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Globalisierung und Fußball

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2008-03-13

Cambridge – Wie gestaltet die Globalisierung Reichtum und Chancen auf der Welt neu? Wirkt sie sich in erster Linie positiv aus, weil sie armen Nationen einen Ausgang aus der Armut ermöglicht, indem sie an den globalen Märkten beteiligt werden? Oder schafft sie nur für eine kleine Minderheit gewaltige Chancen?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir nur den Fußball als Beispiel betrachten. Seitdem die europäischen Vereine ihre Beschränkungen für die Anzahl der ausländischen Spieler gelockert haben, ist das Spiel wirklich global. Insbesondere afrikanische Spieler sind mittlerweile überall anzutreffen und ergänzen das übliche Gefolge von Brasilianern und Argentiniern. Der Ausländeranteil im Fußball übertrifft alles, was wir aus anderen Bereichen des internationalen Handels kennen.

Die A-Besetzung des FC Arsenal, der derzeit die englische Premier League anführt, besteht aus 11 Spielern, von denen in der Regel kein einziger britisch ist. Tatsächlich würden alle englischen Spieler der vier englischen Vereine, die es vor kurzem in das Achtelfinale der UEFA Champions’ League geschafft haben, zusammengenommen kaum ausreichen, um eine einzige Mannschaft zu stellen.

Es besteht wenig Zweifel daran, dass ausländische Spieler das Spielniveau in den europäischen Vereinsmeisterschaften erhöhen. Die europäische Fußballwelt wäre ohne Stürmer wie den aus Côte d’Ivoire stammenden Didier Drogba (Chelsea) oder den Kameruner Samuel Eto’o (Barcelona) nicht halb so spannend. Auch für die afrikanischen Talente liegen die Vorteile auf der Hand. Afrikanische Spieler können viel mehr Geld verdienen, wenn sie ihre Fähigkeiten in Europa vermarkten – nicht nur in den Spitzenvereinen der Premier League oder der spanischen Primera Liga, sondern auch in den unzähligen neureichen Clubs in Russland, der Ukraine oder der Türkei.

Sicher hat die internationale Mobilität der Fußballspieler die Einkommensunterschiede zwischen Stars wie Drogba und Eto’o und ihren Landsleuten zu Hause erhöht. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Globalisierung: Verbesserte globale ökonomische Chancen führen zu größeren Ungleichheiten zwischen denen, die die Fähigkeit oder das Glück haben, diese Chancen zu nutzen, und jenen, die das nicht können. Diese Art der Ungleichheit ist nicht zwangsläufig etwas Schlechtes. Sie führt dazu, dass es manchen besser geht, ohne dass es anderen schlechter geht.

Doch zählt für Fußballfans nicht nur der Verein, sondern auch die Nationalmannschaft, und hier sind die Folgen der globalen Mobilität von Talenten nicht ganz so offensichtlich. Viele fürchten, dass die Qualität der Nationalmannschaften darunter leidet, dass ausländische Spieler verfügbar sind. Warum sollte man auch investieren, um die Talente vor Ort aufzubauen, wenn man sie aus dem Ausland anwerben kann?

Wieder stellt England ein gutes Beispiel dar. Die Tatsache, dass sich das Land nicht für die Europameisterschaft in diesem Sommer qualifizieren konnte, schieben viele darauf, dass die Spieler in den englischen Vereinsmannschaften überwiegend Ausländer sind. Eine groß angelegte Gegenmaßnahme ist auch schon geplant. Sepp Blatter, Präsident des globalen Fußballdachverbands FIFA, versucht den Plan durchzusetzen, die Anzahl der ausländischen Spieler, die die Vereinsmannschaften aufstellen dürfen, auf fünf zu begrenzen.

In afrikanischen Ländern scheint die Fußballglobalisierung genau das Gegenteil zu bewirken. Auf der einen Seite hat sie die Qualität vieler afrikanischer Nationalmannschaften im Verhältnis zu den europäischen Nationalmannschaften verbessert, da Länder wie Kamerun und Côte d’Ivoire jetzt Mannschaften aufstellen, in denen einige Spitzenspieler der europäischen Vereine mitspielen. Auf der anderen Seite hat die Globalisierung wahrscheinlich die Qualität der Vereinsligen im Vergleich zu den europäischen Ligen verschlechtert.

