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Die Ökonomen sind Schuld, nicht die Ökonomie

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2009-03-11

CAMBRIDGE – Während die Weltwirtschaft in den Abgrund stürzt, werfen Kritiker Fragen über die Mitschuld der Ökonomenzunft an der aktuellen Krise auf. Zu Recht: Wirtschaftswissenschaftler müssen für einiges Rede und Antwort stehen.

Es waren Ökonomen, die die Ansicht legitimiert und populär gemacht haben, dass eine uneingeschränkte Finanzwirtschaft ein Segen für die Gesellschaft ist. Fast alle waren einer Meinung, wenn es um „die Gefahren der Überregulierung durch die Regierung“ ging. Ihre fachliche Kompetenz – oder was zu der Zeit als solche schien – verlieh ihnen eine privilegierte Position als Meinungsmacher sowie Zugang zu den Schaltstellen der Macht.

Nur sehr wenige unter ihnen (zu den namhaften Ausnahmen zählen Nouriel Roubini und Robert Shiller) schlugen in Anbetracht der bevorstehenden Krise Alarm. Vielleicht noch schlimmer ist, dass es der Zunft der Ökonomen nicht gelungen ist, der Weltwirtschaft wegweisende Hilfestellung beim Herausmanövrieren aus ihrer gegenwärtigen Misere zu leisten. In Bezug auf keynesianische Konjunkturanreize reichen die Meinungen der Wirtschaftswissenschaftler von „absolut unumgänglich“ bis zu „unwirksam und schädlich“.

Hinsichtlich der Re-Regulierung von Finanzen gibt es viele gute Ideen, aber nur wenig Konvergenz. Vom Beinahe-Konsens über die Vorzüge eines Modells von der Welt, in dem die Finanzen im Mittelpunkt stehen, hat sich die Zunft der Ökonomen zu einen so gut wie nicht mehr vorhandenen Konsens darüber bewegt, was getan werden sollte. 

Bedürfen die Wirtschaftswissenschaften demzufolge einer grundlegenden Veränderung? Sollten wir unsere existierenden Lehrbücher verbrennen und sie noch einmal ganz neu schreiben?

Nein, eigentlich nicht. Ohne Rückgriffe auf die Werkzeuge der Ökonomen können wir die aktuelle Krise noch nicht einmal ansatzweise verstehen.

Warum hat beispielsweise Chinas Entscheidung, Devisenreserven anzuhäufen einen Hypothekengeldgeber in Ohio veranlasst, übermäßige Risiken einzugehen? Wenn die

Antwort keine Elemente aus der Verhaltensökonomik, Agency-Theorie, Informationsökonomie und Internationalökonomie berücksichtigt, um nur einige zu nennen, wird sie wahrscheinlich ausgesprochen unvollständig bleiben.

Die Schuld ist nicht in der Ökonomie zu suchen, sondern bei den Ökonomen. Das Problem ist, dass Ökonomen (und diejenigen, die auf sie hören) allzu sehr auf ihre momentan bevorzugten Modelle vertraut haben: Märkte sind effizient, finanzielle Innovation transferiert Risiken zu denjenigen, die sie am besten tragen können, Selbstregulierung funktioniert am besten und Eingriffe durch die Regierung sind unwirksam und schädlich.

Sie vergaßen, dass es viele andere Modelle gibt, die in völlig andere Richtungen führen. Durch Hybris entstehen blinde Flecken. Wenn etwas in Ordnung gebracht werden muss, dann die Soziologie der Zunft. An den Lehrbüchern – zumindest denen, die in Kursen für Fortgeschrittene verwendet werden – ist nichts auszusetzen.

Nicht-Ökonomen neigen dazu, die Wirtschaftswissenschaften für eine Disziplin zu halten, die Märkte und ein begrenztes Konzept der (Allokations-)Effizienz vergöttert. Wenn man als einzigen Wirtschaftskurs die typische Einführungsveranstaltung besucht, oder wenn man als Journalist einen Ökonomen um die kurze Einschätzung einer politischen Frage bittet, ist es auch tatsächlich das, auf was man stößt. Belegt man aber ein paar Wirtschaftskurse mehr oder verbringt Zeit in Seminaren für Fortgeschrittene, bekommt man eine andere Vorstellung.

Arbeitsökonomen konzentrieren sich nicht nur darauf, wie Gewerkschaften Märkte verzerren können, sondern auch darauf, wie sie, unter bestimmten Bedingungen, die Produktivität verbessern können. Handelsökonomen untersuchen die Auswirkungen der Globalisierung auf Ungleichheit innerhalb von Ländern und über ihre Grenzen hinaus. Finanztheoretiker haben Bände über die Konsequenzen des Scheiterns der Hypothese „effizienter Märkte“ verfasst. Mit offenen Volkswirtschaften befasste Makroökonomen untersuchen die Unbeständigkeiten internationaler Finanzen. Während einer weiterführenden Ausbildung in den Wirtschaftswissenschaften setzt man sich im Detail mit Marktversagen und den unzähligen Möglichkeiten auseinander, wie Regierungen dazu beitragen können, Märkte besser funktionieren zu lassen.

