Thursday, November 27, 2014
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Der deutsche Sonnenschein-Tagtraum

KOPENHAGEN – In Deutschland nähert sich eines der größten staatlich unterstützten Experimente im Bereich grüner Energie seinem bitteren Ende und politische Entscheidungsträger anderswo können daraus wichtige Lehren ziehen.

Einst rühmte sich Deutschland, „Photovoltaik-Weltmeister“ zu sein. Man verteilte generöse Subventionen – im Ausmaß von insgesamt über 100 Milliarden Euro laut Angaben der Ruhr-Universität – an die Bürger, um in die Solarenergie zu investieren. Nun allerdings verspricht die deutsche Regierung, die Förderungen früher als geplant zu kürzen und die Unterstützung über die nächsten fünf Jahre auslaufen zu lassen. Was ist da schief gelaufen?

Bei der Subventionierung ineffizienter grüner Technologie gibt es ein grundlegendes Problem: finanziell erschwinglich ist sie nur, wenn diese Förderung in geringen, eher symbolischen Summen erfolgt. Mit den großzügigen staatlichen Förderungen errichteten die Deutschen im vorigen Jahr 7,5 Gigawatt an photovoltaischer Kapazität. Das ist doppelt so viel wie die Regierung für „akzeptabel“ gehalten hatte. Man schätzt, dass alleine diese Kapazitätserhöhung zu einem Anstieg der jährlichen Stromrechnung für den deutschen Durchschnittsverbraucher um 200 Euro führen wird. 

Laut Angaben des Magazins Der Spiegel, halten sogar schon Mitarbeiter von Kanzlerin Angela Merkel die Maßnahmen für eine massive Kostenfalle. Der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Philipp Rösler, hat die schwindelerregenden Solarsubventionen als „Bedrohung für die Wirtschaft“ bezeichnet.

Deutschlands Begeisterung für Solarenergie ist verständlich. Man könnte den gesamten Energiebedarf der Welt ein ganzes Jahr lang decken, wenn es gelänge, nur eine Stunde der gesamten Energie der Sonne einzufangen. Sogar mit der Ineffizienz der gegenwärtigen Photovoltaik-Technologie könnten wir den Energiebedarf der ganzen Welt decken, wenn wir auf 250.000 Quadratkilometern, also 2,6 Prozent der Fläche der Sahara, Solaranlagen aufstellten.

Unglücklicherweise ist es in Deutschland – ebenso wie in den meisten Teilen der Welt – nicht so sonnig wie in der Sahara. Sonnenlicht gibt es zwar gratis, Solarzellen und deren Montage jedoch nicht. Solarenergie ist mindestens vier Mal so teuer wie Energie aus fossilen Brennstoffen. Obendrein hat sie den entscheidenden Nachteil, in der Nacht nicht zu funktionieren, wenn ein großer Teil der Elektrizität verbraucht wird.  .

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft stellt fest, dass „Solarenergie keine zusätzlichen Kraftwerke ersetzen kann.” An kurzen, wolkenverhangenen Wintertagen können Deutschlands 1,1 Millionen Sonnenenergiesysteme überhaupt keine Elektrizität liefern. Dann ist das Land gezwungen, erhebliche Mengen an Elektrizität aus Atomkraftwerken in Frankreich und Tschechien zu importieren. Als die Sonne diesen Winter nicht schien, musste die Versorgungslücke laut Notfallplan durch das Hochfahren eines ölbefeuerten österreichischen Kraftwerks geschlossen werden.

Tatsächlich liefert die Solarenergie trotz der massiven Investitionen nur etwa 0,3 Prozent der Gesamtenergie in Deutschland. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Deutschen momentan den zweithöchsten Strompreis in den Industrieländern zahlen (übertroffen werden sie nur von Dänemark, das den Titel „Windenergie-Weltmeister“ anstrebt). Die deutschen zahlen drei Mal mehr für ihren Strom als Amerikaner.  

Außerdem tragen diese erheblichen Investitionen bemerkenswert wenig zur Bekämpfung der globalen Erwärmung bei. Selbst unter unrealistisch großzügigen Annahmen besteht der wenig beeindruckende Nettoeffekt der Solarenergie in einer Senkung der deutschen CO2-Emissionen um ungefähr 8 Millionen Tonnen – oder  circa 1 Prozent – in den nächsten 20 Jahren. Überträgt  man dieses Ergebnis in ein Standard-Klimamodell, kommt eine Senkung der Durchschnittstemperatur um 0.00005oC (ein zwanzigtausendstel Grad Celsius) heraus. Anders ausgedrückt: Bis zum Ende des Jahrhunderts werden die mit 100 Milliarden Euro geförderten deutschen Solaranlagen den Temperaturanstieg um 23 Stunden hinauszögern.

