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Capitalism Then and Now

Marx feiert Renaissance

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2008-12-25

PRINCETON – Karl Marx ist zurückgekehrt, wenn auch nicht wirklich aus dem Grab, so doch aus dem Mülleimer der Geschichte. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück sagte vor Kurzem, dass Marx’ Antworten unter Umständen für die heutigen Probleme nicht irrelevant sind. Der französische Präsident Nicholas Sarkozy ließ sich beim Blättern durch die Seiten von Marx’ Das Kapital fotografieren, und der deutsche Filmemacher Alexander Kluge verspricht, Das Kapital in einen Film zu verwandeln.

Wenige der neuen „Marxisten“ von heute wollen die Anziehungskraft eines Mannes genau erklären, der die deutsche Philosophie (aufbauend auf Hegel) mit der britischen politischen Ökonomie (nach David Ricardo) vereinen und damit zwei eher konservative Traditionen in eine Theorie der radikalen Revolution verwandeln wollte.

Marx war gewiss ein scharfsichtiger Analytiker der Globalisierungsversion, die im neunzehnten Jahrhundert stattfand. 1848 schrieb er im Kommunistischen Mannifest : „An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.“

Es gab gewiss viele andere Kommentatoren des neunzehnten Jahrhunderts, die die Entstehung globaler Netzwerke analysierten. Doch erleben wir keinen neuen Ansturm auf die Arbeiten solcher Persönlichkeiten wie John Stuart Mill oder Paul Leroy-Beaulieu.

Was Marx’ neuerliche Popularität bedeutet, ist, dass nun allgemein akzeptiert wird, der Kapitalismus sei grundsätzlich am Ende, wobei das Finanzsystem im Mittelpunkt des Problems steht. Marx’ Beschreibung des „Fetischismus der Waren“ – die Übertragung von Gütern in handelbare Vermögenswerte, die vom Herstellungsprozess oder ihrem Nutzen abgekoppelt sind – scheint vollkommen auf den komplexen Prozess der Substitution von Bankkrediten durch handelbare Wertpapiere zuzutreffen, bei dem Werte durch obskure Transaktionen versteckt zu werden scheinen.

Aus der Analyse des trügerischen Charakters der Komplexität folgte die Empfehlung des Kommunistischen Manifestes , die zeitgenössischen „Marxisten“ am attraktivsten erscheint. Sie stand an fünfter Stelle in einem Zehn-Punkte-Programm. Punkt fünf, dem die „Konfiskation des Eigentums aller Emigranten und Rebellen“ vorausging, war die „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.“

Das Hauptproblem in der Zeit nach der heutigen Finanzkrise ist, dass die Banken für viele Transaktionen, die für grundlegende Vorgänge der Wirtschaft erforderlich sind, keinen Kredit mehr geben. Sogar die Refinanzierung der Banken durch staatliche Hilfe war bislang nicht ausreichend, um die Wirtschaftsaktivität wiederzubeleben.

Angesichts der Schwierigkeiten großer Automobilhersteller wie kleinerer Zulieferer fordern viele, dass der Staat die Banken im Rahmen des Rettungspakets zur Kreditvergabe zwingen sollte. Alle denken an das Pferd, dass man ans Wasser führen, aber nicht zum Trinken bringen kann. Selbst Kommentatoren, die sonst für den Markt eintreten, haben in das Wehklagen eingestimmt, dass der Markt nicht den notwendigen Kredit bereitstellt.

Staatlich erzwungene Kreditvergabe kam in der Vergangenheit bereits zum Einsatz, und zwar nicht nur in der zentralen Planwirtschaft kommunistischer Wirtschaftssysteme. Sie war Teil des Standardarsenals der frühen modernen europäischen Staaten im Umgang mit ihren Kreditgebern. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg machte sie das Herzstück der französischen Wirtschaftspolitik aus.

In jüngerer Zeit, in den 1980er Jahren, haben sich der Internationale Währungsfonds und die Zentralbanken in den großen Industrieländern zusammengetan, um Druck auf die Banken auszuüben, damit diese mehr Kredit an die großen lateinamerikanischen Schuldnerländer vergaben. Viele Banker murrten darüber, dass sie gutes Geld schlechtem hinterherwerfen mussten, doch gaben sie angesichts der Androhung größerer Eingriffe der Aufsichtsbehörden nach.

Das Ergebnis des Kreditzwangs war eher paradox. Die Lösung der 1980er rettete die Banken (und die Banker) vor der Schuldenkrise, steigerte aber langfristig die Rückzahlungslast und führte so zu einer Senkung des Lebensstandards in Lateinamerika. Eine bessere Lösung wäre eine Schuldenreduktion in einer früheren Phase der Krise gewesen.

Unter den heutigen Umständen wäre das Finanzsystem besser dran, wenn eine Version des ursprünglichen Plans des US-Finanzministers Henry Paulson umgesetzt worden wäre, faule Vermögenswerte zu kaufen und aus den Bilanzen der Banken zu streichen. Doch erwies dies sich als zu komplex, da die Bewertung der einzelnen Vermögenswerte andere und einmalige Probleme aufwarf.

Auf unserer Flucht vor der Komplexität suchen wir nun nach einfachen Lösungen. Bei der Eröffnung eines neuen Gebäudes an der London School of Economics fragte die Königin von England, warum niemand die Krise vorausgesagt hatte. Tatsächlich wurde die deutlichste Prognose von zwei britischen Komikern (John Bird und John Fortune) in einer Fernsehsendung vor über einem Jahr abgegeben, zu einer Zeit, als die dynamischen Financiers alles noch nicht wahrhaben wollten.

In anderen Worten: Die Finanzwelt ist in einer Art Karnevalszeit angekommen, in der die Narren weise sind, und kluge Leute sich als Idioten erweisen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Lösung des Idioten sinnvoll ist.

Wenn die Wirtschaftsaktivität nach einer tiefen Rezession wieder anfängt, dann nicht weil Menschen gezwungen wurden, finanzielle Ressourcen in Projekte fließen zu lassen, die als politisch wünschenswert auserwählt wurden, sondern als Ergebnis neuer Ideen. Die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass eine große Anzahl von Entscheidungsträgern in der Lage sein wird, diese neuen Projekte zu identifizieren, und wesentlich geringer, dass eine zentralisierte Version der Finanzplanung dies erfolgreich vollbringen würde.

Das „marxistische“ Revival war wahrscheinlich ein unausweichliches Nebenprodukt der aktuellen Krise. Doch sollten seine Anhänger die in der Vergangenheit durchweg katastrophalen Ergebnisse der zentralisierten Kreditvergabe bedenken.

Harold James ist Professor für Geschichte und internationale Angelegenheiten an der Woodrow Wilson School der Universität Princeton und Professor für Geschichte am European University Institute in Florenz.

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alexferro 07:53 03 Jan 09

Ah but to return to those wistful dys of th eternal shortage and neverending que-e.

A Ferro


Igor 03:56 04 Jan 09

One should exercise certain amount of historical sensitivity and awareness when reading and interpreting Marx. Marx’s analysis of the capitalism inner workings and its deficiencies should always be considered separately from his recommendations and the subsequent disastrous implementations of his recommendations.

As for us, living in the present reality - we are going to queue anyway.



AUTHOR INFO

Harold James is Professor of History and International Affairs at Princeton University and Professor of History at the European University Institute, Florence. He is the author of The Creation and Destruction of Value: The Globalization Cycle.