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The Asian Century

Der Islam gegen die chinesische Diaspora in Asien

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2002-07-29

Als der malaysische Premierminister Dr. Mahathir Mohammad vor kurzem seine Rücktrittsabsicht bekannt gab, wandten sich Malaysier chinesischer Abstammung mit der Bitte an die Partei Mahathirs, dieser möge seine Absichten überdenken. Als Mahathir sich bereit erklärte, wenn auch nur für die nächsten 16 Monate im Amt zu bleiben, waren vor allem die chinesischen Malaysier erleichtert.

Die Tatsache, dass sich chinesische Malaysier auf Dr. Mahathirs Seite schlugen, zeugt von einer stillen Revolution in der malaysischen Politik und davon, dass sich das nationalistische Image Dr. Mahathirs in den 22 Jahren seiner Amtszeit abgeschwächt hat. Es zeugt aber auch vom Gesinnungswandel der Chinesen in Malaysia gegenüber der nationalistischen Bewegung, die ihnen einst so feindlich gesonnen schien.

Als die Kolonialregierungen in Südostasien vor vierzig Jahren gestürzt wurden, flohen die Chinesen vielfach vor den für die Unabhängigkeit kämpfenden nationalistischen Bewegungen. Diese Bewegungen betrachteten die Chinesen als rechtlos und falsch, da sie in ihren Augen unverhältnismäßig von der Kolonialherrschaft profitiert hätten. Überall in der Region kam es zu gewalttätigen Übergriffen gegen die Chinesen. Seit dieser Zeit sind viele Chinesen misstrauisch gegenüber politische Parteien mit Verbindungen zu den ehemaligen nationalen Befreiungsbewegungen.

In Malaysia beginnen sich diese Ängste nun zu zerstreuen. Heute sehen die malaysischen Chinesen Premierminister Mahathir als Bastion gegen eine neue Form des gewalttätigen Extremismus: die Bedrohung durch den muslimischen Fundamentalismus. Die große chinesische Diaspora braucht ein derartiges Bollwerk nicht nur in Malaysia, wo der islamische Extremismus eine relativ harmlose Bedrohung ist, sondern in ganz Südostasien, vor allem in Indonesien, wo Tausende Chinesen bei Unruhen in den letzten Jahren getötet oder verletzt wurden und wo nochmals Tausende von ihnen ihr Hab und Gut verloren.

Die meisten Chinesen in Südostasien bewundern bei einem muslimischen Führer schon die kleinste Andeutung einer Trennung zwischen Staat und Religion wie einen wertvollen Edelstein. Zeigt sich diese Haltung bei einem gläubigen Moslem wie Mahathir, so gilt dieser Beweis für säkulare Toleranz als ein seltenes Zeichen von Modernität und wachsendem Engagement für den Fortschritt.

Dr. Mahathir war immer ein sachlicher Modernisierer. Kürzlich hat er eingestanden, dass seine ,,Malaysier zuerst"-Politik, die er seit 1969 betrieb, nicht die für eine moderne Wissenswirtschaft unerlässliche malaysische Elite hervorbrachte. Obwohl er weiß, wie unpopulär dies in den Ohren der Bürger klingt, ruft Mahathir die jungen Malaysier auf, härter zu arbeiten.

Durch den Aufruhr rund um Mahathirs Bestrebungen, seinen ehemaligen Stellvertreter Anwar Ibrahim zu diskreditieren, kam jedoch vieles von dieser neuen Bevölkerungspolitik in Malaysia nicht ans Tageslicht. Die Kampagne gegen Anwar Ibrahim kostete der Partei Mahathirs, der Vereinigten Malaysischen Nationalen Organisation (UMNO), allerdings viel Unterstützung von Seiten der Malaysier. So konnte sich Mahathir bei den Wahlen 1999 nur mit den Stimmen der Chinesen an der Macht halten. Nun hoffen Nicht-Malaysier, dass er von seinen Vorstellungen über eine bevorzugte Behandlung der Malaysier wieder abrückt. Davon wollen allerdings die Malaysier nichts wissen.

Die Chinesen sind auch von der geschickten Reaktion Mahathirs auf die amerikanischen Forderungen im Hinblick auf den Kampf gegen den Terrorismus beeindruckt. Der Premierminister nützte diese Gelegenheit, um sein anti-westliches Image abzuschwächen und bekräftigte seine moderne, säkulare Position gegen die Sympathisanten des islamischen Extremismus. Solcherart belebte er die multikulturelle Basis der Nationalen Allianz, die Malaysia seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1957 regiert. Damit gelang es ihm auch, die chinesische Gemeinde in Malaysia um sich zu scharen.

Völlig gegensätzlich dazu präsentiert sich die Lage der Chinesen in Indonesien, wo Modernität und Säkularität als politische und kulturelle Übereinstimmung mit dem Nationalstaat gleichgesetzt werden. Unter dem früheren Präsidenten Suharto wurden die Chinesen dreißig Jahre lang diskriminiert. Gleichzeitig hielt er sich ein paar ausgesuchte Hofchinesen, die seiner Familie und seinen Kollegen aus dem Militär zu riesigen, unrechtmäßigen Profiten verhalfen. Die Mehrheit der einheimischen Bevölkerung blieb arm und so formte sich unter ihnen bald das Bild von den korrupten und skrupellos gierigen Chinesen.

Trotz der Erinnerungen an die Massaker an den Chinesen während der anti-kommunistischen Säuberungsaktionen in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, standen die Chinesen dem immensen Hass, der ihnen während der Unruhen im Mai 1998 entgegenschlug, unvorbereitet gegenüber. Brandstiftung, Plünderungen und die Vergewaltigung zahlreicher chinesischer Frauen erschütterten damals die chinesische Gemeinschaft. Diese Gewaltausbrüche werfen noch immer einen Schatten auf die ethnischen Beziehungen innerhalb Indonesiens.

Sämtliche indonesischen Regierungen unter den Präsidenten Habibie, Abdulrahman Wahid und Megawati Sukarnoputri begrüßten die traditionell führende Rolle der Chinesen in der Wirtschaft. Dennoch können sich die Machthaber nicht entschließen, den Chinesen gleiche staatsbürgerliche Rechte einzuräumen oder verschiedene wild wuchernde Formen der Diskriminierung abzustellen.

Die heutigen Spannungen zwischen Säkularisten, Gläubigen und verschiedenen extremistischen Muslimgruppierungen haben das Problem der Chinesen in Indonesien etwas in den Hintergrund rücken lassen. Dadurch konnten sie ihre gewohnte Rolle im Geschäftsleben, wenn auch in wachsender Unsicherheit, wieder aufnehmen. Die von ihnen ersehnte persönliche Sicherheit, die Chinesen in Malaysia jetzt erreichen, ist allerdings weiter entfernt als je zuvor. So ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass es in Indonesien bald einen Staatschef geben wird, auf den sich die Chinesen in diesem Land ebenso verlassen können, wie die malaysischen Chinesen auf Premierminister Mahathir.

Wang Gungwu ist Direktor des Ostasieninstitutes der Universität Singapur..

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