BERKELEY – Die Federal Reserve und andere Zentralbanken werden dieser Tage von zwei Seiten unter Druck gesetzt: Von links wird Druck auf sie ausgeübt, etwas zu tun, um die Nachfrage anzukurbeln und die globale Arbeitslosigkeit zu bekämpfen; von rechts wird Druck auf sie ausgeübt, die Nachfrage zu drosseln, um die Inflation im Zaum zu halten.
Diese Situation wird uns bald einigen Ärger bescheren, denn eine dieser beiden Diagnosen muss falsch sein. Wenn die Zentralbanken weltweit die Zinssätze erhöhen, obwohl die unzureichende globale Nachfrage das Hauptproblem ist, könnten sie eine Depression auslösen. Wenn sie die Zinssätze nicht anheben, obwohl die Inflation das Hauptproblem ist, könnte dies zu Preisspitzen führen, wodurch Inflationserwartungen aufkommen und sich eine hartnäckige Lohn-Preis-Spirale entwickelt, die nur mit einer späteren, tieferen Depression wieder gerade gebogen werden kann.
Dieses Mal hat meiner Ansicht nach die Linke Recht – bezogen auf das nachindustrielle nordatlantische Zentrum der Weltwirtschaft. Die tatsächliche Inflationsrate ist der einzige Indikator dafür, dass die steigende Inflation ein Problem oder überhaupt real ist. Der Index der US-Beschäftigungskosten (American Employment Cost) und andere Indikatoren des nominellen Lohnwachstums in den Industrieländern zeigen keine beschleunigte Veränderung. Zudem zeigen auch die Messungen der „Kerninflation“ keine Anzeichen einer Inflationsbeschleunigung.
Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine durch die Verluste der Hypothekenkrise ausgelöste Finanzschmelze, die sie bei einer normalen Geldpolitik in eine ernsthafte Rezession oder Depression führen würde. In normalen Zeiten wäre die Reaktion der Fed – ein sehr monetärer Impuls – höchst inflationär. Doch sind dies keine normalen Zeiten. Die Geldpolitik der Fed hat nicht ausgereicht, um eine US-Rezession abzuwenden, auch wenn diese so mild bleibt, dass viele anzweifeln, ob sie wirklich als solche angesehen werden kann.
Die Reaktion der Europäischen Zentralbank entsprach der der Fed, war jedoch weniger stark, wobei die Geldpolitik verhaltener war, als in Bezug auf die tatsächliche Inflationsrate angemessen war. Und auch in Westeuropa sinkt das BIP jetzt.
Kurz: Die großen Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks haben auf die Finanzkrise reagiert, sie haben aber nicht überreagiert. Trotz der Liquiditätsspritzen der Finanzinstitute haben die unerwarteten Nebeneffekte der Finanzkrise das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale eliminiert, die andernfalls hätte auftreten können.
Dennoch steigt die tatsächliche Inflation rasant und macht Schlagzeilen, was nicht überraschend kommt. Dies spiegelt drei Entwicklungen wider. Erstens: Die Welt ist zumindest für den Moment an ihre Ressourcengrenze gestoßen, und wir erleben eine große Verschiebung bei den relativen Preisen, da die Weltwirtschaft entsprechend reagiert, indem sie Arbeit und Kapital günstig macht, während Öl und andere Ressourcen teurer werden. Das Ergebnis dieser relativen Preisverschiebung ist die tatsächliche Inflation.
Zweitens: Innerhalb der USA bringt die Rückkehr des Dollars zu seinem Gleichgewichtswert eine Importpreisinflation mit sich. Die Kosten für die US-Verbraucher steigen und geben ihnen das Gefühl, ärmer zu sein, nicht weil sie ärmer geworden wären, sondern weil das vorherige Muster der globalen Ungleichgewichte ihren Wohlstand übertrieben hat. Ein globaler Ausgleich ist für die amerikanischen Konsumenten schmerzhaft und zeigt sich als höhere tatsächliche Inflation. Doch wäre es höchst unangebracht, aus diesem Grund die Inflation innerhalb der USA zu bekämpfen. Dies wäre sowohl wesentlich schmerzhafter für die US-Verbraucher als auch sinnlos.
Und schließlich erzeugt Chinas zielstrebiges Verfolgen merkantilistischer Ziele, wie die Ökonomen Adam Posen und Arvind Subramanian behauptet haben, „zu Hause Inflation und Überhitzung.“ Aber „die Anstrengungen der USA, China zum Aufgeben dieser Ziele zu bewegen, klingen heuchlerisch, wenn sich die Vereinigten Staaten selbst für einen übermäßigen Impuls zu entscheiden scheinen. …[W]enn die Volksbank und die Fed die Koordination mit den meisten Zentralbanken straffen würden, so würden die inneren [chinesischen] Bedenken hinsichtlich einer den Wettbewerb fördernden Abwertung gedämpft…“
Es war immer schon abzusehen, dass Chinas Politik der Exportsubventionen durch Währungsmanipulation langfristig nicht aufrechterhalten werden kann, da sie im Inland zu einer beträchtlichen Inflation führen musste. Nun verursacht sie zudem anderen Entwicklungsländern beträchtliche Probleme, da Chinas boomende Wirtschaft sie beim Wettstreit um die Ressourcen überbietet. Doch ist es für die chinesische Regierung politisch unmöglich, ihre Wechselkurspolitik unter Druck zu ändern, ohne den USA dabei einige „Zugeständnisse“ abzuringen. Die Straffung der US-Geldpolitik könnte als ein solches „Zugeständnis“ verkauft werden.
Doch wird dabei übersehen, was eigentlich das Hauptthema der Diskussion sein sollte: Eine höhere Arbeitslosigkeit in den USA derzeit ist kein geeignetes Ziel, um die US-Produktion zu stabilisieren, und trägt, wenn überhaupt, relativ wenig zur Stabilisierung der US-Preise bei. Auch ist es nicht im Interesse einer sich entwickelnden exportorientierten Wirtschaftsnation wie China, dass die USA ihre Importkäufe schneller abbaut.


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