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Einhändiger Applaus für Ben Bernanke

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2009-08-26

WASHINGTON, DC – Die Nominierung von Ben Barnanke für eine zweite Amtszeit als Chef der US-amerikanischen Notenbank ist eine vernünftige und pragmatische Entscheidung, aber kein Grund zum Feiern. Stattdessen sollte sie Anlass sein, darüber nachzudenken, welche Rolle die Ideologie bestimmter Ökonomenkreise, zu denen auch Bernanke gehört, bei der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise gespielt hat.

Die Entscheidung, Bernanke zu ernennen, ist aus zwei Gründen vernünftig. Erstens stecken die US- und die Weltwirtschaft noch tief in der Krise. Ein kompletter Kollaps konnte zwar verhindert werden, aber die Wirtschaft bleibt labil, daher ist es sinnvoll, keinen Vertrauensverlust zu riskieren, der einen erneuten Abschwung auslösen könnte.

Zweitens ist Bernanke der beste unter seinesgleichen. Er hat Art und Schwere der Krise schließlich doch verstanden und dann maßgebende Schritte unternommen, die dazu beigetragen haben, den freien wirtschaftlichen Fall zu verhindern. Diese Leistung, zusammen mit Zweifeln darüber, ob ein anderer es besser gemacht hätte, macht es nicht ratsam, ihn durch einen anderen Kandidaten aus dem Establishment zu ersetzen.

Diese beiden Faktoren rechtfertigen die Wiederernennung von Bernanke, aber das eher schwache Lob ist bezeichnend für tiefer liegende Probleme, die unter seiner Führung zutage getreten sind. Diese Probleme betreffen den Zustand der Wirtschaft und die politische Wirtschaftsberatung.

Eines dieser Probleme ist das stillschweigende Veto der Wall Street in Sachen Fed. Schließlich ist der Wunsch, die Finanzmärkte nicht zu erschüttern, ein Hauptgrund für die Wiederernennung Bernankes. Das erklärt auch, warum Bernankes einzige Rivalen nur unter seinesgleichen zu finden sind – den einzigen, die die Finanzmärkte akzeptieren würden.

Bereits in den 1990ern wurde die Notwendigkeit, die Finanzmärkte zu beschwichtigen, als Vorwand für die Wiederernennung von Bernankes Vorgänger Alan Greenspan genannt. Jetzt ist diese Notwendigkeit ein Vorwand, um Veränderungen bei der Fed und anderen Notenbanken zu verhindern. Tatsächlich haben die Finanzmärkte ein stillschweigendes Veto in Bezug auf die Wirtschaftspolitik allgemein und in Bezug auf die Leute, die die höchsten politischen Ämter bekleiden. Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, wie wir uns dieses Einflusses wieder entledigen können.

Ein weiteres Problem betrifft den Zustand der Wirtschaft. Bernanke mag der beste seiner Art sein, aber wir kommen nicht um die Tatsache herum, dass die Wirtschaftskrise ein Beweis dafür ist, dass er und seinesgleichen Unrecht hatten. Als Gruppe haben sie in die Lobpreisung von Greenspan eingestimmt, den ein führender Ökonom „den größten Zentralbanker aller Zeiten“ genannt hat. Kaum einer der etablierten Ökonomen hat die Krise vorausgesehen, und die wenigen, die eine Ahnung hatten, haben sich geirrt, was Zusammenhänge und Entwicklung betraf.

Bernanke selbst hat sich für eine Inflationspolitik der Zentralbanken ausgesprochen, er argumentierte, das Setzen eines Zielwerts für die jährliche Inflation sei als Rahmen für die Geldpolitik vollkommen ausreichend. Diese Denkweise trug dazu bei, dass Anlagen- und Kreditmärkte vernachlässigt wurden, untermauerte die allgemeine Ablehnung von regulierenden Maßnahmen und unterstützte exzessives wirtschaftsliberales Verhalten, denn der makroökonomische Glauben daran, dass die Inflationspolitik ausreichend sei, ging einher mit dem mikroökonomischen Glauben daran, dass die Kreditmärkte sich selbst regulieren würden. Nach Greenspans eigenen Worten schützt das „eigennützige Denken der Kreditgesellschaften“ die Aktionäre und die Wirtschaft vor Ausschweifungen bei der Darlehensvergabe.

Diese Ansicht erklärt, warum die amerikanische Notenbank unter Bernanke so lange gewartet hat, bis sie auf die Krise reagierte, die im August 2007 begann, auf die man aber erst im November 2008 kohärent und umfassend reagierte. Die Fed hätte sicher schneller reagiert, wäre sie nicht verfangen in einem Bankenmodell, das mehr in die 1950er passt.

Die Fed war sich der Rolle des Schattenbankensystems nicht bewusst und hat daher auch nicht verstanden, wie dessen Implosion das traditionelle Bankensystem aushöhlen kann. Die Notenbank hat einfach das Ausmaß der mark-to-market-Vermögenswerte der traditionellen Banken und deren Verstrickung in das Schattenbankgeschäft über außerbilanzliche Zweckgesellschaften, den so genannten „structured investment vehicles“, nicht erkannt.

Jede leidenschaftslose Bewertung der Denkweise der Fed vor der Krise und bis in die Krise hinein zeigt, dass sie sie die Zahlenlogik ihrer eigenen Banken- und Finanzmärkte nicht verstanden hat. Zudem stand die Notenbank für großzügige wirtschaftliche Ansichten in Bezug auf Deregulierung und die Selbstheilungskräfte der Märkte, die die Krise als falsch überführt hat.

Obwohl nun Bernanke aufgrund der Umstände der beste Kandidat ist und wieder ernannt werden sollte, liegt die wirkliche Herausforderung darin, dass bei der Fed ein gründlicher intellektueller Frühjahrsputz stattfinden sollte, um Platz für andere wirtschaftliche Ansichten zu schaffen. Die große Gefahr ist, dass die Wiederernennung von Bernanke als grünes Licht für eine Fortsetzung des Status Quo interpretiert wird.

Und in diesem Zusammenhang sind die öffentliche Debatte und die Bestätigung Bernankes durch den Senat so wichtig. Die Anhörungen vor dem Senat sollten eine Gelegenheit sein, kritisch zu hinterfragen, was schief gelaufen ist und warum. Geschieht das, kann die Wiederernennung von Bernanke Auslöser für einen konstruktiven Wandel sein und nicht die Bestätigung eines diskreditierten Pradigmas.

Thomas I. Palley ist Fellow der New America Foundation.

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