Saturday, November 1, 2014
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Auf der Suche nach globaler Nachfrage

Wieder einmal sind Deutschland und Japan in die Rezession geschlittert. Wieder einmal schmälern die zweit- und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt das Wachstum der weltweiten Gesamtnachfrage, anstatt es zu steigern.

Für die deutschen und japanischen Bürger sind das schlechte Nachrichten. Die rasche Entwicklung globaler Technologien sollte eine Steigerung des Produktionsniveaus und des Lebensstandards relativ leicht ermöglichen. Und dennoch hatten die deutsche und die japanische Volkswirtschaft in den letzten fünfzehn Jahren Schwierigkeiten, das zu erreichen. Vor fünfzehn Jahren hätte wohl jeder einen sehr viel besseren Zustand der beiden Volkswirtschaften zum gegenwärtigen Zeitpunkt prognostiziert.

Für die weltweite politische Stabilität sind die Rezession und Stagnation in Deutschland und Japan potenziell noch schlechtere Nachrichten. Demokratische Regierungen gehen mit ihren Wählern eine Abmachung ein, indem die Regierenden ihre langfristige Legitimität aus ihrer Fähigkeit ableiten, den Lebensstandard und Beschäftigungsraten zu steigern.

Krise, Depression und Stagnation führen dazu, dass sich Menschen Gedanken über Nutzlosigkeit und Korruption der Durchschnittspolitiker machen, über die illegitime Macht von Partikularinteressen und die Schwachsinnigkeit von Parlamenten. Die Gedanken der Menschen in Krisen- und Depressionszeiten sind nicht falsch. Durchschnittliche Politiker sind oftmals nutzlos und korrupt (moralisch, wenn schon nicht im rechtlichen Sinn), Partikularinteressen verfügen über illegitime Macht und die Gesetzgeber sind oft schwachsinnig. Es gibt allerdings kein Land, in dem Versuche, aus dieser politischen Stimmung Konsequenzen zu ziehen, nicht im Desaster endeten.

Am schlechtesten ist das mangelnde Wachstum in Deutschland und Japan aber für die globale wirtschaftliche Stabilität. Vor sechs oder sieben Jahren wurden vage Befürchtungen geäußert, dass die Kernländer der industrialisierten Welt nicht für immer an einer einzigen Lokomotive, den USA, hängen können. Aufgrund der entsetzlichen Haushaltspolitik der Regierung George W. Bush und auch einigem Pech manövrierte sich die amerikanische Wirtschaft selbst in eine äußerst unangenehme Zwangslage, eingeengt zwischen enormen Haushalts- und Leistungsbilanzdefiziten.

Um Amerika ohne Krise aus dieser Zwangslage zu befreien – und somit den heiligen Gral der Ökonomen einer „weichen Landung“ zu erreichen – muss eine erhebliche Anzahl von Menschen und Institutionen mit enormen Dollar-Vermögenswerten untätig zusehen, wie ihre Vermögen ein Drittel ihres Wertes oder mehr gegenüber Anlagen in anderen Währungen einbüßen. Dafür gibt es in der jüngeren Geschichte auch einen Präzedenzfall: Von 1985 bis 1987 hatten Besitzer von Vermögenswerten in US-Dollars Ähnliches durchzumachen, allerdings in geringerem Ausmaß. Aber steigt man zweimal in denselben Fluss?

Für eine erfolgreiche weiche Landung bedarf es allerdings mehr als der völligen Ruhigstellung der Inhaber von Dollar-Vermögenswerten, während sie ihre Besitztümer verlieren. Mindestens acht Millionen Amerikaner, die in den Bereichen Bau, Verbraucherdienstleistungen und verwandten Sektoren arbeiten, müssen in Firmen im Bereich der Import- und Exportkonkurrenz einen neuen Arbeitsplatz finden.

Das ist noch nicht alles. Mindestens sechzehn Millionen Arbeitnehmer außerhalb Amerikas, die heute im Bereich Export nach Amerika beschäftigt sind, müssten sich ebenfalls in anderen Sektoren um eine neue Anstellung umsehen. Diese Jobs werden dann die Nachfrage außerhalb Amerikas zu decken haben, denn nachdem ein fallender Dollar und eine mögliche nationale Rezession die Kluft zwischen amerikanischer Nachfrage und Produktion verringert, muss es eine kompensierende Steigerung der Nachfrage im Verhältnis zur Produktion außerhalb der USA geben. Wenn dieser Ausgleich eintritt – und er lässt sich damit schon länger Zeit, als ich es für möglich gehalten hätte – ist es wichtig, dass sich die Weltwirtschaft auf hohem und nicht auf niedrigem Niveau einpendelt, wie es der ehemalige amerikanische Finanzminister Larry Summers formulierte.

Wo soll in den nächsten Jahren die Nachfrage für ein „Gleichgewicht der Weltwirtschaft auf hohem Niveau“ ohne rasches Wachstum in Deutschland und Japan herkommen? In einer Generation werden wir wahrscheinlich auf China und Indien als rasch wachsende, kapitalhungrige Märkte verweisen können, die in der Lage sind, die Lücken in der globalen Nachfrage zu schließen. Aber noch ist es nicht soweit. Während China und Indien gemessen an der Zahl ihrer Arbeitskräfte riesige Volkswirtschaften sind, bleiben sie im Hinblick auf Produktion und Nachfrage weiterhin klein.

Ohne rasches Nachfragewachstum in der industrialisierten Welt außerhalb der USA – und Deutschland und Japan wären dafür die besten Kandidaten – ist es schwierig zu erkennen, wie sich die Weltwirtschaft in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau einpendeln soll.

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