" people while congress is not in recess, and nothing has been done about it by RINO republicans. He has decided that he is not going to enforce DOMA, or the Immigration laws of this country. He is going to ignore congress' "contempt of congress" charge against Eric Holder for witholding documents pertinent to their investigation of his program that ended up with many dead innocent mexicans, and 2 border patrol agents with guns supplied by Holder to the Mexican drug cartel for the purposes, apparently, of proclaiming that our gun laws were not tough enough, but it blew up in Holder's face.

    Face it, Obama's Presidency is INEPT. He passed a law that he SWORE wasn't a tax. The Congress voted on it as "Not a tax", but it was a tax, and now, despite Obama saying he would not raise taxes on anybody making 250K or less (which is a lie now), he will raise his hand triumphantly, and go down in history as the man who imposed the largest tax increase on ALL American's in the history of our Union.

    As bad as Romney "COULD BE", we know Obama is BAD AS HE IS now, and no pointing fingers at everybody else is going to save his sorry arse. I just pray Romney keeps his conservative message, because it worked for Reagan and it will work for him. Obama makes Carter look like a school girl in comparison, so we need someone who will stick to his conservative values and will finally do what is RIGHT for America, and save us from bankruptcy. Something he is far more qualified to do than Obama, who has never held a job as a CEO or done anything to run a company, realizing what it takes to do so, and turn a profit to stay in business. The Government doesn't have to make a profit, they can just print more money to make up for it, which devalues our dollar more and more. It's time for regime change.

  2. Commentedjames durante

    Wow, this is what passes for political science?! So, tell us, Dr. Nye, based on your psycho-emotional analysis of their lives, which one, Obama or Romney, has better emotional intelligence?

    It isn't politicians switching their positions after elections that makes a sham of democracy it is the illusion of any choice in the first place. American capitalism is secure when two candidates wholly and entirely devoted to maintaining it run for office, which is to say, uh, in every election.

    Elections are rituals designed to give the populace the illusion that they are making some sort of choice and have some sort of say in the process. True a President Gore may not have invaded Iraq, but, being an oilman, he would have been no less anxious to open Iraqi oil to more outside corporate control. Similarly, neither Obama nor Romney favor any basic change when it comes to the status quo on energy policy or anything else I can think of. Health care? Well, Obama is a socialist for corporations so he wants to give private health insurance companies tax dollars while Romney wants people to exclusively pay premiums to them.

    Take any other issue, you'll find the same. Vote for nobody as only nobody can promise fundamental changes that will wrest control from corporations.

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