Mit dem Einsatz von Solarenergie bezahlt Deutschland ungefähr 760 Euro pro eingesparter Tonne CO2. Aktuell liegt der Preis für CO2 in Europa bei etwa 6 Euro. Deutschland hätte um den gleichen Preis also 131 Mal mehr CO2 abbauen können. Stattdessen verschwenden die Deutschen mehr als 99 Cent eines jeden Euro, den sie in Solaranlagen stecken.  

Es kommt noch schlimmer: Da Deutschland Teil des EU-Emissionshandelssystems ist, führt der tatsächliche Effekt zusätzlicher Solaranlagen in Deutschland zu keinerlei CO2-Reduktionen, weil die Gesamtemissionen ohnehin gedeckelt sind. Vielmehr ermöglichen die Deutschen anderen Teilen der EU, mehr CO2 zu emittieren. Durch die deutschen Solaranlagen hat sich der Einsatz von Kohle für Portugal oder Griechenland verbilligt.  

Die Verfechter der deutschen Solarsubventionen behaupten überdies, dass diese geholfen hätten, „grüne Jobs“ zu schaffen. Allerdings schlägt sich jeder durch grüne Energiepolitik geschaffene Job im Schnitt mit 133.000 Euro zu Buche – erheblich mehr als die Arbeitsplatzschaffung anderswo in der Wirtschaft kostet, wie etwa in Bereich Infrastruktur oder im Gesundheitswesen. Und viele „grüne Jobs“ werden nach China exportiert. Das heißt, die Europäer subventionieren Jobs in China, ohne dabei den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Das deutsche Experiment der Subventionierung ineffizienter Solartechnologie ist fehlgeschlagen. Die Staaten sollten sich stattdessen zunächst auf Forschung und Entwicklung konzentrieren, um grüne Technologie billiger und wettbewerbsfähiger zu machen. Die Produktion kann später gesteigert werden.  

Unterdessen haben die Deutschen über 100 Milliarden für eine Klimawandel-Politik bezahlt, die keinerlei Auswirkungen auf die globale Erwärmung hat. Sie subventionierten Jobs in China und die Abhängigkeit anderer europäischer Staaten von schmutzigen Energiequellen. Und sie haben ohne Not ihre Wirtschaft belastet. Wahrscheinlich werden sogar viele offizielle Vertreter Deutschlands beipflichten, dass es sich andere Staaten nicht leisten können, diesen Fehler zu wiederholen.

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    1. Portrait of Bjørn Lomborg

      CommentedBjørn Lomborg

      To Bill Thomas, October 13: I answered your cited critique already in March:

      Response to "10 Huge German Solar Energy Myths Bjørn Lomborg is Trumpeting"

      1. The two claims that I am “infamous for denying global warming’s existence” and then “flipped” are both wrong.

      2. Regarding the “odd idea that deploying clean energy now isn’t the best way”. I think Germany’s $130bn price-tag for achieving next-to-nothing is an excellent example of why this isn’t such an “odd” idea.

      3. “Solar power is already cheaper than fossil fuels and nuclear”. Externalities of course should be included, but they are vastly overrepresented in most developed country fossil fuel taxes. If solar really is cheaper on a 6-8 year basis, many taxpayers would ask why, then, there is a need for subsidies.

      4. “Cost of inaction”. The relevant question is whether the cost of action is greater than the benefit of that action. In this case, it is a matter of whether delaying warming by up to 23hrs is worth the $130bn expense.

      5. “We MUST put up solar panels now to reduce CO2.” This is the exact strategy we’ve been trying for 20 years now, yet CO2 keeps ticking up. I’m simply pointing out that we need better and cheaper technology if we’re going to move beyond empty slogans and feel-good action.

      6. “Germany’s solar panel policy has been a wild success”. Perhaps, but only if you measure “success” by how much money has been spent. This is rarely how most taxpayers see it.

      7. “Solar produces green jobs”. No, actually, it simply subsidizes the creation of some jobs, while the extra taxes that fund those subsidies kill an equivalent number of jobs elsewhere. Job creation elsewhere in the economy has been shown to be cheaper and more effective. For more, read this analysis: http://bit.ly/xCjSDv

      8. Germany’s subsidies are “having a tremendous, positive impact on CO2 emissions”. When Germany is part of the European ETS, more cuts in Germany simply mean others will emit more. Even if we accept the total, saved CO2 amounts over the next 20 years as estimated by the German Environment office, it only postpones global warming by 23 hours by the end of the century. Not tremendous.

      https://www.facebook.com/notes/bj%C3%B8rn-lomborg/response-to-10-huge-german-solar-energy-myths-bj%C3%B8rn-lomborg-is-trumpeting/10150718165405039

    2. CommentedBill Thomas

      http://cleantechnica.com/2012/03/02/solar-energy-myths-lomborg/

      Never trust Bjorn Lomborg.

