Friday, November 28, 2014
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Mangelnde Investitionen in Ausfallsicherheit

NEW YORK – Der Hurrikan in der letzten Woche an der amerikanischen Ostküste (den ich in Lower Manhattan miterlebte) war eines der zunehmenden Anzahl extremer Wetterereignisse, aus denen wir lernen sollten. Klimaexperten behaupten seit langem, dass die Anzahl und das Ausmaß solcher Ereignisse zunehmen. Dagegen sollten wir vorbeugende Maßnahmen treffen – und diese regelmäßig überprüfen.

Es gibt zwei wichtige, aber sehr unterschiedliche Arten, sich auf Katastrophen vorzubereiten. Diejenige, die verständlicherweise am meisten Aufmerksamkeit bekommt, ist die Fähigkeit zu einer schnellen und effektiven Reaktion. Eine solche wird zweifellos immer nötig sein und wird von kaum jemandem in Frage gestellt. Ohne ausreichende Reaktionsfähigkeit kann die Anzahl an Todesfällen und ruinierten Schicksalen schlimme Ausmaße annehmen – wie der Hurrikan Katrina gezeigt hat, der 2005 Haiti und New Orleans zerstörte.

Die zweite Komponente besteht in Investitionen, die den Schaden für die Volkswirtschaft von vornherein gering halten. Dieser Aspekt der Vorbereitung erhält normalerweise deutlich weniger Aufmerksamkeit.

Tatsächlich scheint die Erfahrung mit Katrina in den Vereinigten Staaten zu stärkerer Reaktionsfähigkeit geführt zu haben, wie die schnelle und effektive Krisenbewältigung nach dem Hurrikan Sandy gezeigt hat. Aber Investitionen zur Schadensbegrenzung werden immer noch vernachlässigt.

Um dieses Ungleichgewicht zu beheben, muss die Infrastruktur betrachtet werden. Natürlich schlagen Katastrophen zufällig und in oft nicht vorhersagbaren Orten zu, daher kann man solche Schäden, will man die Kosten in vernünftiger Höhe halten, nicht vollständig verhindern. Aber manche Zerstörungen haben große Multiplikatoreffekte.

Dies ist insbesondere bei wichtigen Systemen wie dem Stromnetz und den Netzwerken für Information, Kommunikation und Transport der Fall, die für das Funktionieren einer modernen Volkswirtschaft von grundlegender Bedeutung sind. Relativ bescheidene Investitionen in die Ausfallsicherheit, Redundanz und Integrität dieser Systeme zahlen sich in höchstem Maße aus, wenn auch nur in unregelmäßigen Abständen. Der Schlüssel liegt in der Redundanz.

Die Erfahrungen aus New York City sind sehr lehrreich. Der südliche Teil von Manhattan war fast eine ganze Arbeitswoche lang ohne Strom, da offensichtlich eine große Schaltstation des Stromnetzes neben dem East River nach der Überflutung durch eine heftige Explosion zerstört wurde. Es gab keine alternative Leitung, durch die der Strom hätte ausweichen können.

Die Kosten dieses Stromausfalls sind zwar schwer zu berechnen, dürften aber enorm hoch sein. Im Gegensatz zu den Aufwendungen zur Reparatur physischer Güter, die die Wirtschaft ankurbeln, ist dies ein Nettowohlfahrtsverlust. Lokale Stromausfälle mögen nicht zu verhindern sein, aber man kann die Stromnetze weniger anfällig machen, indem man Redundanzen einbaut – wodurch vermieden wird, dass im Ernstfall große Teile der Wirtschaft zusammenbrechen.

Ähnliche Lehren konnte man nach dem Erdbeben und dem Tsunami 2011 in Nordostjapan in Bezug auf die globalen Lieferketten ziehen. Diese Lieferketten sind heute widerstandsfähiger, da Alternativen für Engpässe geschaffen wurden, die sonst deutlich größere Systeme lahmlegen könnten.

Netzwerkexperten sorgen sich zu Recht über die Möglichkeit, durch Angriffe auf die Steuersysteme der Strom-, Kommunikations- und Transportnetze ganze Volkswirtschaften zum Erliegen zu bringen. Zugegebenermaßen sind die Auswirkungen von Naturkatastrophen weniger systemisch, aber wenn sie Schlüsselkomponenten von Netzwerken zerstören, die zu wenig Redundanz und Datensicherung aufweisen, führt dies zu ähnlichen Ergebnissen. Die Ausfallsicherheit entscheidender Netzwerke und Systeme – insbesondere des Stromnetzes – kommt sogar der Reaktionsfähigkeit zugute.

Warum neigen wir immer wieder dazu, zu wenig in die grundlegenden Systeme unserer Volkswirtschaften zu investieren?

Ein Argument ist, dass Redundanz in normalen Zeiten wie Verschwendung aussieht und höhere Investitionen durch Kosten-Nutzen-Rechnungen ausgeschlossen werden. Dies scheint ganz klar eine falsche Annahme zu sein: Viele Expertenschätzungen zeigen, dass sich eingebaute Redundanz lohnt, wenn man nicht unrealistisch niedrige Wahrscheinlichkeiten für Störfälle ansetzt.

