SINGAPUR: Martti Ahtisaari ist ein großer Mann. Er verdient den Friedensnobelpreis für sein Lebenswerk. Aber es war ein Fehler des norwegischen Nobelpreiskomitees die Vergabe des Preises mit seiner Arbeit in Aceh zu begründen.
In einer Meldung von Agence France Presse hieß es kürzlich, Ahtisaaris „bemerkenswerteste Leistung war die Aufsicht über den Ausgleich zwischen der indonesischen Regierung und der Bewegung Freies Aceh im Jahre 2005, der ein Ende des drei Jahrzehnte andauernden Konfliktes, bei dem rund 15.000 Menschen ihr Leben verloren, herbeiführte.“ Doch für das politische Wunder von Aceh hätten das indonesische Volk und seine Führung den Friedensnobelpreis erhalten sollen.
Grundlegender: Die Erwähnung von Aceh in der Begründung für die Vergabe des Nobelpreises wirft ernste Fragen über die mentalen Landkarten auf, die das Nobelpreiskomitee bei der Vergabe dieser Auszeichnungen zugrunde legt. Die Mitglieder des Komitees scheinen zunehmend in der Vergangenheit gefangen zu sein. Sie gehen weiterhin davon aus, dass wir in einer weltgeschichtlichen Ära westlicher Vorherrschaft leben.
Aber diese Ära ist vorbei. Die übrige Welt hat sich zunehmend von Objekten der Weltgeschichte zu ihren Subjekten entwickelt. Mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an die Indonesier statt an einen europäischen Mittler für Aceh hätte das Nobelpreiskomitee anerkannt, dass sich die Welt verändert hat.
Die Vergabe des Preises an einen Indonesier hätte noch weitere wichtige Vorteile gehabt. Erstens bringt der Westen die islamische Welt mit Gewalt und Instabilität in Verbindung. Nur wenige glauben, dass Muslime in der Lage sind, ihre politischen Probleme selbstständig zu lösen.
Dies jedoch ist genau das, um was es bei der Geschichte von Aceh geht. Zwei bedeutende indonesische Führer, Präsident Susilo Bambang Yudhoyono und Vizepräsident Jusuf Kalla, zeigten bemerkenswertes politisches Geschick und außergewöhnlichen Mut bei der Ausarbeitung des Friedensabkommens für Aceh. Eine Vergabe des Friedensnobelpreises an sie hätte dem Westen gezeigt, dass Muslime gute Friedensstifter sein können. Und genauso wichtig: Sie hätte eine Botschaft der Hoffnung an die islamischen Bevölkerungen weltweit gesandt, deren Selbstvertrauen durch Geschichten des Scheiterns untergraben worden ist.
Aceh war im Wesentlichen eine eindrucksvolle muslimische Erfolgsgeschichte. In sofern hat das Nobelpreiskomitee eine wertvolle Chance vertan, eine Botschaft der Hoffnung an die 1,2 Milliarden Muslime in der Welt zu schicken – eine Botschaft, die die Welt von der großen globalen Illusion befreit hätte, dass das Friedensstiften eine „Last des weißen Mannes“ sei.


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