Saturday, August 30, 2014
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Niere zu verkaufen

NEW HAVEN – Der am 12.�März stattfindende Weltnierentag ist Teil einer globalen Gesundheitskampagne, die uns auf die Auswirkungen von Nierenerkrankungen aufmerksam machen soll. Leider gibt es wenig zu feiern.

Laut der International Society of Nephrology sind weltweit über 500�Millionen Menschen von Nierenleiden betroffen, das sind 10�% der erwachsenen Bevölkerung. Zumal immer mehr Menschen Bluthochdruck und Diabetes (Schlüsselrisiken für Nierenleiden) entwickeln, wird sich die Lage nur verschlechtern.

Jedes Jahr gibt es 1,8�Millionen neue Fälle der schwerwiegendsten Form von Nierenleiden, dem Nierenversagen. Wenn Patienten mit Nierenversagen keine Nierentransplantation erhalten oder sich keiner Dialyse unterziehen – einem teuren, lebenslangen Verfahren, bei dem das Blut von Giftstoffen gereinigt wird –, ist der Tod innerhalb weniger Wochen garantiert.

Im letzten Jahr hielt der australische Nierenspezialist Gavin Carney in Canberra eine Pressekonferenz ab, um darauf zu drängen, dass der Verkauf einer eigenen Niere erlaubt wird. „Das aktuelle System funktioniert nicht“, zitierte ihn der Sydney Morning Herald . „Wir haben alles versucht“, um mehr Unterstützung für die Organspende zu mobilisieren, „aber die Menschen scheinen ihre Organe einfach nicht umsonst weggeben zu wollen.“

Carney möchte verhindern, dass die Patienten Nieren auf dem Schwarzmarkt und den Organbasaren in Übersee kaufen. Als amerikanische Nierenempfängerin, die einmal verzweifelt genug war, um diesen Schritt selbst in Betracht zu ziehen (glücklicherweise spendete mir am Ende eine Freundin eine Niere), stimme ich von ganzem Herzen zu, dass wir gut informierten Personen eine Belohnung anbieten sollten, wenn sie dazu bereit sind, das Leben eines Fremden zu retten.

Andernfalls stehen wir weiterhin vor einer doppelten Tragödie: auf der einen Seite Tausende von Patienten, die jedes Jahr sterben, weil sie keine Niere bekommen; auf der anderen Seite ein Menschenrechtsdesaster, mit korrupten Händlern, die mittellose Spender über die Natur der Operation täuschen, sie um ihr Entgelt betrügen und ihre Bedürfnisse nach der Operation ignorieren.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 5�% bis 10�% aller jährlich durchgeführten Transplantationen – insgesamt etwa 63.000 – in den klinischen Unterwelten von China, Pakistan, Ägypten, Kolumbien und Osteuropa stattfinden.

Bedauerlicherweise befürwortet ein Großteil der weltweiten Transplantationsinstitutionen – darunter auch die WHO, die internationale Transplantation Society und der Weltärztebund – nur eine Teillösung. Sie konzentrieren sich darauf, den Organhandel zu stoppen, ignorieren jedoch die sich immer wieder bestätigende Wahrheit, dass die Versuche, den Schwarzmarkt auszumerzen, diesen entweder weiter in den Untergrund treiben oder dazu führen, dass die Verwerfungen an anderer Stelle wieder auftauchen.

Nachdem beispielsweise China, Indien und Pakistan anfingen, gegen die illegalen Organmärkte vorzugehen, wendeten sich viele Patienten den Philippinen zu. Nachdem die Philippinen im letzten Frühling den Verkauf von Nieren an Ausländer untersagten, lautete eine Überschrift in der Jerusalem Post „Kandidaten für Nierentransplantationen hängen in der Luft, nachdem Philippinen ihre Tore schließen.“ (Israel hat eine der niedrigsten Spendenraten der Welt, daher bezahlt die Regierung für Transplantationen, die außerhalb des Landes durchgeführt werden.) Ebenso müssen Patienten aus Katar, die nach Manila reisten, laut The Peninsula „nach alternativen Lösungen suchen“.

Zwar stimmt es, dass mehr Länder effiziente Systeme für die Kadaverspende, eine sehr wichtige Organquelle, entwickeln müssen, doch selbst in Spanien, das für seine Erfolge bei der Entnahme von Organen von Verstorbenen kurz nach deren Tod berühmt ist, sterben die Menschen, während sie auf eine Niere warten.

Die Wahrheit ist, dass der Organhandel erst aufhören wird, wenn der Bedarf an Organen gedeckt ist.

Gegner bringen vor, dass ein legales Handelssystem die Sünden des Schwarzmarktes zwangsläufig wiederholen wird. Das ist vollkommen rückständig. Das Mittel gegen den korrupten und unregulierten Handel ist ein reguliertes und transparentes System, das sich dem Schutz der Spender verschrieben hat.

Meine Kollegen und ich schlagen ein System vor, bei dem die Belohnung unter staatlicher Aufsicht durch einen Dritten (den Staat, eine Wohltätigkeitsorganisation oder eine Versicherung) bereitgestellt wird. Da Versteigerungen und private Käufe nicht erlaubt wären, würden die verfügbaren Organe an den Nächsten auf der Liste verteilt – nicht nur an die Wohlhabenden. Die Spender würden sorgfältig auf körperliche und psychologische Probleme untersucht, wie dies derzeit für alle freiwilligen lebenden Nierenspender der Fall ist. Zudem würde ihnen eine Nachsorge für jegliche Komplikationen garantiert.

Vielen Leute ist nicht wohl bei dem Gedanken, einen Pauschalbetrag als Bezahlung anzubieten. Eine Lösung wäre, Sachbelohnungen bereitzustellen, zum Beispiel eine Anzahlung für ein Haus, einen Beitrag zu einem Rentenfonds oder eine lebenslange Krankenversicherung, damit das Programm nicht für Menschen attraktiv wird, die andernfalls durch das Versprechen einer großen, sofort verfügbaren Summe voreilig spenden könnten.

Die einzige Möglichkeit, die illegalen Märkte zu beenden, besteht darin, legale Märkte zu schaffen. Es gibt in der Tat keine bessere Rechtfertigung für das Ausprobieren legaler Möglichkeiten des Organhandels als die „Raubzüge“ auf dem Untergrundmarkt.

Die Forderung gewinnt an Schwung. Im British Medical Journal forderte ein führender britischer Transplantationschirurg ein kontrolliertes Spenderkompensationsprogramm für nicht verwandte Lebendspender. Innerhalb des letzten Jahres haben die israelische, die saudische und die indische Regierung beschlossen, Anreize anzubieten: von lebenslangen Krankenversicherungen für den Spender bis hin zu einer Vergütung in Bar. Die American Medical Association (amerikanischer Ärztebund) in den Vereinigten Staaten hat einen Gesetzentwurf befürwortet, der es den Staaten erleichtern würde, verschiedene unbare Anreize zum Spenden zu schaffen.

Bis die Länder der Welt legale Mittel zur Belohnung von Spendern schaffen, werden die Schicksale der Spender aus der Dritten Welt und die der Patienten, die zum Überleben auf deren Organe angewiesen sind, auf morbide Weise miteinander verflochten bleiben. Was könnte es für eine bessere Möglichkeit geben, den Weltnierentag zu begehen, als dass die globalen Führungspersönlichkeiten im Gesundheitssektor einen kühnen Schritt wagen und die Länder dazu drängen, mit Spenderbelohnungen zu experimentieren?

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