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Reform des Reservewährungssystems

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2009-04-22

NEW YORK – Sowohl China als auch die Kommission der Vereinten Nationen zur Reform des internationalen Währungs- und Finanzsystems fordern ein neues globales Reservewährungssystem. Dieses Thema soll bei der nächsten Zusammenkunft des Internationalen Währungs- und Finanzsausschusses des IWF an erster Stelle der Tagesordnung stehen.

Der Grundgedanke ist ziemlich einfach: Langfristig kann ein internationales Währungssystem nicht auf einer nationalen Währung aufgebaut sein – ein Argument, das der belgisch-amerikanische Ökonom Robert Triffin schon vor einem halben Jahrhundert vorbrachte. Das Erkennen dieses fundamentalen Problems war der Grund, warum der IWF in den 1960er Jahren die Sonderziehungsrechte (SZR) schuf.

Der Dollar-Standard, mit dem die Welt seit den frühen 1970er Jahren lebt, hat drei grundlegende Mängel. Erstens wird, so wie in allen vorangegangenen Systemen, der Anpassungsdruck den Defizitländern aufgeladen und nicht den Nationen mit Überschüssen. Die einzige Ausnahme bilden dabei die USA, die dank ihres Status als Reservewährungsnation bislang in der Lage waren, ihr Defizit durch die Ausgabe von Dollar-Verbindlichkeiten zu finanzieren, die vom Rest der Welt gehalten werden.

Zweitens ist das System instabil, weil der Wert der wichtigsten Reservewährung von der makroökonomischen Politik der USA und den Launen der US-Zahlungsbilanz sowie den damit verbundenen Haushaltsdefiziten abhängt. Seit der Abschaffung der Gold-Dollar-Parität im Jahr 1971 durchlief die Welt zunehmend heftigere Zyklen hinsichtlich des Dollarkurses und der US-Leistungsbilanz. Der Dollar verlor, womit jede Reservewährung ausgestattet sein sollte: einen stabilen Wert. Dieser grundlegende Punkt wurde vom Gouverneur der chinesischen Zentralbank jüngst hervorgehoben.

Drittens ist das aktuelle System ungerecht, weil es zu einem Ressourcentransfer von den Entwicklungsländern in die Industrienationen zwingt, die Reservewährungen bereitstellen. Dieser Transfer hat in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Die wichtigste Abwehrmaßnahme der Entwicklungsländer gegen die Instabilität der weltweiten Finanzmärkte ist die Anhäufung internationaler Reserven.

Am Ende des Jahres 2007 hielten die Entwicklungsländer ohne China Währungsreserven im Ausmaß von 20,6 Prozent ihres BIP. Im Vergleich dazu betrug dieser Wert 1990 lediglich 3,7 Prozent. Dadurch kam es zu einer massiven Asymmetrie in der Weltwirtschaft, da die Industrienationen ohne Japan nur 2,6 Prozent des BIP an Währungsreserven halten. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die einzig verfügbare „kollektive Versicherung” die begrenzte und an strikte Bedingungen geknüpfte Kreditvergabe des IWF ist.

Es ist zu betonen, dass ein auf konkurrierenden Reservewährungen beruhendes System die Instabilitäten und Ungleichheiten des aktuellen Systems nicht lösen würde. Tatsächlich kämen noch weitere Schwierigkeiten hinzu, wie die Instabilität der Wechselkurse der wichtigsten Reservewährungen. Tatsächlich ist dieses Problem bereits im aktuellen System feststellbar.

Die Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen Arrangements sind der Grund, warum ein weltweites Währungssystem auf einer wirklich globalen Reservewährung beruhen sollte, nämlich auf einer von den Zentralbanken dieser Welt gestützten Papierwährung. Das erhoffte man sich in den 1960er Jahren mit der Schaffung der SZR und dieser Prozess muss nun mit der Umwandlung der SZR in eine globale Währung abgeschlossen werden.

Ein wesentlicher Vorteil eines auf SZR basierenden Systems wäre, dass der IWF damit einen Mechanismus zur Verfügung hätte, um mit seinen eigenen Ressourcen in Krisenzeiten rasch Finanzierungen bereitstellen zu können. Damit könnte er so agieren wie dies die Zentralbanken in den letzten Monaten in großem Stil getan haben. Im Gegensatz zu den Kreditlinien von einigen Ländern („Kreditvereinbarungen“), für die sich die G-20 nun wieder aussprechen, wäre dieser Mechanismus auch besser geeignet, den IWF in Krisenzeiten mit Finanzmitteln auszustatten, denn wirklich multilaterale Finanzierung ist nicht auf irgendein einzelnes Land angewiesen.

Damit ein derartiges Programm funktioniert, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Entwicklungsländer anerkennen, dass die IWF-Finanzierung eine gute „kollektive Versicherung“ ist, so dass ihr Bedarf an Devisenreserven sinken würde. Das heißt, der IWF müsste in Zeiten von Zahlungsbilanzkrisen rasch Kredite vergeben und zwar ohne die übermäßigen Konditionalitäten der Vergangenheit, vor allem, wenn die Krise von einer raschen Umkehr der Kapitalströme oder einer drastischen Verschlechterung der Handelsbedingungen herrührt.

Vor allem mit der Schaffung einer flexiblen Kreditlinie zur Krisenprävention sowie mit der Ausweitung anderer Kreditlinien und der Überarbeitung seiner Konditionalitäten (mehr ex-ante-Konditionalitäten und Beseitigung der strukturellen Kriterien) hat der IWF im März dieses Jahres Schritte in diese Richtung unternommen. Das Hauptproblem mit dieser neuen Kreditlinie ist die Gefahr, damit die Entwicklungsländer unzulässigerweise in zwei Kategorien zu spalten, wobei für letztere zusätzlich beträchtliche Risiken bestehen.

Eine bessere Alternative wäre die Rückbesinnung auf John Maynard Keynes’ Vorschlag einer Überziehungs- (oder in IWF-Terminologie: Ziehungs-) Fazilität für alle Mitglieder, wobei Länder, die diese beständig in Anspruch nehmen, schließlich um ein formales Kreditprogramm ansuchen müssten. Die Überziehungsfazilität könnte wieder mit antizyklischen Ausgaben von SZR finanziert werden.

Außerdem sollte man bei dieser Reform einen Mechanismus einführen, im Rahmen dessen Länder ihre aktuellen Dollar- (sowie Euro-, Yen-, und Pfund-)Bestände für SZR eintauschen können. Damit würde man Zäsuren vermeiden, die mit dem Übergang zum neuen System verbunden wären. Wie Fred Bergsten erinnerte, ist dieser Mechanismus bereits in Form des „Substitutionskontos“ verfügbar, über das beim IWF im Jahr 1980 verhandelt wurde.   

Es ist Zeit, die Agenda zur Reform des globalen Finanzwesens auszuweiten, die sich bislang auf eine zwar wesentliche, aber dennoch begrenzte Reihe von Fragen, vor allem die Regulierung der Finanzmärkte, konzentrierte. Die Reform des weltweiten Währungsreservesystems muss Teil dieser erweiterten Agenda sein.

José Antonio Ocampo ist Professor und Vizepräsident der Initiative for Policy Dialogue an der Columbia University und Mitglied der UN-Expertenkommission zur Reform des internationalen Währungs- und Finanzsystems. Überdies war er Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten sowie Finanzminister Kolumbiens.  

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AUTHOR INFO

José Antonio Ocampo, former United Nations Under-Secretary-General for Economic and Social Affairs and former Finance Minister of Colombia, is Professor and Member of the Committee on Global Thought at Columbia University.