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Jetzt ist unsere Zeit

NEW YORK – Jeden September treffen sich die führenden Politiker der Welt im Rahmen der Vereinten Nationen, um unsere Gründungscharta erneut zu bestätigen – unseren Glauben an die Grundprinzipien Frieden, Gerechtigkeit, Menschenrechte und gleiche Chancen für alle. Wir bewerten die Weltlage, beschäftigen uns mit den wichtigsten aktuellen Themen und entwerfen unsere Zukunftsvision.

Aber dieses Jahr ist anders. Mit der Eröffnung der 64. Generalversammlung müssen wir uns einem außergewöhnlichen Moment stellen. Wir sind mit vielen Krisen konfrontiert – Nahrung, Energie, Rezession und Grippepandemie –, die alle gleichzeitig auftreten. Wenn es je eine Zeit gab, in der wir im Geiste eines erneuerten Multilateralismus handeln sollten, eine Zeit, in der wir das Wort „vereint“ in den Vereinten Nationen wieder stärker zur Geltung bringen sollten, so ist diese Zeit gekommen.

Und genau das tun wir, wie unser Handeln in drei Fragen von historischer Bedeutung zeigt.

Erstens: Die führenden Politiker der Welt stellen sich gemeinsam der größten Herausforderung, vor der wir als Menschheit stehen – der Bedrohung durch den katastrophalen Klimawandel. Letzte Woche trafen sich 101 Staats- und Regierungschefs aus 163 Ländern, um die nächsten Schritte für die alles entscheidende Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember zu planen. Sie haben erkannt, dass ein Abkommen gebraucht wird, das alle Nationen annehmen können – es muss ihren Fähigkeiten entsprechen, den wissenschaftlichen Anforderungen gerecht werden und auf „grüne Jobs“ und „grünes Wachstum“ setzen, die Lebensader einer globalen Wirtschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

In der UNO haben wir uns sorgfältig auf diesen Moment vorbereitet. Seit ich vor zweieinhalb Jahren Generalsekretär wurde, haben wir daran gearbeitet, den Klimawandel ganz oben auf die globale Agenda zu setzen. Heute sind wir in eine neue Phase eingetreten. Der Gipfel in der letzten Woche hat das Thema klar definiert und die Aufmerksamkeit in den Hauptstädten der ganzen Welt darauf gelenkt. Gewiss sind die Themen komplex und schwierig, insbesondere die Finanzierung der Anpassung und Eindämmung des Klimawandels in ärmeren Ländern. Dennoch verließen die Politiker New York mit eindeutigen und entschlossenen Anweisungen an ihre Unterhändler: Schließt ein Abkommen in Kopenhagen ab.

Japan legte vor und erklärte sich bereit, seine CO2-Emissionen bis 2020 um 25 % zu senken, wenn andere Nationen seinem Beispiel folgten. Der chinesische Präsident Hu Jintao sprach über all das, was sein Land bereits tut, um die Energieintensität zu reduzieren und in „grüne“ Alternativen zu investieren. Er betonte, dass China bereit sei, im Rahmen eines internationalen Abkommens weitere Schritte zu unternehmen, ebenso wie US-Präsident Barack Obama.

Die Unterhändler werden sich am 28. September in Bangkok zu einer weiteren UN-Verhandlungsrunde versammeln, und wir ziehen für November ein kleineres Treffen zwischen den Ländern in Betracht, die den Großteil der Emissionen verursachen, und den Nationen, die am stärksten gefährdet sind. Wir brauchen in diesem entscheidenden Jahr einen Durchbruch.

Wir haben einen weiteren Wendepunkt bei einem zweiten Thema von existenzieller Bedeutung erlebt: der Abrüstung von Kernwaffen. Endlich bröckelt die Annahme, dass solche Waffen notwendig sind, um den Frieden zu erhalten. Bei einem von Präsident Obama einberufenen Sondergipfel hat der Sicherheitsrat einstimmig eine Resolution angenommen, mit der ein neues Kapitel beginnt, was die Bemühungen der UNO angeht, sich mit der Verbreitung und Abrüstung von Kernwaffen zu befassen.

Die Resolution verbessert die Aussichten darauf, den Atomwaffensperrvertrag im nächsten Mai zu erweitern, und gibt Hoffnung, dass der Kernwaffenteststopp-Vertrag in Kraft gesetzt wird. Sie umreißt außerdem die Konturen eines rechtlichen Handlungsrahmens gegen den Missbrauch der zivilen Kerntechnik zu militärischen Zwecken und spiegelt einen entstehenden Konsens wider, der sich auf den Konferenzen immer wieder zeigt, und zwar dass die Zeit gekommen ist, den Druck auf Länder zu erhöhen, die sich nicht an diese Prinzipien halten.

Auch an einer dritten Front ist die Welt vereint. Obwohl manche vielleicht davon sprechen, dass wir die Talsohle auf dem Weg zur Erholung durchschritten haben, sehen wir eine neue Krise auf uns zukommen. Laut unserem letzten Bericht „Voices of the Vulnerable“, werden die fast Armen zu den neuen Armen.

Schätzungsweise 100 Millionen Menschen könnten in diesem Jahr unter die Armutsgrenze fallen. Die Märkte erholen sich zwar, aber die Arbeitsplätze und Einkommen nicht. Aus diesem Grund hat die UNO in diesem Jahr einen Globalen Beschäftigungspakt für ausgewogenes und nachhaltiges Wachstum vorgelegt. Und aus demselben Grund richten wir derzeit ein neues Global Impact Vulnerability Alert System ein, das uns Echtzeitdaten und ‑analysen zu sozioökonomischen Bedingungen auf der ganzen Welt liefert. Wir müssen genau wissen, wem die Finanzkrise schadet und wo, damit wir optimal reagieren können.

Deshalb sollten wir nächstes Jahr um diese Zeit auch einen Sondergipfel zu den Millenniumsentwicklungszielen einberufen. Uns bleiben nur fünf Jahre, um die Ziele zu erreichen, die wir uns für Gesundheit, Bildung und menschliche Sicherheit bis 2015 gesteckt haben. Bei den verschiedenen G-20-Gipfeln im Laufe des letzten Jahres, einschließlich dem letzten in Pittsburgh, hat die UNO entschlossen für alle gesprochen und gehandelt, die hintenan geblieben sind.

Geredet wurde auf der Generalversammlung immer reichlich, getan manchmal weniger. Dennoch sind mir, als ich letzte Woche den Reden der Staats- und Regierungschefs der Welt lauschte, ihre Leidenschaft, ihr Engagement und ihre kollektive Entschlossenheit aufgefallen: Sie wollen die Vergangenheit hinter sich lassen, in der Länder durch engstirnige Interessen geteilt waren, und zu Nationen werden, die sich vereint für das globale Allgemeinwohl einsetzen.

Angefangen bei der Bekämpfung des Klimawandels über die Schaffung einer Welt ohne Atomwaffen bis hin zum Aufbau einer gerechteren und nachhaltigeren globalen Wirtschaft sah ich den Geist eines erneuerten Multilateralismus, mit der UNO an vorderster Front. Kein Land kann mit irgendeiner dieser Herausforderungen alleine fertig werden. Doch vereint als Nationen sind die Vereinten Nationen dazu in der Lage.

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