Wenn man in Jaunde wohnt, ist der Rückgang des Spielniveaus bei heimischen Turnieren vielleicht kein großes Problem, wenn man sich einen Kabelanschluss leisten kann, mit dem man die englische Premier League empfängt. Doch sonst darf man zu Recht das Gefühl haben, dass die Globalisierung einen hat sitzen lassen.

Die Afrika-Meisterschaften 2008, die im Januar und Februar in Ghana ausgetragen wurden, machten die wechselseitige Abhängigkeit deutlich, die die Globalisierung des Fußballs geschaffen hat. Viele europäische Vereine mussten auf ihre Stars verzichten, die zu ihren Pflichten in die Nationalmannschaft zurückgerufen wurden. Die afrikanischen Spieler ihrerseits murrten, dass ihre Abwesenheit von Europa ihre Geschäftschancen in einer entscheidenden Phase der Liga verringerte.

Doch lautet die wichtigste Lektion, die der Afrika-Cup gezeigt hat, dass diejenigen Länder erfolgreich sind, die die Chancen der Globalisierung mit einem starken Fundament im Inland kombinieren. Denn Cup-Sieger waren weder Kamerun noch Côte d’Ivoire noch eine der anderen afrikanischen Mannschaften, die mit Spitzenspielern aus den europäischen Ligen überladen sind, sondern Ägypten, das von insgesamt 23 Spielern nur vier aufstellte, die in Europa spielen.

Dagegen konnte Kamerun, das von Ägypten im Finale geschlagen wurde, nur einen einzigen Spieler aus einem einheimischen Verein vorweisen und 20 aus europäischen Clubs. Wenige ägyptische Spieler hätten Europäer gekannt, die das Spiel sahen, aber Ägypten spielte wesentlich besser und hatte den Sieg verdient. Es war auch kein bloßes Glück: Ägypten ist durchweg die erfolgreichste Nationalmannschaft beim Afrika-Cup und hat ihn zuvor bereits fünfmal gewonnen.

Wir sollten daraus nicht schließen, dass es schlecht ist, sich auf die Globalisierung des Fußballs einzulassen. Wäre das der Schlüssel zu Ägyptens Erfolg, hätte auch der Sudan, der keine Spieler in Europa hat, gut abgeschnitten. Stattdessen war der Sudan (zusammen mit Benin) die am wenigsten erfolgreiche Mannschaft bei den Meisterschaften und verlor alle drei Spiele, an denen er teilnahm.

Was wir wirklich daraus lernen sollten, ist, dass man neben den internationalen Verbindungen die Fähigkeiten im Inland fördern muss, um die vollen Vorteile der Globalisierung zu nutzen. In Ägyptens Fall ist ausschlaggebend, dass es eine starke heimische Liga besitzt, die Talente langfristig fördert und den Zusammenhalt in der Nationalmannschaft steigert.

So ist es auch mit den Gewinnern der Globalisierung in anderen Bereichen. Was die Chinas und Indiens dieser Welt von anderen Ländern unterscheidet, ist nicht, dass sie sich schutzlos den Kräften der Globalisierung hingegeben haben, sondern dass sie diese Kräfte dazu genutzt haben, ihre eigenen Kapazitäten zu verbessern. Von der Globalisierung profitieren diejenigen, die ihre Hausaufgaben machen.

Dani Rodrik ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der John F. Kennedy School of Government der Universität Harvard. Er ist der erste Preisträger des vom Social Science Research Council vergebenen Albert O. Hirschman-Preises. Sein jüngstes Buch trägt den Titel One Economics, Many Recipes: Globalization, Institutions, and Economic Growth.

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AUTHOR INFO

Dani Rodrik, Professor of International Political Economy at Harvard University, is the author of The Globalization Paradox: Democracy and the Future of the World Economy.