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The Frontiers of Growth

Der Weg zu Wohlstand und gesunden Märkten

Edmund S. Phelps

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2009-12-08

BERLIN – Die knapp verhinderte Kernschmelze an den globalen Finanzmärkten und der darauf folgende Konjunkturrückgang haben die angelsächsischen Nationen mit der Frage zurückgelassen, was sie tun sollen, um ihre Wirtschaft auf den Weg der Erholung zu bringen und eine ähnliche Krise in Zukunft zu vermeiden. Einige Empfehlungen von Mitgliedern des Center on Capitalism and Society (Zentrum für Kapitalismus und Gesellschaft) der Columbia University wurden dem G-20-Treffen im letzten April übersandt. Um mehr Arbeitsplätze in der Wirtschaft zu schaffen, schlug ich vor, dass die Regierungen eine Kategorie von Banken einrichten, die sich die vergessene Kunst der Finanzierung von Investitionsprojekten im Wirtschaftssektor aneignet – jene Art von Finanzierung, welche die alten „Handelsbanken“ vor einem Jahrhundert so gut beherrschten. Ich erneuerte zudem meine Unterstützung für die Subvention von Unternehmen, die Niedriglohnarbeiter weiter beschäftigen. (Singapur hat diese Idee mit beneidenswerten Ergebnissen umgesetzt.)

Um kommerzielle Banken davor zu schützen, wieder ihre eigene Zahlungsfähigkeit aufs Spiel zu setzen (und außerdem die des ganzen Landes), schlug Richard Robb vor, eine geringe Steuer auf kurzfristige Schulden der Banken einzuführen und die Banken so von einer übermäßigen Kreditaufnahme abzuhalten. Amar Bhide schlug vor, dass kommerzielle Banken zu ihrem Kerngeschäft zurückkehren („Narrow Banking“). Wenn sie das täten, könnten sie überhaupt keine Kredite aufnehmen.

Doch trotz aller politischer Maßnahmen und schöner Reden wurde seitdem keiner dieser Vorschläge von den G-20-Ländern umgesetzt. Ihr Schwerpunkt lag auf antizyklischen Maßnahmen, die darauf abzielten, den Abschwung aufzufangen, anstatt eine Umstrukturierung herbeizuführen. An sich ist ein solches Auffangen selbstverständlich begrüßenswert. Doch könnten die Maßnahmen zu einer Verzögerung der Erholung führen.

Ein Großteil der fiskalischen „Anreize“ für die Verbraucher führt dazu, dass die Unternehmen etwas länger an ihren Mitarbeitern festhalten, anstatt sie in expandierende Branchen zu entlassen, die im Export und Import wettbewerbsfähig sind. Ein Großteil der Anreize für Hauseigentümer hält die Immobilienpreise auf einem unhaltbaren Niveau. Das verlangsamt die Aufnahme der überschüssigen Ressourcen aus dem Baugewerbe in die Wirtschaft. Eine weitere Runde globaler Konjunkturpakete, nachdem der Abschwung vorbei bzw. fast vorbei ist, würde die Zinssätze pushen und die Investitionstätigkeit sinken lassen.

Staatliche Initiativen zum Umbau der „Infrastruktur“ – um abnehmende private Investitionen durch staatliche Investitionen in das Gesundheitswesen, die Klimakontrolle und die Energieerhaltung zu ersetzen – haben diesen Nachteil nicht. Als Mittel zur Arbeitsplatzerhaltung sollten sie jedoch hinterfragt werden. Private Investitionen werden von privaten Innovationen gestützt, die immer wieder gute neue Möglichkeiten bieten. Aber würden staatliche Investitionen ebenso immer wieder gute neue Möglichkeiten bieten? Könnten die Unsicherheiten, die durch das Vordringen in ein so unbekanntes Gebiet entstehen, der privaten Investitionstätigkeit einen hohen Tribut abfordern?

