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Into Africa

Afrikas Kinder-Soldaten

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2002-05-24

Als Junge glauben Sie, wenn Sie sich einer Armee anschließen, Sie würden den Krieg wie im Film erleben. Aber so ist es nicht. In meinem ersten Gefecht dachte ich, ich müsste sterben und würde meine Mutter niemals wieder sehen.

Das war Mitte der 1980er Jahre. Wir griffen eine befestigte Garnison im westlichen Uganda an. Ich war gerade 15 Jahre alt und Teil einer Bewegung, die mein Land von dem korrupten Regime des Milton Obote, der den mörderischen Idi Amin beerbt hatte, befreien wollte.

Mein Vorgesetzter war ein begeisternder, tapferer und begabter Mann, Yoweri Museveni, der jetzige Präsident Ugandas. Museveni war der Überzeugung, junge Kämpfer benötigten nicht nur militärische Fähigkeiten, sondern auch eine politische Überzeugung, weshalb sie kämpften - nämlich um die Gier und Selbsttäuschung der Führung in Afrika nach der Unabhängigkeit zu beenden.

Noch als Teenager erfuhr ich, unser Kriegsziel sei die gesellschaftliche und politische Umgestaltung. Im Krieg begann ich gefangene Feinde zu bedauern, weil ich Grund hatte zu kämpfen, und sie nicht. Durch die politische Zielsetzung motiviert, - es handelte sich um den Umbau meines zerschlagenen Vaterlandes - stieg ich über verschiedene Dienstgrade auf und wurde ein vertrauenswürdiger Mitarbeiter in der unmittelbaren Umgebung Musevenis. 1986, nicht lange nach meinem 16. Geburtstag, stürzte Museveni Obote. Der Krieg war zu Ende, aber nicht für mich.

Ich war nicht mehr länger Rebell, sondern von nun an Offizier in der ugandischen Armee. Ich wurde zur militärischen Ausbildung nach Kuba, Libyen und Nord-Korea geschickt. Ich wurde Fachmann für Panzerkrieg. Während ich nach Ausbildung dürstete - und mich sogar an der Universität eingeschrieben hatte - blieb ich nur als Soldat wertvoll.

Zuerst half ich in meinem Land Tutsi-Flüchtlingen aus Ruanda, die dort eine Minderheit waren, einen Krieg gegen die dortige Hutu-Mehrheit zu führen. Im Sommer 1994, als die Hutus die Tutsis zu Hunderttausenden abgeschlachtet hatten, gewann unsere Sache an Dringlichkeit, und mit ihr wuchs unser Kampfgeist. Drei Jahre lang kämpfte ich auf der Seite der Tutsis. Schließlich diente ich Paul Kagame, dem inzwischen amtierenden Präsident Ruandas und führenden politischen und militärischen Strategen seines Landes als persönlicher Adjutant.

Bald darauf bat mich Präsident Kagame, im Kongo zu kämpfen, um dem überaus korrupten Regime Mobutus ein Ende zu bereiten. Im Kongo führte ich Hunderte von Kämpfer - viele von ihnen waren Kinder - und half Teile des Landes zu erobern. Im Mai 1997 half ich sogar mit, Kinshasa zu erobern und Mobutu von der Macht zu vertreiben. Ich hatte ein drittes Land "befreit", und war erst 27 Jahre alt.

Des Krieges müde wurde ich im folgenden Jahr Politiker und gewann als Mitglied der ,,Bewegung" Musevenis, der einzigen legalen Partei Ugandas einen Sitz im Parlament. Im letzten Jahr bekam ich Bedenken, ob Museveni nicht auch wieder nur ein anderer afrikanischer Diktator war, dem es mehr um die Macht als um Prinzipien ging. Teil meiner Auseinandersetzung mit ihm betraf sein Versäumnis, eine echte Mehrparteiendemokratie einzuführen, und ich beanstandete auch die wachsende Korruption. Die Welt-Bank und andere ausländische Spender bezahlen die Hälfte des Haushalts der ugandischen Regierung, aber ein Drittel des Geldes wird für sinnlose Kriegshandlungen, wie Ugandas Einfall in den Kongo vertan. Museveni ist letztendlich für diese Korruption verantwortlich.

