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2008-04-02

CAMBRIDGE – Vielleicht sollten die höchsten Repräsentanten der Finanzwelt, die sich diesen Monat zur Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Washington einfinden, froh sein, dass es bisher keine eindeutige Alternative zum Dollar als globale Leitwährung gibt. Wäre der Euro nämlich schon soweit, könnte es sehr wohl sein, dass sein Wechselkurs auf über 2 Dollar ansteigt und nicht nur auf 1,65 oder 1,70 Dollar, wie es ohnehin zu kommen scheint. Man kann seine Kunden nicht derart schlecht behandeln, wie es die USA in letzter Zeit gemacht haben, wenn diese Kunden auch anderswo hingehen können.

Nachdem die USA historisch beispiellose Handelsdefizite angehäuft haben, ist der Wert des handelsgewichteten Dollars in den letzten sechs Jahren um über ein Viertel gefallen. Angesichts einer High-Tech-Ökonomie, eines schwer angeschlagenen Finanzsystems und ernsthafter Bedenken hinsichtlich der steigenden Inflation, zeigt der langfristige Trend des Dollars nach unten und zwar ungeachtet des Ausganges der momentanen Krise. Und die ist noch nicht vorüber.

Die Rettungsaktion der Federal Reserve für das Finanzsystem wird wahrscheinlich keine nachhaltige Wirkung haben, wenn die Banken kein frisches Kapital finden und zwar sehr viel davon. Ultrareiche staatliche Investmentgesellschaften hätten die nötigen Mittel, um die US-Banken zu retten. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings unwahrscheinlich, dass sie Lust dazu haben, obwohl das politische System der USA dies durchaus ermöglichen würde. Angesichts der anhaltenden Kreditkrise und des fortgesetzten Verfalls der Häuserpreise scheint eine gigantische staatliche Rettungsaktion zunehmend wahrscheinlich, die den amerikanischen Steuerzahlern möglicherweise eine Billion Dollar oder noch mehr kosten könnte. Die Frage dabei ist, ob globale Investoren nach so vielen Jahren miserabler Renditen auf Dollar-Vermögenswerte wirklich willens sein werden, eine weitere Billion Dollar an US-Schulden zu gegenwärtigen Zinssätzen und Wechselkursen zu übernehmen. 

Selbst ohne den fallenden Dollar erscheinen US-Schulden momentan nicht gerade wie eine Okkasion. Militärische Fehlschläge in entlegenen Regionen belasten weiterhin die haushaltspolitischen Ressourcen des Landes. Laut einer  von Linda Bilmes und Joseph Stiglitz jüngst durchgeführten Studie könnten die Kosten für diese Militärabenteuer in den Bereich von Billionen Dollar gehen. 

Im nächsten Jahr wird es mit ziemlicher Sicherheit einen Anstieg zahlungsunfähiger Unternehmen geben, obwohl viele Firmen mit relativ starken Bilanzen in die Rezession eintreten. In noch schlechterem Zustand befinden sich die Finanzen des Staates und der Kommunen. Die stark sinkenden Steuereinnahmen aufgrund des Preisverfalls bei Eigenheimen und sinkender Einkommen könnte sehr wohl dazu führen, dass Dutzende Kommunen unter Zwangsverwaltung gestellt werden, wie dies New York in den 1970er Jahren passierte. US-amerikanische Kommunalanleihen werden schon jetzt zu hohen Risikoprämien gehandelt, obwohl der erste große öffentliche Zahlungsausfall noch nicht einmal eingetreten ist.

Sollte der Dollar seine Position als Leitwährung in Kürze verlieren, wäre der Euro natürlich die einzige ernsthafte Alternative. Der Yuan könnte den Dollar in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ablösen. Aber momentan verhindern Chinas drakonische Kapitalkontrollen und die massive Repression im Finanzbereich, dass es sich als Anker des weltweiten Wirtschaftssystems etabliert.

Zum Glück für den Dollar scheint der Euro auch seine Probleme zu haben. Das europäische Bankwesen bleibt fragmentiert, nachdem eine Vielzahl nationaler Regulierungsbehörden versucht, ihre eigenen Institute zu fördern. Zwar haben alle europäischen Länder Schulden in Euro, aber Deutschlands und Italiens Schulden sind wohl kaum das Gleiche. Dem staatlichen Euro-Bond-Markt fehlt es daher an der Tiefe und Liquidität des amerikanischen Treasury-Bill-Markts. 

Außerdem können internationale Anleger Immobilien in den USA viel leichter kaufen und verkaufen als in den meisten Teilen Europas. Und die Abwesenheit einer europaweit einheitlichen Haushaltspolitik schafft eine signifikante Unsicherheit im Hinblick darauf, wie sich die Europäische Zentralbank finanzieren würde, wenn sie plötzlich mit großen Verlusten aus Bankschulden nach einer großen Rettungsaktion konfrontiert wäre. 

Aber der Euro verfügt auch über wachsende Stärken. Zu gegenwärtigen Wechselkursen ist die Europäische Union ökonomisch gesehen größer als die USA. Neue Mitgliedsstaaten aus Mittel- und Osteuropa bringen enorme Dynamik und Flexibilität. Gleichzeitig hat sich die EZB durch ihren Umgang mit der globalen Kreditkrise beträchtliche Glaubwürdigkeit erworben. Wenn man Großbritannien überzeugen könnte, ein vollwertiges Mitglied der Eurozone zu werden, würde man damit eines der zwei führenden Finanzzentren dieser Welt (London) unter seine Fittiche bringen, wodurch der Euro wirklich als eine praktikable Alternative zum Dollar erscheinen würde.

Im Jahr 1971, als der Dollar vor dem Ende des fixen Wechselkursregimes nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenbrach, gab der damalige US-Finanzminister gegenüber seinen ausländischen Amtskollegen den berühmten Kommentar ab: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Und trotz zahlreicher Episoden der Vernachlässigung und des Missbrauchs hat der Dollar seinen hohen Status erhalten.

Leitwährungssysteme zeichnen sich durch enorme Trägheit aus. Das britische Pfund wurde vom US-Dollar als Leitwährung erst nach 50 Jahren des industriellen Niedergangs und zwei Weltkriegen abgelöst. Diesmal könnte es allerdings um vieles schneller gehen. Wenn Zentralbanker und Finanzminister überlegen, wie man zu Gunsten des Dollars intervenieren könnte, sollten sie gleich auch darüber nachzudenken beginnen, was zu tun wäre, wenn es an der Zeit ist, den Vorhang fallen zu lassen..

Kenneth Rogoff ist Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Harvard und ehemaliger Chefökonom des IWF.

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