    3. CommentedAlan Aszkler

      A published American Energy Independence Council study comparing the cost of Solar Energy Generation vs. Passive Solar Radiation reduction technology, showed the cost benefit analysis of Solar Panels as a large scale primary energy source to be punitive. The key finding Solar panel energy production and use produces negative ROI increasing the cost per KW to the end user. While negating the effect of passive solar energy gain significantly reduces the cost of interior climate control while returning 2.5 to 3 times ROI when compared to solar panel installation. The study in progress is quantifying an analysis of the net global warming effect, CO2 footprint produced by solar panel manufacturing and use vs. the global warming and CO2 reduction with a passive solar reflection technology.
      Officially the AEIC is fully supportive of Solar Energy as a viable technology but are in concurrence with Dr. Lomborg’s findings. Significant investment in this technology by Government entities to subsidize the industry as a primary energy source for the purpose of reduced CO2 emissions and Hydro Carbon energy consumption will have a negligible effect on Human caused climate change at a huge cost per KW to the end user. Investment in solar energy technology for the purpose of scientific advancements is plausible, however massive investment in solar energy as a future primary energy source is not a feasible means to solve the worlds energy needs.

    4. CommentedDoug Bishop

      This paragraph is completely incorrect - actually 2% in 2010 and >3% of energy in 2011 was from solar. Germans paid ~3x american energy costs BEFORE the solar subsidies. The total solar subsidy accounts for a very small fraction of difference in energy costs with US (or other European countries)

    5. CommentedDoug Bishop

      $260 is incorrect - even assuming all 7.5gw installed at the maximum 2011 subsidy of 0.28E/kwh --> it will be ~1 billion Euros which works out to less than 10 euros per person/yr. It in fact will be less than that. (assuming 11% capacity factor in crappy german weather)

    6. CommentedDoug Bishop

      There are valid reasons to argue that Germany's solar policy has not been an efficient government investment, but this article completely overstates the case, with a misleading perspective and important factual errors. Solar provided ~3% of German energy (NOT 0.3%) in 2011. While the cost listed is accurate - it is the cumulative cost obligated over 20 years! Germany is actually paying somewhere on the order of 7billion euro's per year in 2011. High German energy costs are NOT explained by the solar subsidies - totaling ~50 euro per person/ year. This represents a small fraction of the difference in energy price between Germany and the US.

      On the other hand, the article didn't mention the largest benefit of Germany's policy: to make solar cheap enough to become mainstream. Solar costs have decreased by a factor of >3 in about a decade, and subsidies per kwh have dropped by >50%. New solar installations now cost the German people less. The world is benefiting from Germany pioneering and bringing the solar panel to mass production, so now in certain sunny markets solar is competitive without subsidies. So while the calculations of CO2 benefits are also wrong by an order of magnitude, that doesn't change the general calculation that solar is not the cheapest way to reduce CO2 (nor is it the only thing Germany has invested in). Other analyses of the German policy have lauded it as a success, as solar is now possible in much of the world with minimal subsidy -and the world solar market will continue to grow. If the goal of the policy was to reduce CO2 for minimum cost it failed, but if the policy was to make solar mainstream, it appears to have succeeded. I'll let you make the decision of whether it is worth the costs, but this article does little to inform readers about the pertinent issues and even misinforms on key facts and numbers...

    7. CommentedJosé da Costa

      What is your opinion on the following statements by Christian Kjaer, CEO of the European Wind Association, who wrote an article posted on this website titled "Blowing Away Nuclear Power":

      Opponents argue that renewables are expensive and dependent on subsidies. But a report last year by the UK government’s Committee on Climate Change noted that the cost of onshore wind power was cheaper than new nuclear power in 2011, and predicted that it will remain lower in 2020, 2030, and 2040. Likewise, France’s Court of Auditors has said that the cost of electricity from new nuclear capacity could jump to €70-90/MWh in 2020 – a level with which onshore wind power could easily compete in most parts of Europe.

      According to the European Environment Agency, 80% of the total energy subsidies in the European Union is paid to fossil fuels and nuclear energy, while 19% goes to renewables. Moreover, wind energy has zero fuel costs, minimal waste-disposal and decommissioning costs, and a tiny fraction of nuclear power’s risk to human health or the environment.

    8. CommentedAndré Rebentisch

      Your article seems misleading to me. The reason why Germany cuts solar plant subsidies is the rapid price decline of solar cells, in other words the success of their policy. The trick to solve the regulatory issue is a quota for which a subsidy scheme applies. Germany's enthusiam is also directed at technological Vorsprung, getting the right environment for small and medium sized solution providers. The next huge challenge is energy storage solutions. These self-imposed challenges increase Germany's competitiveness and future market leadership.

    9. CommentedPrasanna Srinivasan

      Isn't that the flaw in a cap and trade system? a. It caps, doesn't reduce; b. generates financial subsidies for as yet expensive technology.

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