The Ethics of Life
Rechte für Roboter?
Peter Singer and Agata Sagan
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PRINCETON und WARSCHAU – Letzten Monat gab die Firma Gecko Systems bekannt, dass man Versuche mit einem, „absolut selbständig agierenden persönlichen Roboterassistenten” unternommen hatte, der auch als „Carebot“ bekannt ist. Dieser Roboter wurde dafür konzipiert, älteren oder behinderten Menschen ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Das Unternehmen berichtet, dass eine an Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leidende Frau ein breites Lächeln aufsetzte, als der Roboter sie fragte: „Möchten Sie einen Becher Eiscreme?“ Die Frau antwortete mit „ja“ und der Roboter erledigte vermutlich den Rest.
Roboter erfüllen bereits viele Funktionen, deren Bogen sich von Tätigkeiten in der Automobilproduktion bis zur Entschärfung von Bomben – oder unheilvoller: dem Abfeuern von Raketen - spannt. Kinder und Erwachsene spielen mit Roboterspielzeugen, während Stausauger-Roboter in einer wachsenden Zahl von Haushalten für die Reinigung und – wie Videos auf YouTube beweisen – für die Unterhaltung von Katzen sorgen. Es gibt sogar einen Robot World Cup. Bei der jüngsten Veranstaltung letzten Sommer in Graz hat sich allerdings gezeigt, dass sich die Fußballer noch keine Sorgen vor der Konkurrenz machen müssen. (Bei Schach sieht es natürlich anders aus.)
Die meisten für den Einsatz in den eigenen vier Wänden konzipierten Roboter weisen ein funktionelles Design auf – der Heimroboter von Gecko-Systems sieht aus wie R2-D2 aus Krieg der Sterne. Honda und Sony entwerfen Roboter, die eher eine Ähnlichkeit mit dem „Androiden“ C-3PO aus diesem Film haben. Es gibt auch bereits Roboter mit weichen, biegsamen Körpern, menschenähnlichen Gesichtern, einer ebensolchen Mimik und einem großen Repertoire an Bewegungen. Hanson Robotics verfügt über ein Voführmodell namens Albert, dessen Gesicht eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Albert Einstein aufweist.
Werden wir uns schon bald an die Anwesenheit von humanoiden Robotern in unseren Wohnungen und Häusern gewöhnt haben? Noel Sharkey, Professor für künstliche Intelligenz und Robotik an der Universität Sheffield, prophezeit, dass viel beschäftigte Eltern beginnen werden, Roboter als Babysitter einzusetzen. Er stellt sich die Frage, was es für ein Kind bedeuten wird, viel Zeit mit einer Maschine zu verbringen, die zu echtem Einfühlungsvermögen, Verständnis oder Mitgefühl nicht fähig ist. Man könnte sich auch fragen, warum wir energieintensive Roboter entwickeln sollen, die in einem der wenigen Bereiche zum Einsatz kommen – nämlich in der Betreuung von Kindern und älteren Menschen – in denen Menschen mit wenig Ausbildung eine Beschäftigung finden können.
David Levy geht in seinem Buch Love and Sex with Robots noch weiter und prophezeit, dass wir uns einst in menschenähnliche, anschmiegsame Roboter verlieben und sogar Sex mit ihnen haben werden. (Hat der Roboter mehrere Sexualpartner, entnehme man einfach die relevanten Teile, gebe sie in eine Desinfektionslösung und – voilà – schon ist das Risiko sexuell übertragbarer Erkrankungen gebannt!). Was aber wird die Anwesenheit eines „Sexbots“ für eine eheliche Gemeinschaft bedeuten? Wie werden wir uns fühlen, wenn der Ehepartner plötzlich zu viel Zeit mit einem allzeit bereiten Liebesroboter verbringt?
Eine bedrohlichere Frage ist aus Romanen und Filmen bekannt: Werden wir unsere Zivilisation gegen von uns selbst geschaffene intelligente Maschinen verteidigen müssen? Manche betrachten die Entwicklung einer über dem Menschen stehenden künstlichen Intelligenz als unausweichlich und rechnen spätestens bis 2070 mit deren Verwirklichung. Dieser als „Singularität“ beizeichnete Moment wird als Welt veränderndes Ereignis gesehen.
Eliezer Yudkowsky, einer der Gründer des Singularity Institute for Artificial Intelligence, glaubt, dass die Singularität zu einer „Intelligenzexplosion“ führen wird, dass superintelligente Maschinen noch mehr intelligente Maschinen hervorbringen werden, wobei jede Generation diesen Prozess wiederholt. Die zurückhaltendere Association for the Advancement of Artificial Intelligence hat eine spezielles Gremium eingesetzt, um Untersuchungen hinsichtlich eines „möglichen Verlustes der menschlichen Kontrolle über computerbasierte Intelligenz“ durchzuführen.
Wenn das eintritt, lautet die entscheidende Frage für zukünftige Zivilisationen: Werden die superintelligenten Computer freundlich sein? Wird es langsam Zeit, über Schritte nachzudenken, die verhindern, dass sich unsere Schöpfungen feindselig gegen uns wenden?