Ich lief zu einer neuen Oppositionspartei über und betrieb für Musevenis Gegenspieler bei den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr Wahlkampf. Auch wenn Museveni nicht riskieren musste, die Wahl zu verlieren, ergriff er jede Gelegenheit, um die Unterstützer und Anhänger seines Gegners zu verhaften. Obwohl ich als Kind treu in Musevenis Armee gekämpft hatte, verhaftete er mich nun, weil ich als Erwachsener sein Kritiker geworden war, auch gleich mit. Von meinem eigenen Bruder gefoltert (er leitet Musevenis Abteilung für innere Sicherheit) wurde ich erst freigelassen, als im Land und international Druck entstand. So verließt ich Uganda und kam nach Großbritannien.

Im friedlichen London denke ich nun über mein Leben als Kindersoldat nach. Ich bedauere nichts, ich biete keine Entschuldigungen an. Dennoch bin ich mir bewusst, dass Menschenrechtsverfechter die Einberufung von Jugendlichen in Afrikas Kriege, wodurch das Leben vieler Kinder ruiniert wird, zu Recht beklagen.

Ungerechtigkeit veranlasst Kinder zur Waffe zu greifen. Das gleiche bewirkt Armut. In Teilen Afrikas verursacht Armut, dass Jugendliche in den Waffen den Weg sehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Politisch und wirtschaftlich machtlos glauben einige Kinder, sie könnten sich nur durchbringen, wenn sie in eine Armee eintreten.

In Uganda und in den meisten Ländern südlich der Sahara sind über 40 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Jedes Land ächzt unter der Last, so viele junge Leute erziehen, beschäftigen und integrieren zu müssen. Natürlich sollte kein Kind in den Krieg ziehen. Aber Kindersoldaten zu verurteilen, lässt sie nicht verschwinden. Das gelingt nur durch Ausbildung. Die Jugend Afrika muss im Klassenzimmer in Demokratie und Pazifismus eingeführt werden.

Wann ein Kind zur Waffe greift, wird es ein Mann und verbreitet Angst, wenn nicht sogar Respekt. Nach meiner Erfahrung werden die afrikanischen Jugendlichen vergessen, es sei denn Politiker brauchen sie für ihren Kampf. Wenn afrikanische Jugendliche besser ausgebildet werden und die Möglichkeit erhalten, ihre Mitmenschen zu beeinflussen, dann werden sie wahrscheinlich weniger häufig als Kanonenfutter missbraucht, werden sie seltener zur Waffe greifen und eher ein Buch lesen.

Vor siebzehn Jahren griff ich gegen den Willen meines Vaters in der Hoffnung, dadurch die Welt zu verändern, zur Waffe. Ich überlebte und machte Erfahrungen. Ich lernte die Grenzen der Waffen kennen. Viele meiner Kameraden wurden dieser Möglichkeit beraubt, denn wenige blieben am Leben. Von denjenigen, die überlebten, bekamen die meisten einen führenden Posten in der Armee Ugandas, einige wurden Politiker. Doch die meisten starben im Kampf oder an AIDS. Junge Afrikaner sollten daran denken, wenn sie danach ausschauen, wo sie ihr Zeichen setzen.

Okwir Rabwoni lebt in London im Exil, berät dort Menschenrechtsgruppen. Er war Parlamentsmitglied in Uganda und früher Adjutant Paul Kagames, des Präsidenten von Ruanda.

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AUTHOR INFO

Lives in exile in London, where he provides advice to human rights groups. He was a member of the parliament of Uganda and a former aide to the President of Rwanda, Paul Kagame.