NEW YORK – Indiens großer moralischer Führer Mohandas Gandhi sagte bekanntlich, die Welt habe genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. Heute wird Gandhis Erkenntnis wie nie zuvor auf die Probe gestellt.
Die Welt stößt beim Verbrauch von Ressourcen an die globalen Grenzen. Täglich bekommen wir die Erschütterungen anhand katastrophaler Überschwemmungen, Dürren und Unwetter zu spüren – und durch die sich daraus ergebenden Preisanstiege auf dem Markt. Unser Schicksal hängt nun davon ab, ob wir kooperieren oder einer selbstzerstörerischen Gier zum Opfer fallen.
Die Grenzen der globalen Wirtschaft sind neu und ergeben sich aus der zuvor unerreichten Größe der Weltbevölkerung und der beispiellosen Ausweitung des Wirtschaftswachstums auf nahezu die gesamte Welt. Derzeit leben sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten, gegenüber gerade einmal drei Milliarden vor einem halben Jahrhundert. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt heute 10 000 USD, wobei der Durchschnitt in den reichen Ländern bei 40 000 USD liegt und in den Entwicklungsländern bei rund 4000 USD. Das bedeutet, dass die Weltwirtschaft derzeit eine Jahresleistung von insgesamt etwa 70 Billionen USD produziert, gegenüber ca. 10 Billionen USD im Jahr 1960.
Chinas Wirtschaft wächst jährlich um rund 10 %. Indiens wächst derzeit mit fast der gleichen Geschwindigkeit. Afrika, lange die am langsamsten wachsende Region der Welt, kommt aktuell auf ein jährliches BIP-Wachstum von ungefähr 5 %. Insgesamt wachsen die Entwicklungsländer um ca. 7 % pro Jahr und die Industrieländer um ca. 2 %, was einen globalen Durchschnitt von rund 4,5 % ergibt.
Das ist in vielerlei Hinsicht eine gute Nachricht. Das schnelle Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern trägt dazu bei, die Armut zu lindern. In China beispielsweise wurde die extreme Armut von weit über 50 % der Bevölkerung vor 30 Jahren auf etwa 10 % oder weniger heute reduziert.
Dennoch hat die globale Wachstumsgeschichte auch eine andere Seite, die wir uns klar machen müssen. Zumal die Weltwirtschaft jährlich um 4-5 % wächst, ist sie auf dem Weg, sich in weniger als 20 Jahren zu verdoppeln. Das heutige Volumen der Weltwirtschaft von 70 Billionen USD wird vor 2030 bei 140 Billionen USD angekommen sein, und vor 2050 bei 280 Billionen USD, wenn wir die heutige Wachstumsrate hochrechnen.
Unser Planet wird dieses exponentielle Wirtschaftswachstum physisch nicht aushalten, wenn wir die Gier die Oberhand gewinnen lassen. Selbst heute verdrängt das Gewicht der Weltwirtschaft bereits die Natur, verbraucht rapide die Vorräte an fossilen Brennstoffressourcen, die die Natur über Jahrmillionen geschaffen hat, während der daraus resultierende Klimawandel zu massiven Instabilitäten geführt hat, was die Niederschlagsmenge, die Temperatur und extreme Unwetter angeht.
Auf der einen Seite gibt es mehr Menschen, die mit Nahrung versorgt werden müssen und im Durchschnitt über eine höhere Kaufkraft verfügen, auf der anderen Seite zerstören Hitzewellen, Dürreperioden, Überschwemmungen und andere Katastrophen, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, die Ernten und verringern die Getreidevorräte auf den Weltmärkten. In den letzten Monaten gab es in den Getreide produzierenden Regionen Russlands und der Ukraine massive Trockenphasen, und ungeheure Überschwemmungen haben Brasilien und Australien heimgesucht; jetzt bedroht eine weitere Dürre den Getreidegürtel in Nordchina.
Es gibt noch etwas anderes, das nicht offensichtlich und äußerst gefährlich ist. In vielen Teilen der Welt, unter anderem in den Getreideanbauregionen Nordindiens, Nordchinas und im amerikanischen Mittleren Westen, zapfen die Landwirte das Grundwasser an, um ihre Pflanzen zu bewässern. Die großen grundwasserführenden Schichten, aus denen das Wasser für die Bewässerung stammt, werden geleert. An manchen Orten in Indien ist der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren um mehrere Meter jährlich gefallen. Einige tiefe Brunnen sind bald ausgeschöpft, und wenn Meerwasser in die wasserführende Schicht einsickert, wird der Salzgehalt steigen.
Wenn wir uns nicht ändern, ist das Unheil unausweichlich. Und hier kommt Gandhi ins Spiel. Wenn unsere Gesellschaften nach dem Gierprinzip geführt werden, in dem die Reichen alles tun, um reicher zu werden, wird die sich ausweitende Ressourcenkrise zu einer wachsenden Kluft zwischen Reich und Arm führen – und möglicherweise zu einem immer gewaltsameren Kampf ums Überleben.
Die Reichen werden versuchen, ihre Macht spielen zu lassen, um für sich selbst mehr Land, mehr Wasser und mehr Energie in Beschlag zu nehmen, und viele werden zu diesem Zweck gegebenenfalls gewaltsame Mittel unterstützen. Die USA haben im Nahen Osten bereits eine Militarisierungsstrategie eingeschlagen, in der naiven Hoffnung, eine solche Vorgehensweise könnte eine sichere Energieversorgung garantieren. Nun intensiviert sich der Wettbewerb um diese Vorräte, da sich China, Indien und andere um dieselben (schwindenden) Ressourcen bemühen.
Ein ähnliches Machtgerangel findet derzeit in Afrika statt. Der Anstieg der Lebensmittelpreise führt zu einem Ausverkauf des Landes, da mächtige Politiker ausländischen Investoren gewaltige landwirtschaftliche Nutzflächen verkaufen und dabei die traditionellen Landrechte armer Kleinbauern beiseite schieben. Die ausländischen Investoren hoffen auf die Nutzung großer, mechanisierter Landwirtschaftsbetriebe, um Erzeugnisse für den Export zu produzieren, wobei wenig oder gar nichts für die Bevölkerung vor Ort übrig bleibt.
Überall in den führenden Ländern – den USA, dem Vereinigten Königreich, China, Indien und anderswo – genießen die Reichen steigende Einkommen und zunehmende politische Macht. Die US-Wirtschaft wurde von Milliardären, der Ölindustrie und anderen Schlüsselsektoren übernommen. Dieselben Trends bedrohen die aufstrebenden Wirtschaftsnationen, in denen Wohlstand und Korruption zunehmen.
Setzt sich die Gier durch, so wird die Maschine des Wirtschaftswachstums unsere Ressourcen aufbrauchen, die Armen verdrängen und uns in eine tiefe soziale, politische und wirtschaftliche Krise führen. Die Alternative ist ein Weg der politischen und gesellschaftlichen Kooperation, sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch international. Es wird genug Ressourcen und Wohlstand für alle geben, wenn wir unsere Wirtschaftsmodelle auf erneuerbare Energiequellen, nachhaltige Landwirtschaftspraktiken und eine vernünftige Besteuerung der Reichen umstellen. Dies ist der Weg zu gemeinsamem Wohlstand durch verbesserte Technik, politische Gerechtigkeit und ethisches Bewusstsein.


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