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Geringerer Nutzen weiterer US-Konjunkturimpulse

MAILAND: Das Vorfeld der Wirtschaftskrise war in den Vereinigten Staaten durch eine exzessive Verschuldung der Finanzinstitute und privaten Haushalte geprägt, die eine Assetblase herbeiführte, welche letztlich in sich zusammenbrach und die Bilanzen im unterschiedlichen Maße in Mitleidenschaft zog. Das Nachspiel umfasst eine Neufestsetzung der Assetwerte, Entschuldung und Erholung der Bilanzen – was zur heutigen erhöhten Sparquote, einem erheblichen Einbruch der Binnennachfrage und einer deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit geführt hat.

Die wichtigste Frage, vor denen die USA derzeit stehen, ist daher, ob anhaltende fiskal- und geldpolitische Konjunkturimpulse, so wie manche glauben, dazu beitragen können, die Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen. Es stimmt, auf dem Höhepunkt der Krise trugen die gemeinsamen Effekte der fiskalpolitischen Konjunkturimpulse und der massiven Lockerung der Geldpolitik enorm dazu bei, einen völligen Stillstand bei der Kreditvergabe zu verhindern und die Abwärtsspirale bei den Assetpreisen und der realwirtschaftlichen Aktivität zu begrenzen. Aber diese Phase ist vorbei.

Der Grund dafür ist einfach: Die Vorkrisenzeit des Konsums von Kapitalerträgen, die sich zumindest teilweise als kurzlebig erwiesen, führte nach der Krise zwangsläufig zu einer Phase eingeschränkter Ausgaben, verringerter Nachfrage und höherer Arbeitslosigkeit. Eine antizyklische Politik kann diese negativen Auswirkungen abschwächen, doch sie kann jenseits ziemlich klarer Grenzen weder die Schäden ungeschehen machen noch die Erholung beschleunigen.

Infolgedessen werden die mit einer defizitfinanzierten Steigerung der Haushaltseinkommen verbundenen Vorteile jetzt durch die Neigung abgeschwächt, zu sparen und wieder Vermögen aufzubauen. Auf der Unternehmensseite folgen Investitionen und Beschäftigung, sobald der Lagerzyklus erst einmal seinen Lauf genommen hat, der Nachfrage. Bis sich die Nachfrage zurückmeldet, werden die Unternehmen weiter im Kostensenkungsmodus verharren.

Unterm Strich kämpft die Defizitfinanzierung inzwischen einen aussichtslosen Kampf mit einer Wirtschaft, die dabei ist, sich zu entschulden und ihre Bilanzen, Exporte und mikroökonomische Zusammensetzung – kurz gefasst, ihr zukünftiges Wachstumspotenzial – zu restrukturieren. Diese Neustrukturierung wird stattfinden, mit oder ohne Defizitfinanzierung. Also muss die Politik die Tatsache anerkennen, dass es Grenzen gibt, wie schnell diese Neustrukturierung zu schaffen ist.

Zu versuchen, diese Grenzen zu überschreiten, birgt nicht nur das Risiko einer Schädigung der Haushaltsbilanz und der Stabilität und Widerstandskraft des Dollars, sondern könnte Wirtschaft und Staatsfinanzen zugleich hochgradig anfällig für zukünftige Erschütterungen machen, die die recht bescheidenen kurzfristigen Vorteile der Beschleunigung von Investitionen und Beschäftigung überwiegen. Die Nachfrage wird sich erholen, aber nur langsam.

Sicher, die Assetpreise haben sich ausreichend erholt, um den Bilanzen zu helfen, doch vermutlich nicht genug, um den Konsum zu stützen. Die Auswirkungen auf den Konsum werden überwiegend warten müssen, bis die Bilanzen sowohl der Haushalte als auch der Unternehmen in umfassenderem Maße repariert sind.

Eine höhere Auslandsnachfrage aus Ländern, die heute Haushaltsüberschüsse aufweisen (u.a. China, Deutschland und Japan), könnte dazu beitragen, einen Teil der fehlenden Nachfrage wiederherzustellen. Doch dies erfordert strukturelle Veränderungen auch in diesen Volkswirtschaften und wird also eine Weile dauern.