Die Regierungen müssen sich von der Selbsttäuschung befreien, dass es für eine vollständige Erholung ausreicht, einfach ein paar Knöpfe zu drücken. Seit dem raschen Aufblühen der erstaunlich innovativen Wirtschaftszweige im 19. Jahrhundert ist die bewährte Methode für ein hohes Maß an Wohlstand – also ein großes Angebot an interessanten und fordernden Arbeitsplätzen – ein System innovativer Privatunternehmen im Wirtschaftssektor.

Die Regierungen sollten eine innovative Wirtschaft „stimulieren“, keine endlosen Straßen, Windenergie und andere Bauprojekte. Die beste Möglichkeit, den Abschwung abzukürzen, besteht darin, die Wirtschaft so umzustrukturieren, dass sie bei der Erholung ein höheres „neues Normalniveau“ erreicht.

Im Dezember dieses Jahres trifft sich das Center on Capitalism and Society in Berlin, nur wenige Wochen nach den Gedenkfeiern für den Fall der Berliner Mauer. Bei diesem Treffen sollen Wege gefunden werden, komplexe und strauchelnde Wirtschaften so zu modernisieren und zu stützen, dass sie die Dynamik erlangen, die ein hohes Maß an Wohlstand schafft – also reichlich Arbeitsplätze und große Zufriedenheit mit der Arbeit.

Selbstverständlich sind nicht alle Instrumente bekannt, um diesen Wohlstand zu schaffen. Doch viele sind es. Es ist gut, über ein Bankwesen zu verfügen, dass von verschiedenen schlauen Finanziers geleitet wird, die in der Lage sind, innovative Investitionsprojekte zu erkennen, und auch bereit sind, sie zu finanzieren. Es ist gut, über einen Wirtschaftssektor zu verfügen, in dem die Aktieninhaber nicht Opfer der Insichgeschäfte der Geschäftsführer werden. Es ist schlecht, Fondsmanager zu haben, die die Aktien eines Unternehmens verschleudern, wenn es seine Gewinnziele für das nächste Quartal nicht erreicht.

Dennoch wirft das Ziel einer hohen Dynamik ein Problem auf. Die Märkte – bevölkert von einfachen Normalsterblichen – tun sich schwer damit herauszufinden, wo sich gewinnbringende Investitionschancen verbergen (ganz zu schweigen von denen, die am meisten Gewinn bringen). Das Wissen eines Unternehmens über die zukünftigen Ergebnisse eines neuen Wirtschaftsprojektes ist, gelinde gesagt, unvollkommen. Und je innovativer das Projekt ist, desto unvollkommener ist im Vorfeld das Wissen über sein potenzielles Ergebnis.

Ebenso unvollkommen ist das Wissen eines Investors darüber, zu welchen Ergebnissen die Entscheidung zum Kauf des einen oder anderen (finanz- oder realwirtschaftlichen) Vermögenswerts führt. Zudem kann das, was andere denken – besonders was Konkurrenten tun – großen Einfluss auf die Ergebnisse einer Entscheidung haben, und ein Großteil von dem, was andere wissen oder planen, ist nicht öffentlich und somit unzugänglich. Daher ist die Dynamik einer Wirtschaft davon abhängig, dass sich genügend Menschen trotz ihres geringen Wissens trauen zu handeln.

Wenn wir bei der Konferenz in Berlin und anderswo versuchen, die Wirtschaft so umzugestalten, dass daraus mehr Dynamik resultiert, müssen wir uns dabei dieser wirtschaftlichen Tatsachen bewusst sein. Die magischen Kräfte des Marktes sind begrenzt. Glücklicherweise gibt es einige politische Leitlinien und Ideen, in die die Regierungen ihr politisches Kapital investieren sollten, wenn sie möchten, dass Innovation und der damit verbundene Wohlstand wieder Einzug halten.

