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The Ethics of Life

Wohltätigkeit in schweren Zeiten

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2009-03-13

PRINCETON – Auf meiner US-Lesereise, bei der ich mein neues Buch, The Life You Can Save: Acting Now to End World Poverty , vorstelle, werde ich häufig gefragt, ob dies nicht der falsche Zeitpunkt sei, um wohlhabende Menschen aufzufordern, ihre Bemühungen, die Armut in anderen Ländern zu beenden, zu verstärken. Ich antworte nachdrücklich, dass dies nicht der Fall ist. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Weltwirtschaft in Schwierigkeiten ist. Doch wenn Regierungen oder Einzelne dies als Vorwand nähmen, um die Hilfe für die ärmsten Menschen der Welt zu reduzieren, würden sie die Schwere des Problems für die Welt als Ganzes nur vervielfachen.

Die Finanzkrise hat den Armen mehr geschadet als den Reichen. Ohne in irgendeiner Weise den wirtschaftlichen und psychologischen Schlag zu bagatellisieren, den Menschen hinnehmen müssen, wenn sie ihre Arbeit verlieren, verfügen Arbeitslose in wohlhabenden Ländern immer noch über ein Sicherheitsnetz in Form von Sozialversicherungsleistungen sowie in der Regel über kostenlose Gesundheitsfürsorge und kostenlose Bildung für ihre Kinder. Sie verfügen zudem über sanitäre Einrichtungen und Trinkwasser.

Die Armen in Entwicklungsländern haben keine dieser Annehmlichkeiten, was sich jedes Jahr für schätzungsweise 18�Millionen von ihnen als tödlich erweist. Die Anzahl der Todesopfer pro Jahr ist höher als während des Zweiten Weltkriegs, und sie ist leichter zu vermeiden.

Unter denen, die an vermeidbaren, armutsbedingten Ursachen sterben, sind laut UNICEF fast zehn Millionen Kinder unter fünf Jahren. Sie sterben an Krankheiten wie Masern, Durchfall und Malaria, die einfach und kostengünstig zu behandeln oder zu verhindern wären.

Es mag für uns zwar schmerzlich sein, von einem gewissen Wohlstandniveau, an das wir uns gewöhnt haben, wieder herunterzukommen, aber den meisten Menschen in den Industrieländern geht es historisch betrachtet immer noch außergewöhnlich gut. Haben Sie in der letzten Woche eine Flasche Wasser, ein Bier oder einen Kaffee gekauft, wenn Leitungswasser kostenlos verfügbar war? Wenn ja, so ist das ein Luxus, den sich die ärmste Milliarde Menschen auf der Welt nicht leisten kann, da sie einen ganzen Tag lang von dem leben müssen, was Sie für nur eines dieser Getränke ausgeben.

Ein Grund dafür, dass wir es uns leisten können, die von uns bereitgestellten Hilfszahlungen aufzustocken, ist, dass der Betrag, den wir derzeit abgeben, im Vergleich zu dem, was wir für andere Dinge ausgeben, unbedeutend ist. Die Regierung der Vereinten Staaten gibt z.�B. etwa 22�Milliarden�Dollar für die Auslandshilfe aus, während die Amerikaner privat vielleicht weitere 10�Milliarden�Dollar spenden.

Verglichen mit dem Konjunkturpaket von 787�Milliarden�Dollar, das Präsident Barack Obama im letzten Monat unterschrieben hat, sind diese 32�Milliarden�Dollar unbedeutend. Es sind auch weniger als 0,25�Dollar für jeweils 100�Dollar, die die Amerikaner verdienen. Selbstverständlich schneiden einige Nationen besser ab: Schweden, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Luxemburg übertreffen allesamt das Ziel der Vereinigten Staaten, eine Summe in Höhe von 0,7�% des Bruttovolkseinkommens in die Auslandshilfe fließen zu lassen. Doch selbst 0,70�Dollar für jeweils 100�Dollar sind immer noch nicht viel, um damit eines der großen moralischen Probleme unseres Zeitalters anzugehen.

Wenn zugelassen wird, dass die extreme Armut zunimmt, werden daraus neue Probleme erwachsen, unter anderem neue Krankheiten, die sich von Ländern, die keine angemessene Gesundheitsfürsorge bieten können, auf Länder ausbreiten, die dies können. Armut wird zu mehr Migranten führen, die – auf legale oder nicht legale Weise – versuchen werden, in reiche Nationen auszuwandern. Wenn es schließlich zu einer wirtschaftlichen Erholung kommt, wird die globale Wirtschaft kleiner sein, als sie es wäre, wenn alle Menschen auf der Welt an ihr teilhaben könnten.

Auch ist die globale Finanzkrise keine Rechtfertigung dafür, dass die Machthaber der Welt nicht Wort halten. Auf dem Millenniumsgipfel in New York vor fast neun Jahren versprachen die führenden Politiker von 180�Ländern, darunter alle großen wohlhabenden Nationen, dass sie die Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 gemeinsam erreichen würden.