Darüber hinaus erfordert die Reaktion auf eine verstärkte Auslandsnachfrage strukturelle Veränderungen in der US-Wirtschaft, die ebenfalls Zeit brauchen. Damit will ich nicht sagen, dass die Umschichtung bei der globalen Nachfrage unwichtig ist. Im Gegenteil. Doch dieses Ziel zu erreichen, hat mehr mit der Wiederherstellung der Fundamente des weltweiten Wachstums über drei bis fünf Jahre hinweg zu tun als mit der kurzfristigen Wiederherstellung von Gleichgewicht und Beschäftigung in den hoch entwickelten Volkswirtschaften, insbesondere den USA.

Der beste Weg, Defizite und Staatsverschuldung einzusetzen, besteht heute darin, sich auf Verteilungsfragen zu konzentrieren, insbesondere bei den (tatsächlichen und potenziellen) Arbeitslosen. Bei einer anhaltenden Bilanzrezession diesen Typs muss man die Arbeitslosen auf substanzielle und anhaltende Weise unterstützen. Das Argument, dass dies die Arbeitslosen abhalten würde, sich um Arbeit zu bemühen, hat in normalen Zeiten seine Berechtigung, aber nicht jetzt.

Die heutige Arbeitslosigkeit ist schließlich strukturell bedingt und nicht das Ergebnis von Fehlanreizen. Die Leistungen sollten für einen begrenzten Ermessenszeitraum ausgeweitet und verlängert werden. Wenn die strukturellen Barrieren für die Beschäftigung zurückgegangen sind, sollte die Arbeitslosenunterstützung wieder zu ihren alten Normen zurückgeführt werden. Dies würde nicht nur die ungleiche Last verringern, die derzeit von den Arbeitslosen getragen wird, sondern auch dazu beitragen, den Konsum aufrechtzuerhalten und vielleicht in gewissem Maße Vorsorgeansparungen derjenigen, die für die Zukunft um ihre Arbeitsplätze fürchten, verringern.

In der Geldpolitik ist ein komplexerer und schwierigerer Balanceakt vonnöten. Eine aggressivere Zinspolitik würde vermutlich die Assetpreise (oder zumindest das Tempo ihrer Wertsteigerung) verringern, die Lasten aus der Bedienung flexibel verzinster Krediten erhöhen und zusätzliche Notfälle in den Bilanzen und ungeordnete Entschuldungsmaßnahmen wie etwa Pfändungen auslösen. All dies würde die Konjunkturerholung verlangsamen und möglicherweise sogar zum Stillstand bringen.

Aber auch wenn man diesem Ansatz abschwört, hat das Folgen. Billige Kredite beeinflussen den Konsum kurzfristig nur unwesentlich, können aber Assetinflation und Fehlallokationen verursachen.

Ein großer Teil der Welt würde einen stärkeren Dollar, weniger Kapitaleinflüsse mit Carry-Trade-Charakter und eine verringerte Notwendigkeit, die Aufwertung der eigenen Währungen zu managen, um negative Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit seiner Volkswirtschaften zu vermeiden, vorziehen. Kurz gesagt: Die Art von Geldpolitik, die derzeit für eine fragile Volkswirtschaft wie die USA praktiziert wird, verursacht Verzerrungen in der Weltwirtschaft, die politische Reaktionen in vielen anderen Ländern erfordern.

Aus politischer Warte ist die Krise als Versagen der Finanzaufsicht dargestellt worden, bei dem eine unverantwortliche Kreditvergabe einen rapiden Anstieg der systemischen Risiken anheizte. Dies führt dazu, dass der Rest der Realwirtschaft voll von Menschen ist, die sich als Opfer fühlen – auch wenn es Opfer sind, die vor der Krise eine Menge Häuser, Urlaubsreisen, Fernseher und Autos gekauft haben.

Leider drängt diese Wahrnehmung die politische Reaktion in Richtung überzogener Hilfsmaßnahmen, selbst wenn deren Deckungsbeitrag gering ist. Was wir jetzt vor allem brauchen, sind die Unterstützung der Arbeitslosen, stabile Staatsfinanzen mit einem klar kommunizierten Plan zur Rückführung des Defizits, ein paar Wahrheiten über die mittelfristigen Wachstumsaussichten und ein geordneter Heilungsprozess, in dem die Bilanzen überwiegend ohne staatliche Interventionen wiederhergestellt werden.

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