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Harold James

Das neue Währungschaos

Harold James

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2009-11-04

PRINCETON – Das Währungschaos ist zurück und hebt die Forderungen nach einer verbesserten internationalen Währungsordnung hervor. Der rapide Wertverlust des Dollar und des Pfund, aber auch des Renminbi – der jetzt fester denn je an den Dollar gebunden ist – steigert die Spannungen. Einige Schreckgespenster aus den 1930er Jahren sind auch wieder da – vor allem die Angst vor unfairen Handelsvorteilen durch Abwertungswettläufe. Der Finanzminister der Vereinigten Staaten, Timothy Geithner, hat China bereits Währungsmanipulation vorgeworfen.

Es gibt zwei alternative und äußerst gegensätzliche Ansätze, um die Währungen wieder ins Lot zu bringen. Einer ist, eine internationale Konferenz einzuberufen, bei der Experten Modelle zur Berechnung der Wechselkurse vorschlagen und Politiker Abkommen aushandeln können. Das einzige erfolgreiche Beispiel für eine derartige Übereinkunft ist die Konferenz von Bretton Woods 1944, doch selbst damals erwiesen sich die festgelegten Wechselkurse als unrealistisch, und nach kurzer Zeit war eine große Anzahl an Paritätsänderungen notwendig (sowie die Beibehaltung von Devisenkontrollen).

Andere Währungskonferenzen waren große Reinfälle. Präsident Richard Nixon begrüßte das Smithsonian Agreement 1971 als „das bedeutsamste Währungsabkommen der Weltgeschichte.“ Doch war es schon bald nur noch ein Scherbenhaufen, und die Welt ging zu freien Wechselkursen über.

Bei der Louvre-Konferenz 1987 herrschte noch nicht einmal Einvernehmen darüber, was beschlossen worden war. Einige Teilnehmer dachten, sie hätten eine Art Teilfestschreibung der Wechselkurse in Form von Zielzonen festgelegt, aber die mächtige Deutsche Bundesbank teilte diese Auslegung nicht.

Die Geschichte lässt den Schluss zu, dass kollektive Verhandlungen über Währungen und neue Vorgehensweisen beim Problem der Reserven wahrscheinlich keinen Erfolg haben werden.

Der zweite und bessere Ansatz besteht in jeweils länderspezifischen Abkommen darüber, was die geeignete Grundlage der Währungspolitik sein sollte. Wenn diese Abkommen allgemein akzeptiert werden und gegenseitig vereinbar sind, ist das Ergebnis ein stabiles internationales Währungssystem.

Für einen derartigen Konsens gibt es zwei Beispiele. Im ersten – vor einem Jahrhundert – wurde das Vertrauen durch Gold untermauert; in der Globalisierungswelle der jüngeren Vergangenheit war es von der Fähigkeit des menschlichen Intellekts abhängig, politische Probleme zu lösen. Das Ende der Inflation und „die große Mäßigung“ der letzten drei Jahrzehnte waren eine wesentliche Voraussetzung für die Liberalisierung weiter Teile der Welt sowie für mehr Vertrauen, Handel und Wohlstand.

In diesem Zeitraum gab es bei der Suche nach einem Währungssystem zwei Phasen: Im ersten Versuch, ein Fundament für eine stabile Währungspolitik zu legen, lag der Schwerpunkt auf der Geldmengensteuerung. In der zweiten, erfolgreicheren, Phase führte eine zunehmende Anzahl von Ländern entweder explizite oder implizite Inflationsziele ein.

Doch war die Inflationssteuerung nie ein einleuchtendes Konzept, und die Finanzkrise hat sie in Misskredit gebracht. 2003 erklärte Ben Bernanke, damals einer der Gouverneure der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), in einem Vortrag, dass viele Amerikaner die Inflationssteuerung für „fremd, undurchsichtig und möglicherweise leicht subversiv“ halten. Dieses Gefühl ist jetzt stärker.