Diese Ziele beinhalten, die Anzahl der Menschen, die in Armut leben, zu halbieren und sicherzustellen, dass Kinder überall eine volle Grundschulbildung erhalten. Seit diesem Treffen im Jahr 2000 bleibt der Einsatz, den die meisten Nationen gezeigt haben, hinter dem zurück, was erforderlich ist, und bis 2015 sind es jetzt nur noch sechs Jahre.

Wenn wir unsere Hilfsleistungen zurückschrauben, werden wir unser Versprechen nicht einhalten, und die ärmeren Länder werden wieder einmal erfahren, dass die Taten der reichen Länder hinter ihren inspirierenden Reden über die Verminderung der Armut auf der Welt zurückbleiben. Das ist keine gute Grundlage für eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen reichen und armen Ländern bei Themen wie dem Klimawandel.

Und schließlich: Wenn diese globale Finanzkrise irgendetwas Gutes bringt, so wird dies eine Neubewertung unserer grundlegenden Werte und Prioritäten sein. Wir müssen erkennen, dass es nicht wirklich auf den Kauf von immer mehr Gebrauchsgütern ankommt, sondern auf die Familie, Freunde und das Wissen, dass wir mit unserem Leben etwas Lohnendes anfangen. Dazu beizutragen, die entsetzlichen Konsequenzen der Armut in der Welt zu verringern, sollte Teil dieser Neubewertung sein.

Peter Singer ist Professor für Bioethik an der Universität Princeton. Weitere Einzelheiten zu The Life You Can Save: Acting Now to End World Poverty finden Sie unter www.thelifeyoucansave.com.

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nyugolfer 05:54 17 Jul 10

Peter I share you sentiments and I remember you making a similar argument in One World which I admired. I do wonder how you bring yourself to spend any money though knowing as you say:

"Have you, in the past week, bought a bottle of water, a beer, or a coffee when tap water was available at no cost? If you did, that’s a luxury that the world’s poorest billion people can’t afford, because they have to live for an entire day on what you spent on just one of those drinks."

With this line of reasoning am I suppose to feel guilty after every beer I drink or coffee I enjoy daily? Do you hold yourself to such austere standards? Do you not spend any money outside of meeting your basic needs? 

I have a feeling you do and you are simply reminding the rich just how rich "we" are relative to the poor but feel you overplay the guilt card to much. If we all lived like the poorest of the poor life would, well to be frank, suck. 

So I am mainly curious about how you live you life day in and day out. Do you ever go on vacation? As we speak, I am traveling the world on a budget financed by personal savings. Should I have not taken this trip and donated the funds to help the poor?

Or maybe could it be that this trip will provide a first hand account of those abject conditions you describe? Granted I am living very well abroad, I have been sick numerous times because water used to wash my food is simply not clean. Maybe I will appreciate the little things a bit more, the coffee's and the beer etc? 

From your line of reasoning I simply cant justify doing anything with my life beyond basic sustenance living, because every dollar spent traveling, drinking beer and so on could have been spent helping the poor.

So what I am asking is how you personally can justify spending money on a coffee when you know that money could have been spent on the poor? Are you exempt because you devote much of your work outside of drinking coffee (assuming you spend money on such things...but maybe I am wrong) to raising awareness on these issues? 

I hope you understand I admire your work and I am simply curious (As someone who would like to do my part) about how you deal with the above questions?


ceabbate7 06:19 18 Oct 10

My question for Dr. Singer is in regards to his two moral stances on (1) ending world poverty and (2) his view on eliminating animal suffering in the meat industry. If we have a choice:

(A) To spend $10.00 on a package of vegan X or (B) spend $6.00 on a package of Y that was produced from a factory farm, and donate $4.00 to a global poverty relief organization, which should we choose? 

A few conditions to keep in mind for this scenario:

1. X and Y are equal in quantity.

2. In theory, both X and Y are equally healthy. (Obviously, eating actual animal products will lead to negative health conditions down the road, and will end up costing us more money in the future (medical bills), and hence less money we could donate to 3rd world countries overall. But let us set this aside, and in theory, pretend that both options are equally healthy.)

3. We have no other financial means of donating to a poverty relief organization besides this extra $4 we would save by buying Y instead of X. We just barely can afford the basic necessities in life, and if we were to donate to a charity, the monetary means would be a result of eating cheaper food.

4. X and Y are our only choices to meet our dietary needs-- we cannot find a cheaper substitute for X. This amounts to saying we will essentially pay more for our food as a vegan than if we were to buy products from the meat industry.

The question basically amounts to; how far do we need to go to eliminate world poverty? Is this issue more important than the issue of animal welfare?



AUTHOR INFO

Peter Singer is a Professor of Bioethics at Princeton University and Laureate Professor at the University of Melbourne. His books include Animal Liberation, Practical Ethics, and The Life You Can Save.