Dies führt uns zu einer zweiten und plausibleren Erklärung, die psychologischer und verhaltenswissenschaftlicher Natur ist. Wir haben eine Tendenz, sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Folgen unvorhersehbarer Ereignisse zu unterschätzen.

Verschärft wird dieses Muster durch schwache Anreize. Die Anreize von Ausführenden wie Vermögensverwaltern oder gewählten Politikern werden durch Souveräne wie Investoren oder Wähler bestimmt. Wenn die Souveräne die systemischen Risiken nicht verstehen, können ihre Ausführenden diese Risiken, selbst wenn sie sie verstehen, nicht berücksichtigen, da sie sonst Unterstützung in Form von Wählerstimmen oder zu verwaltenden Vermögenswerten verlieren.

Eine weitere Begründung ist, dass Unternehmen, die stark von Kontinuität abhängig sind – wie Krankenhäuser, indische Outsourcing-Firmen oder Wertpapierbörsen – in ihre eigenen Sicherungssysteme investieren müssen, und dies auch tun. Aber dabei werden viele Probleme nicht in Betracht gezogen, beispielsweise die Mobilität, Sicherheit und Wohnsituation der Angestellten. Weitreichende Selbstabsicherung aufgrund mangelnder Investitionen in widerstandsfähige Infrastruktur ist als Option ineffizient und deutlich unterlegen.

Defizite bei den Infrastrukturinvestitionen (einschließlich vernachlässigter Wartung) ist dort weit verbreitet, wo die Konsequenzen unklar und/oder nicht direkt offensichtlich sind. In Wirklichkeit können mangelnde Investitionen mit Schuldenfinanzierung verglichen werden: Beide übertragen Kosten auf zukünftige Generationen. Aber sogar durch Schulden finanzierte Investitionen wären angesichts des sonst auftretenden Wohlstandsverlustes besser als überhaupt keine.

Städte und Staaten, die in den globalen Finanz- und Wirtschaftssystemen eine wichtige Rolle spielen möchten, müssen berechenbar, verlässlich und widerstandsfähig sein. Dies erfordert eine transparente Gesetzgebung und eine kompetente, konservative und antizyklische makroökonomische Führung. Aber auch physische Robustheit und die Fähigkeit, Schocks zu widerstehen, gehört dazu.

Instabile Knotenpunkte in Netzwerken führen im Fall ihres Zusammenbruchs zu einer Welle enormer Folgeschäden. Früher oder später werden sie dann umgangen und durch robustere Alternativen ersetzt.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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    1. CommentedProcyon Mukherjee

      Under-investment in resilient infrastructure that tends to defer costs to the future, is an inherent problem, not just due to lack of incentives, but because very few understand the concept of depreciation in physical infrastructure till the point is reached when investment must be made several times the physical depreciation in assets; Michael is so right when he talks about self-insurance and the bloated faith in it, the malaise that plagues many institutions, countries and administration who live in the short term world view.

      Procyon Mukherjee

    2. CommentedRichard Potter

      Why should taxpayers have to pay one cent in taxes to provide "resilience" to homeowners who never should have built homes on floodplains, barrier islands and oceanfronts in the first place, please? The economics of providing subsidized flood insurance, artificially depressed in price auto and home insurance, seawalls and dikes are just perverse. Like the TBTF banks, such residents enjoy their costly water views while they can, and then pass along the costs of a natural disaster to those of us who can not or will not live in such risky places. Let such homeowners pay the fully-loaded, risk-adjusted costs of their homes, and only then come to me with hands out for "resilience" investments.

    3. CommentedZsolt Hermann

      The article started in a promising way, mentioning the worsening climate events, hinting at human responsibility, also mentioning that besides effective crisis management we also need prevention, and then it just stopped connecting the two together.
      It does not matter what structural preparation humans do, how high walls we build, how deep we bury the electric lines, how the financial markets prepare, unless we actually try to get to the root problem.
      This root problem is humanity's total opposition to nature's system.
      While nature is based on the laws of general balance and homeostasis, when in nature each species is tightly interconnected within themselves and even with other species building a self sustaining and developing chain, human beings within their own species are each other's predators, killing each other, wiping out whole nations, cultures either physically or culturally, psychologically.
      And as a species they apply such a socio-economic system that is all about total exploitation of the human and natural resources around, basically behaving like a cancer within the body of nature.
      By the way latest research shows that even cancer cells have very sophisticated communication system with each other, so at least the cancer within itself is well organized and united, while the human cancer even within itself is self destructive, moreover each human being is destroying itself with the harmful lifestyle they pursue.
      In short it does not matter what we build or how we build it until we correct the only problem there is: the inherent self serving, subjective human nature.
      And this is where humans are superior to any other living creature, people are capable of self assessment and self adjustment provided they receive positive motivation to do so.
      The negative motivation is already upon us, either natural catastrophes, or the internal imbalance and explosion within human society is threatening our future.
      The positive motivation should come from an informed, transparent and scientific understanding of the global, fully integrated natural system we exist in and how humanity should adapt to this system in order to survive.

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