Makroökonomie ist möglicherweise die einzige angewandte Disziplin innerhalb der Wirtschaftswissenschaften, in der eine umfassendere Ausbildung mehr Distanz zwischen dem Experten und der wirklichen Welt schafft, da sie auf höchst unrealistischen Modellen beruht, die Relevanz zu Gunsten starrer technischer Verfahren opfern. In Anbetracht der heutigen Erfordernisse haben Makroökonomen leider kaum Fortschritte gemacht, seit John Maynard Keynes erläuterte, wie eine Wirtschaft aufgrund mangelnder gesamtwirtschaftlicher Nachfrage in der Arbeitslosigkeit stecken bleiben kann. Einige, wie etwa Brad DeLong und Paul Krugman, würden sagen, dass auf diesem Gebiet  tatsächlich Rückschritte gemacht wurden.

Tatsächlich ist die Ökonomie ein Werkzeugkasten mit mannigfaltigen Modellen – jedes ist eine andere, stilisierte Darstellung irgendeines Aspektes der Realität. Das Können eines Ökonomen hängt von der Fähigkeit ab, das richtige Modell für die entsprechende Situation auszuwählen.

Die reiche Vielfalt der Wirtschaftswissenschaften spiegelt sich nicht in der öffentlichen Debatte wider, weil Ökonomen sich viel zu viele Freiheiten erlaubt haben. Anstatt eine Auswahl an Möglichkeiten zu präsentieren und die relevanten Abstriche oder Kompromisse aufzulisten – und darum geht es in den Wirtschaftswissenschaften – haben Ökonomen zu oft ihre persönlichen sozialen und politischen Präferenzen vermittelt. Sie haben sich nicht als Analytiker sondern als Ideologen betätigt und ihr eigenes gesellschafts- und ordnungspolitisches Modell anderen vorgezogen.

Hinzukommt, dass Ökonomen ihre intellektuellen Zweifel nur widerwillig mit der Öffentlichkeit teilen, um „die Barbaren [nicht zu] ermächtigen“. Kein Ökonom kann vollkommen sicher sein, dass das von ihm bevorzugte Modell korrekt ist. Aber wenn er und andere es in einem Maße verfechten, das Alternativen ausschließt, vermitteln sie letzen Endes einen völlig übertriebenes Maß an Sicherheit darüber, welche Vorgehensweise erforderlich ist.

Paradoxerweise reflektiert die gegenwärtige Verwirrung innerhalb der Zunft ihren  wahren Mehrwert vielleicht besser als ihr bisheriger irreführender Konsens. Wirtschaftswissenschaften können die Möglichkeiten, die Entscheidungsträger haben, bestenfalls abklären; die Entscheidung selbst können sie ihnen nicht abnehmen. 

Wenn Ökonomen unterschiedlicher Meinung sind, ist die Welt legitimen verschiedenen Ansichten darüber ausgesetzt, wie die Wirtschaft funktioniert. Die Öffentlichkeit sollte sich vielmehr dann in Acht nehmen, wenn sie allzu sehr einer Meinung sind.

Dani Rodrik ist Professor für Politische Ökonomie an der John F. Kennedy School of Government der Universität Harvard und erster Preisträger des vom amerikanischen Sozialwissenschaftlichen Forschungsrat vergebenen Albert O. Hirschman-Preises. Sein jüngstes Buch trägt den Titel One Economics, Many Recipes: Globalization, Institutions, and Economic Growth.

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aesop 12:48 30 Sep 09

Surely, the late Economist Paul Sweezy and his Monthly Review School of Economics have been charting U.S. "Stagnation and the Financial Explosion" (as one of his books is titled), for some time. Clearly and soberly articulated, can there be no better judge of economic reasoning and analysis then the MR schools longstanding chronicle and prediction of the present crisis? If Mister Rodrik suggests the range of debate WITHIN Neoclassical Economists Models is sufficient, what dour straits does the U.S. economy need to come to? Are Greenspan and Bernanke not to be faulted for not seeing and mitigating the disaster? Who was in a better position to do just that? Given Bernanke's post as Fed governor and then Economic advisor to G.W. Bush, all starting in 2002,. Nobody really. And yet Mister Rodrik is right because there is much in the toolkit, to saved, so as not to throw the proverbial baby out with the bath water. As we can point out with that toolkit, what implications exist for keeping those who fail to prevent disasters, most directly by allowing incentives to flourish which fan the flames of the Financial excesses? What consequence do we arrive at, if those market actors whose poor decisions lead to collective disutility on such a widespread scale? There is (1) certainly no creative destruction allowed in the core of the U.S. economy: the financial sector. And (2) moral hazard exists because market actors have not been punished.

There is no such thing as One Economics in the same sense that the natural sciences can claim. And if the One Economics as a theory is so broad and diverse (hence many recipes), tell us, Mister Rodrik, about the the Capital Controversies which were brushed aside, err, under the rug, and passed by. All the models which underpin your One Economics, cannot even count and aggregate in an accurate way.



AUTHOR INFO

Dani Rodrik, Professor of International Political Economy at Harvard University, is the author of The Globalization Paradox: Democracy and the Future of the World Economy.