Tuesday, September 2, 2014
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Ist jetzt die globale Stagdeflation da?

NEW YORK: Die neusten gesamtwirtschaftlichen Nachrichten aus den USA, anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften und Schwellenmärkten bestätigen, dass die Weltwirtschaft 2009 vor einer schweren Rezession steht. In den USA begann die Rezession im Dezember 2007, sie wird mindestens bis Dezember 2009 dauern. Dies wäre die längste und tiefste US-Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg; der Gesamtrückgang des BIP könnte dabei 5% überschreiten.

Die Rezession in anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften (der Eurozone, Großbritannien, der Europäischen Union, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland) begann im 2. Quartal 2008, bevor die Finanzturbulenzen vom September und Oktober die globale Kreditklemme weiter verschärften. Dieser Abschwung ist seitdem sogar noch schlimmer geworden.

Zugleich ist jetzt auch der Beginn einer harten Landung in den Schwellenmärkten zu erkennen: Die Rezession in den hoch entwickelten Ländern, fallende Rohstoffpreise und Kapitalflucht fordern dem dortigen Wachstum Tribut ab. Tatsächlich sollte die Welt in Russland und Brasilien aufgrund niedriger Rohstoffpreise 2009 eine Beinahe-Rezession erwarten, und in China und Indien eine steile Konjunkturabschwächung, die für diese Länder das Äquivalent einer harten Landung (Wachstum deutlich unter dem potenziell Möglichen) bedeutet.

Anderen Schwellenmärkten in Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa wird es nicht besser gehen, und einige könnten eine ausgewachsene Finanzkrise erleben. Tatsächlich stehen derzeit mehr als ein Dutzend Schwellenländer finanziell schwer unter Druck: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Türkei, die Ukraine, Ungarn und Weißrussland in Europa; Indonesien, Korea und Pakistan in Asien; Argentinen, Ecuador und Venezuela in Lateinamerika. In den meisten dieser Volkswirtschaften wird sich das Schlimmste verhindern lassen, sofern sie ihre Politik entsprechend anpassen und internationale Finanzinstitutionen (u.a. der IWF) ihnen ausreichend Kredit zur Deckung ihres externen Finanzierungsbedarfs einräumen.

Die Tatsache einer fast mit Sicherheit bevorstehenden globalen Rezession macht die Deflation – und nicht die Inflation – zur wichtigsten Sorge der Politik. Der Rückgang der Gesamtnachfrage bei gleichzeitigem Anstieg des potenziellen Gesamtangebots aufgrund übermäßiger Investitionen in China und anderen Schwellenmärkten wird zu einem steilen Rückgang der Inflation führen. Schwache Arbeitsmärkte mit steigenden Arbeitslosenquoten sorgen für eine Begrenzung der Gehälter und Personalkosten nach oben. Weitere Rückgänge der Rohstoffpreise – die gegenüber ihren Höchstwerten vom Sommer bereits um 30% gefallen sind – werden diesen Deflationsdruck verstärken.

Die Politik wird sich über ein seltsames Untier namens „Stagdeflation“ (eine Verbindung von wirtschaftlicher Stagnation/Rezession und Deflation) sorgen müssen, über Liquiditätsfallen (wenn die offiziellen Zinssätze so weit gen null gefallen sind, dass die traditionelle Geldpolitik ihre Wirkung verliert) und Schuldendeflation (den Anstieg des Effektivwertes nominaler Schulden, der das Konkursrisiko für in Zahlungsschwierigkeiten steckende Haushalte, Firmen, Finanzinstitute und Regierungen erhöht).

Wenn die traditionelle Geldpolitik an Wirkung verliert, werden nicht traditionelle geldpolitische Instrumente erforderlich, die darauf abzielen, Liquidität und Kreditvolumen zu erhöhen (mittels „Quantitative Easing“ und dem Direktaufkauf privater illiquider Vermögenswerte durch die Zentralbanken). Und während man aggressiv eine traditionelle Fiskalpolitik (staatliche Ausgaben und Steuersenkungen) verfolgen wird, wird eine nicht traditionelle Fiskalpolitik (Ausgaben zur Rettung von Finanzinstituten, Kreditgebern und Kreditnehmern) ebenfalls zunehmend wichtiger werden.

Hierbei wird die Rolle von Staaten und Regierungen im Bereich wirtschaftlicher Aktivität enorm ausgeweitet. Traditionell sind die Zentralbanken Kreditgeber letzter Instanz; nun jedoch entwickeln sie sich zu Kreditgebern erster und einziger Instanz. Denn wenn die Banken die Kreditvergabe an einander, an andere Finanzinstitute und an die Unternehmen einschränken, werden die Zentralbanken zu den einzig verfügbaren Kreditgebern.

Genau so gilt, dass angesichts eines Zusammenbruchs des privaten Verbrauchs und der Investitionstätigkeit der Unternehmen die Regierungen bald die Einzigen sein werden, die Geld ausgeben, so die Nachfrage stimulieren und Banken, Firmen und Haushalte retten. Der sich hieraus ergebende steile Anstieg der Haushaltsdefizite hat langfristig ernste Folgen. Falls die Defizite von den Zentralbanken in Geld umgewandelt werden, folgt auf den kurzfristigen deflationären Druck die Inflation; falls sie über Schulden finanziert werden, könnte – sofern nicht mittelfristig wieder Finanzdisziplin hergestellt wird – die langfristige Solvenz einiger Regierungen auf dem Spiel stehen.

Trotzdem bedarf es kurzfristig sehr aggressiver – traditioneller wie nicht traditioneller – geld- und finanzpolitischer Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass die unausbleibliche Stagdeflation des Jahres 2009 sich nicht bis ins Jahr 2010 und darüber hinaus fortsetzt. Bisher scheint die Reaktion der USA aggressiver auszufallen als die der Eurozone; die Europäische Zentralbank hinkt bei den Zinsen hinterher und die Fiskalpolitik der EU bleibt schwach.

Angesichts der Schwere dieser Wirtschafts- und Finanzkrise werden die Finanzmärkte eine Weile brauchen, um sich zu erholen. Die Abwärtsrisiken bei den Kursen einer breiten Vielzahl risikobehafteter Anlagewerte (Aktien, Unternehmensanleihen, Rohstoffe, Wohnungsimmobilien und Anlageklassen aus Schwellenmärkten) werden bleiben, bis es – gegen Ende 2009 – echte Anzeichen gibt, dass sich die Weltwirtschaft 2010 erholen könnte.

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