Es herrschte immer Ungewissheit darüber, in welchem Maße die Zentralbanken versuchen sollten, Vermögenspreisblasen zu korrigieren oder zu begrenzen, wenn es keinen entsprechenden Anstieg des allgemeinen Inflationsniveaus gab. Steigende Vermögenspreise führen zu einer allgemeinen Steigerung der Kaufkraft, da viele Vermögensinhaber bereit (und in der Lage) sind, sich mehr Geld zu leihen. Viele Europäer haben in den letzten Jahren versucht zu argumentieren, dass bei der Währungspolitik auch die Vermögenspreisentwicklungen berücksichtigt werden sollten, während die amerikanischen Entscheidungsträger und Wissenschaftler diesen Ansatz größtenteils ablehnten.

Das Problem ist, dass Vermögenspreise und Verbraucherpreisinflation sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln können, wie dies nach 2000 der Fall war, und dass das Abwägen beider Faktoren zu unvereinbaren strategischen Empfehlungen führen würde. Infolgedessen bestand die Gefahr, dass die Zentralbanken den Anschein erweckten, keiner klar formulierten politischen Linie mehr zu folgen. Die Glaubwürdigkeit, die mit einer einfachen Regel einhergeht, verschwand.

Nach der Finanzkrise sind wir klüger geworden. Die Formulierung einer Währungspolitik ist ein komplexerer Prozess geworden, aber auch ein stärker politisierter Prozess – und aus diesem Grunde wird er wahrscheinlich auch chaotischer, wobei starke Unterschiede zwischen den Ansätzen der einzelnen Länder zutage treten werden. Die Fed und die Bank of England werden sich wahrscheinlich weiterhin weniger um das Entstehen neuer Aktien- oder Rohstoffblasen kümmern. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen wird sich mehr Sorgen machen.

Wenn die Unterschiede deutlich in Erscheinung treten, werden die Forderungen nach einer breiter angelegten politischen Debatte über die Währungspolitik und nach der Beteiligung der Politik an der Formulierung dieser Währungspolitik lauter werden. Der geldpolitische Ausschuss der Bank of England wurde oft als Pionier bei der transparenten Gestaltung der Geldpolitik dargestellt. Doch schon in der Anfangsphase führte die Transparenz, die sich daraus ergab, dass frühzeitig veröffentlicht wurde, wer für und gegen Zinssatzerhöhungen stimmte, zu einer öffentlichen Einteilung der Ausschussmitglieder in Falken oder Tauben.

Wenn fest steht, wer für welche Maßnahme stimmt, wird es mehr Forderungen nach einer öffentlichen Debatte darüber geben, wer ausgewählt werden sollte: Warum sollte der geldpolitische Ausschuss nicht gewählt werden, da es sich effektiv um eine Währungsregierung handelt? In Europa brodelt eine ähnliche Debatte über die politische Verantwortung der europäischen Zentralbanken sogar seit der Zeit vor sich hin, als es die EZB noch nicht gab. Spannungen zwischen den Befürwortern unterschiedlicher politischer Lösungen werden dazu führen, dass mehr politische Mitbestimmung gefordert wird.

Dieser Ablauf sieht wie eine dramatische Wiederholung der Ereignisse zwischen den beiden Weltkriegen aus, als es unmöglich war, einen Konsens über Strategie und miteinander vereinbare währungspolitische Systeme zu erreichen. Auch damals wurde den Zentralbanken die Schuld gegeben, als ihr währungspolitisches System (damals der Goldstandard) zerbrach. Infolgedessen wurde die Verstaatlichung der Zentralbanken zu einer großen Plattform der britischen oder französischen Linken.

Dies ebnete wiederum den Weg für eine Manipulation der Währungen im Sinne der Exporteure, Unternehmen und Gewerkschaften. Das Ergebnis war internationales Währungschaos – genau der Weg, den wir derzeit eingeschlagen haben.

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AUTHOR INFO

Harold James is Professor of History and International Affairs at Princeton University and Marie Curie Professor of History at the European University Institute, Florence. His most recent book is The Creation and Destruction of Value: The Globalization Cycle.