Eine altehrwürdige Leitlinie lautet, eine unnötige Erschütterung des Vertrauens der Investoren zu vermeiden. Als John Maynard Keynes in der Talsohle der Depression Präsident Roosevelt einen Besuch abstattete, riet er ihm, den wirtschaftsfeindlichen Ton der Regierung abzuschwächen. Doch müssen die Regierungen es auch vermeiden, den Unternehmen ein Übermaß an Vertrauen einzuimpfen, was diese in die Versuchung führen könnte, die Preise anzuziehen und somit den Umsätzen zu schaden.

Die Vereinfachung von Finanzinstituten, insbesondere derer mit implizitem staatlichem Schutz, muss ebenfalls eine Rolle beim Neuaufbau einer dynamischen Wirtschaft spielen. Ratings, die vorgeben, „systemische Risiken“ zu berücksichtigen, könnten sich als ebenso gefährlich erweisen, wie Ratings, die solche Risiken außer Acht lassen. Hedgefonds, Risikokapitalfirmen, die tatsächlich neue Unternehmungen wagen, und wieder erschaffene Handelsbanken sind relativ gut geeignet, um Finanzentscheidungen zu treffen, die Urteilskraft erfordern sowie die Fähigkeit, sich auf Unbekanntes einzulassen, und zwar über einen Horizont, der nicht von den Quartalseinnahmen vorgeschrieben wird.

Es gibt zudem Ideen, um spekulativen Schwankungen zu begegnen. Sie können zu unwirtschaftlichen Investitionen und einem Verlust von Innovation führen. Ihre „Korrekturen“ haben u. U. auch ihren Preis – einen Konjunkturrückgang und einen weiteren Verlust von Innovation.

Das konzeptionelle Gerüst – Imperfect Knowledge Economics –, das vor Kurzem von einem Center-Mitglied entwickelt wurde (Roman Frydman in Zusammenarbeit mit Michael Goldberg); zeigt, wie sich übermäßige Preisschwankungen bei Vermögenswerten daraus ergeben, dass die Marktteilnehmer die zukünftigen Belohnungen für ihre Entscheidungen nicht vollkommen kennen. Dieses Gerüst bietet eine Grundlage für politische Eingriffe in die Märkte für Vermögenswerte und hat zudem wichtige Auswirkungen darauf, wie die Regulierungsbehörden systemische Finanzrisiken messen und damit umgehen sollten.

Die Analyse räumt ein, dass der Markt in weiten Teilen beim Festlegen der Preise seine Aufgabe wesentlich besser (wenn auch nicht perfekt) erledigt, als das die Regulierungsbehörden könnten. Doch wird darin auch für neuartige Maßnahmen argumentiert, u. a. „Zielspannen“ für Vermögenswertpreise und eine gezielte Veränderung der Mindesteinschuss-Sätze und Kapitalanforderungen, um exzessive Preisschwankungen zu bremsen.

Die Wiederherstellung eines gut funktionierenden Kapitalismus ist mit dem Besteigen eines steilen Bergs vergleichbar. Doch gibt es Grund zur Hoffnung, dass dies für uns zu schaffen ist.

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demandside 05:22 08 Dec 09

Phelps had no clue then, has no clue now. But it's nice to see him cite Keynes for support.


cheeheongquah 09:48 09 Dec 09

The only thing regulators should do on the financial sector is to get their hands off. Get another job instead.

The root of the debacle is the implicit rescue by the government, not market failures from imperfect information or whatsoever. Market power, I believe, is only second to the power of God.

Please don't raise all those market imperfections, boom and bust stories when we all know that the risk-return pricing model is greatly distorted by government guarantees.

Without the government guarantee, disruptive regulation and housing incentives, the prices would have factored in the so-called uncertainties and imperfections and the bubble would not have started or would have been greatly moderated.

Remember that the world functioned well when governments had no roles in manipulating monetary policy during the gold standard era. All hell broke loose when the standard was replaced with central banking.



AUTHOR INFO

Edmund S. Phelps is Director of the Center on Capitalism and Society at Columbia University and the winner of the 2006 Nobel Prize in Economics.