Realistischer als die Frage, ob die Roboter uns schaden werden, sind vorerst wohl Bedenken, ob wir ihnen Schaden zufügen werden. Gegenwärtig handelt es sich bei Robotern um reine Gebrauchsgegenstände. Aber was, wenn sie ausreichend komplex werden, um Gefühle zu bekommen? Ist denn das menschliche Gehirn nicht auch eine überaus komplexe Maschine?
Werden wir Rücksicht auf die Gefühle der Maschinen nehmen, wenn diese eines Tages Bewusstsein erlangen? Die Geschichte unserer Beziehung zu den einzigen nicht-menschlichen, empfindungsfähigen Wesen – den Tieren – gibt allerdings keinen Grund für Zuversicht, dass wir empfindungsfähige Roboter nicht als reine Gebrauchsgegenstände betrachten werden, sondern als Wesen mit einer moralischen Position und Interessen, die es zu berücksichtigen gilt.
Der Kognitionswissenschaftler Steve Torrance weist darauf hin, dass leistungsfähige neue Technologien wie Auto, Computer und Telefone dazu neigen, sich in unkontrollierter Weise auszubreiten. Die Entwicklung eines Roboters mit Bewusstsein, der nicht als Mitglied unserer Moralgemeinschaft angesehen wird, könnte deshalb zu Misshandlungen im großen Stil führen.
Die wirklich schwierige Frage ist natürlich, woher wir wissen sollen, ob ein Roboter tatsächlich über ein Bewusstsein verfügt und nicht nur zur Nachahmung von Bewusstsein konzipiert wurde. Dazu müsste man Kenntnisse über die Programmierung des Roboters haben – ob die Entwickler also nur einen Code für vorgetäuschtes Bewusstsein geschrieben haben. Wenn ja, hätten wir keinen Grund zur Annahme, dass der Roboter über ein Bewusstsein verfügt.
Wäre der Roboter allerdings darauf ausgelegt, menschenähnliche Fähigkeiten zu haben, die schließlich zu Bewusstsein führen, müssten wir annehmen, dass er tatsächlich über ein Bewusstsein verfügt. Ab diesem Zeitpunkt würde sich die Bewegung für die Rechte von Robotern formieren.
Peter Singer ist Professor für Bioethik an der Universität Princeton und Autor zahlreicher Bücher wie u.a. Praktische Ethik oder Leben und Tod: Der Zusammenbruch der traditionellen Ethik. Agata Sagan lebt als unabhängige Wissenschaftlerin in Warschau.
Copyright: Project Syndicate, 2009.
www.project-syndicate.org
Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier
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joshuafox 09:23 16 Dec 09
> The more cautious Association for the Advancement of
> Artificial Intelligence
It is far LESS cautious. Yudkowsky's Singularity Institute is focused almost completely on averting what they see as a potential risk. Compare this to others, including the AAAI group, who dismiss the risk.
I guess you mean "cautious about believing that there is a risk." I know some people who are cautious about believing that driving without a seatbelt is a risk, but that's not quite how I would use the word "cautious."
pwsinger 05:22 16 Dec 09
For those confused, this was NOT written by the Peter W. Singer, who wrote the recent book Wired for War: The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century. If you want an extensively researched, and thus less speculative, discussion of robots and issues of law, ethics, and rights, by someone named Peter Singer, it may prove a better resource.
Dr. Singer, if you are now going write on the exact topic that I cover in my research, at least aid the readers in letting them know the difference. If I ever write about zoophilia or infant euthanisia, I promise to be kind enough to do the same.
--P.W. Singer
www.pwsinger.com
APierce 10:09 24 Dec 09
In An Introduction to the Principles of Morals and Legislation Jeremy Bentham refused to draw a rigid line between human interests and those of other creatures:
What else is it that should trace the insuperable line? Is it the faculty of reason or perhaps the faculty of discourse? …. The question is not Can they reason, nor Can they talk? But, Can they suffer? Why should the law refuse its protection to any sensitive being?
There is little reason to believe that any robot made with existing electronic design principles will ever have the capacity to suffer, enjoy or otherwise become a sensitive being. Mere computing power, or clever programming doesn't seem to equate to consciousness. We don’t even have a credible theory as to how we would build a device with consciousness as yet. The creation of artificial life may be just around the corner, because biochemistry is relatively well understood, but not understanding the origin of consciousness, it seems unlikely we can recreate it anytime soon.
Science fiction writers have often addressed the question raised in this piece about whether advanced robots would try to dominate or destroy us. Such worries may reflect our misunderstanding of the strangeness of machine intelligence, if it ever comes into being. If machines become truly independent thinkers perhaps we would not be all that important to them. Our drive to impress or control our fellow human beings may be as irrelevant to them as a salamander's sex drive is to us. A robot that is no more than an extension of its human creators may act as a friend or enemy, based on the way it was programmed. But a truly intelligent robot may have more important things to do than bother with the world of men.
Andrew Pierce


singularityman 04:57 15 Dec 09
The great breakthrough in human like robots, and A.I. in general, will come through either the necessities of military technology or man's desire for sex. Which will be first? Perhaps it is humanities' last chance to truly 'make love, not war'?
Incidentally, feminists at the University of Ottawa have already started proposing legislation to outlaw sex with robots.