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Wem sollte als Erstes geholfen werden?

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2006-06-12

Die Liste akuter Bedrohungen der Menschheit ist bedrückend lang. Probleme wie AIDS, Hunger, bewaffnete Konflikte und globale Erwärmung wetteifern neben Staatsversagen, Malaria und den jüngsten Naturkatastrophen um unsere Aufmerksamkeit. Unser Mitgefühl ist groß, aber die Ressourcen beschränkt. Wem sollte also als Erstes geholfen werden?

Manchen erscheint eine derartige Prioritätensetzung obszön. Allerdings geben die Vereinten Nationen und nationale Regierungen jedes Jahr Milliarden Dollar aus, um Bedürftigen zu helfen, ohne jedoch explizit darüber nachzudenken, ob sie damit auch optimale Ergebnisse erzielen.

Westliche Medien konzentrieren sich auf einen Tsunami in Asien – die Spenden fließen reichlich. Ein verheerendes Erdbeben in Pakistan schafft es nicht so oft in die Schlagzeilen, also gibt es auch viel weniger Geld aus den Industrieländern.

Es gibt einen besseren Weg. Um den größtmöglichen Nutzen zu gewährleisten, könnten wir unsere Hilfsgelder entsprechend einer Prioritätenliste einsetzen.

Diesen Monat werde ich UNO-Botschaftern die Frage stellen, wie sie 50 Milliarden Dollar zur Linderung des Leidens ausgeben würden. Sie werden damit vor die gleiche Aufgabe gestellt wie schon im Jahr 2004 die besten Ökonomen dieser Welt im Rahmen eines Projekts namens „Kopenhagen-Konsens“ - nämlich über Lösungen für die drängendsten Probleme dieser Welt nachzudenken und zu entscheiden, was zuerst getan werden sollte.

Diese Frage darf allerdings nicht nur Politikern oder Nobelpreisträgern gestellt werden. Wir alle müssen uns an dieser Debatte beteiligen. Es ist zu hoffen, dass diese Aufgabe seit dem Erscheinen eines Buchs über die Erkenntnisse der am Kopenhagen-Konsens beteiligten Ökonomen ein wenig einfacher geworden ist.

Man bedenke Folgendes: Der Tsunami in Südostasien forderte insgesamt so viele Todesopfer wie HIV/AIDS weltweit in einem Monat. Ein umfassendes Vorbeugungsprogramm, in dessen Rahmen in den von HIV/AIDS am schlimmsten betroffenen Regionen Kondome gratis oder verbilligt abgegeben und Informationen über Safe Sex verteilt werden, würde 27 Milliarden Dollar kosten und mehr als 28 Millionen Menschenleben retten. Das wäre die beste Einzelinvestition, die man auf dieser Welt tätigen könnte, so die am Kopenhagen-Konsens beteiligten Ökonomen. Der soziale Nutzen wäre 40-mal höher als die Kosten.

Weitere, von den Ökonomen favorisierte Möglichkeiten, 50 Milliarden Dollar sinnvoll einzusetzen, wären die Bereitstellung von Mikronährstoffen für die Hungernden, die Etablierung des Freihandels und die Bekämpfung der Malaria mit Moskitonetzen und Medikamenten. Am Ende der Liste finden sich Maßnahmen gegen den Klimawandel wie das Kyoto-Protokoll, die mehr Kosten als Nutzen bringen würden. Aus diesem Grund wurden sie von der Prioritätenliste der Ökonomen gestrichen.

Ungeachtet dessen, ob wir nun die Meinung der Ökonomen teilen, müssen wir eingestehen, dass wir nicht alles gleichzeitig in Angriff nehmen können. Die Diskussion über unsere Prioritäten ist von entscheidender Bedeutung. Politiker vermeiden vielfach eine derartige Priorisierung. Warum? Weil sie schwierig ist. Zu viele Interessen sind zu berücksichtigen. Keine Gruppe möchte, dass ihr Anliegen am Schluss der Liste gereiht wird und keine Regierung will, dass die Probleme ihres Landes übersehen werden.

Die UNO-Konferenz wird nicht einfach. Aber sie zeigt, dass durchaus der Wille besteht, diese Priorisierung in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Man wird eine Aufgabenliste erarbeiten, die zeigt, wie man für die Menschheit am meisten erreichen kann. Das wiederum könnte zu einer transparenteren Entscheidungsfindung führen.

Die Grundsätze der Ökonomie bieten eine vernünftige Basis, auf der rationale Entscheidungen getroffen werden können. Nun muss die Diskussion von der akademischen Ebene in das politische Leben übertragen werden. Es ist Zeit für uns alle, unsere eigenen Prioritätenlisten zu erarbeiten und diese zu vergleichen.

Wir müssen uns bemühen, die Liste der Bedrohungen für die Menschheit zu verkürzen. Das allerdings erfordert, dass wir uns alle an der Debatte darüber beteiligen, was als Erstes zu tun ist.

Björn Lomborg ist Organisator des Kopenhagen-Konsens, außerordentlicher Professor an der Business School der Universität Kopenhagen und Herausgeber des neuen Buchs How to spend $50 billion to make the world a better place.

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AUTHOR INFO

Bjørn Lomborg is the author of The Skeptical Environmentalist and Cool It, head of the Copenhagen Consensus Center, and adjunct professor at Copenhagen Business School.