Während der vergangenen sechs Monate hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit und Besorgnis von Amerikas enormem Handelsdefizit auf den plötzlichen Preisanstieg auf den Wohnungsmärkten und die Immobilienblase verlagert. Zumindest zwei Gründe für die hohen – und weiter steigenden – Eigenheimpreise in den Vereinigten Staaten sind klar. Unklar jedoch bleibt, ob sich ein offensichtlich überhitzender Markt abkühlen lässt, ohne dass die USA – und ihre Haupthandelspartner weltweit – wirtschaftlich ins Trudeln geraten.
Der Boom auf dem US-Immobilienmarkt beruht erstens auf niedrigen Zinsen, aufgrund derer große Mengen Geldes zu relativ moderaten Monatsraten als Hypotheken aufgenommen werden können. Niedrige Zinsen machen die Rückzahlung einfacher und kurbeln deshalb die Nachfrage an, und angesichts hoher Nachfrage und einem – zumindest kurzfristig – begrenzten Häuserangebot steigen die Preise.
Zweitens ist jener siebzigjährige Zeitraum, der mit der weiten Verbreitung des Automobils begann und während welchem man in einem typischen Metropolgebiet innerhalb von einer halben oder einer Stunde überall hingelangen konnte, nun vorbei. Vor der allgemeinen Verbreitung des Automobils hingen die Bodenpreise vom Standort ab, und die Nähe zur zentral gelegenen Stadt oder der örtlichen Eisenbahnstation bedingte einen Aufpreis.
Nun aber, wo ernsthafte Staus den Verkehrsfluss in den Großstädten auf Kriechgeschwindigkeit verlangsamen, hat das Gefälle bei den Bodenpreisen wieder steil zugenommen. Möglicherweise ließe sich diese Zunahme des Preisgefälles für ein Jahrzehnt hinauszögern, wenn wir zu einer größeren Siedlungsdichte bereit wären. Wir könnten etwa die Reihenhäuser von San Francisco abreißen und sie durch Gebäude ersetzen, die eher denen der Upper West Side in New York ähneln. Aber dazu sind wir nicht bereit.
Diese beiden Faktoren – niedrige Hypothekenzinsen und die Tatsache, dass das Land inzwischen so dicht besiedelt ist, dass unsere Autos die Standortkosten nicht länger zur Nebensache machen – sind zu einem großen Teil an dem steilen Anstieg der Häuserpreise in etwa während des vergangenen Jahrzehnts verantwortlich. Sie sind jedoch nicht der alleinige Grund.
Zusätzlich zu diesen einflussstarken grundlegenden Faktoren haben wir es mit einer Spekulationsblase zu tun. Diese Blase geht von Leuten mit Geld aus, die zusätzliche Häuser kaufen, weil sie glauben, dass die Eigenheimpreise weiter steigen werden, und von Leuten ohne Geld, die Häuser im Wert von 400.000 Dollar in relativ unattraktiven Nachbarschaften ohne finanziellen Eigenanteil und zu beweglichen Zinsen kaufen.
Die von beiden Gruppen ausgehende Nachfrage ist von Natur aus kurzlebig. Wenn die erste Gruppe entdeckt, dass die Immobilienpreise nicht stetig weiter steigen, wird sie versuchen, ihre Immobilien abzustoßen. Und wenn die zweite Gruppe entdeckt, dass die Zinsen nicht endlos niedrig bleiben, werden viele Angehörige dieser Gruppe nicht mehr in der Lage sein, ihre gestiegenen Hypothekenraten zu bezahlen und ebenfalls versuchen, ihre Immobilien los zu werden.
Die amerikanische Immobilienblase muss nicht notwendigerweise ein schlimmes Ende nehmen – aber wenn doch, dürfte die Ursache hierfür in einem steilen Anstieg der Zinsen liegen. Dies könnte aus zwei Gründen passieren. Erstens könnten die Anleger, wenn sie erkennen, dass der Dollar überbewertet ist und dass sie, wenn er auf seinen grundlegenden Wert fällt, hohe Verluste hinnehmen müssten, beginnen, ihre Schatzanleihen, Unternehmensanleihen und mit Hypotheken unterlegten Wertpapiere zu verkaufen. Die Kurse für diese Anlageformen werden fallen und die Renditen steigen. An irgendeinem Punkt werden die Renditen von Anleihen und Hypotheken dann hoch genug sein, dass der Appetit der Anleger auf hohe Renditen ihre Furcht vor einer Währungsabwertung aufwiegt.
Auf den Korridoren um mein Büro herum stimmen alle Ökonomen überein, dass dieser Faktor die US-Zinssätze bereits vor drei Jahren hätte in die Höhe schrauben müssen. Bisher jedoch ist dies nicht passiert. Bedeutet dies, dass jederzeit ein Wirbelsturm die Weltfinanzmärkte überziehen könnte? Ja. Oder es könnte bedeuten, dass das Basisprognosemodell der Ökonomen die Weltwirtschaft betreffend – und insbesondere die Annahme der „ungedeckten Zinsparität“, die davon ausgeht, dass ausländisches Zinseinkommen in der inländischen Währung ausgedrückt dem inländischen Zinssatz entsprechen sollte – schlicht und einfach falsch ist.
Der zweite Faktor, der die US-Zinsen steil nach oben drücken könnte, ist nicht die Angst vor einem zukünftigen Fall des Dollars, sondern die Tatsache eines früheren Rückgangs seines Wertes. Die USA importieren Waren im Werte von 16% ihres BIP. Ein A 40%iger Rückgang des Dollarkurses – von welchem die Hälfte in Form von Preiserhöhungen für Importe weitergegeben wird – beinhaltet daher einen 3,2%igen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Eine Federal Reserve, die sich einer wirksamen Preisstabilität verschrieben hat, dürfte eher die Zinsen anheben, als zu gestatten, dass die Inflationsrate in einem beliebigen Jahr von 3% auf 6% in die Höhe schnellt.
Falls es zu einem steilen Zinsanstieg kommt – entweder durch eine Kapitalflucht in Erwartung eines Dollarverfalls oder durch ein Anziehen der geldpolitischen Zügel als Reaktion auf einen solchen –, werden wir feststellen, wie kompetent die Federal Reserve tatsächlich ist. Falls die Zinsen zu stark ansteigen, wird der Einbruch bei den Häuserpreisen zu Hypothekenkündigungen im großen Umfang sowie einem Zusammenbruch bei den Ausgaben der privaten Verbraucher führen.
Dies würde eine Depression nicht nur in den USA, sondern auch in Asien und vermutlich in Europa zur Folge haben, denn die USA werden für die Welt nur so lange weiterhin der Importeur letzter Instanz und der Bürge einer wirksamen Nachfrage sein, solange ihr Konsum stark ist. Falls jedoch die Zinsen nicht stark genug steigen, werden der Wert des Dollars in eine Abwärtsspirale und die US-Inflation in eine Aufwärtsspirale geraten, wie es in den 1970er Jahren der Fall war – was den Boden für die durch den damaligen Federal Reserve Chairman Paul Volcker eingeleiteten, sehr schmerzhaften Maßnahmen bereitete.
Unter diesen Umständen ist der Spielraum der Federal Reserve äußerst eng – eine alles andere als beneidenswerte Lage. Und trotzdem fragen mich Journalisten – nicht besonders erfahrene, zugestanden – wer vermutlich im nächsten Jahr den „Traumjob“ des Vorsitzenden der Federal Reserve bekommen wird.


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