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Die nationalistische Herausforderung Europas

Europa ist aus seinen Nationen gebaut, seit vielen hundert Jahren. Das macht die Vereinigung des Kontinents auch aktuell zu einer so schwierigen politischen Aufgabe. Freilich ist der Nationalismus für Europa nun keineswegs das “Konstruktionsprinzip“ schlechthin, sondern ganz im Gegenteil eher sein „Destruktionsprinzip.“

Es sei nicht vergessen, dass all die verheerenden europäischen Kriege des 20. Jahrhunderts unter dem Banner des Nationalismus in Europa ausgefochten wurden und den Kontinent fast vollständig zerstört hatten. Francois Mitterrand hatte völlig recht, als er in seiner bewegenden Abschiedsrede vor dem Europaparlament den Satz sagte, der die Summe seiner politischen Lebenserfahrung zusammenfasste „Der Nationalismus, das ist der Krieg.“ In diesem Sommer 2014, in dem die EU gerade noch ihre frischen Wunden aus dem jüngsten europäischen Wahldebakel leckt, wird Europa nicht nur den 100. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkrieges begehen – der „Europäischen Urkatastrophe schlechthin,“ welche Europa definitiv in den Abgrund nationalistischer moderner Kriege mit seinen millionenfachen Opfern und dem Irrsinn eines hochideologisierten Nationalismus stürzen sollte, sondern auch den 60. Jahrestages der alliierten Landung in der Normandie, die den Zweiten Weltkrieg zugunsten der Freiheit Westeuropas und später, nach dem Ende des Kalten Krieges, auch ganz Europas entscheiden sollte. An den Küsten der Normandie wurde vor sechzig Jahren das nationalsozialistische Deutschland besiegt, das damals Europa mit militärischer Gewalt besetzt und unterdrückt hielt.