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The Asian Century

Das Problem mit dem japanischen Nationalismus

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2007-03-23

Nicht einmal ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt als japanischer Ministerpräsident verärgert Shinzo Abe mit seinen Aussagen ganz Asien und löst beim wichtigsten Verbündeten seines Landes, den USA, gemischte Gefühle aus. Wird die Bush-Administration ihren Einfluss geltend machen, um Abe von seinem provokanten Verhalten abzubringen?

Abes Vorgänger Junichiro Koizumi war ein außergewöhnlicher Staatsmann, dem es gelang, die japanische Wirtschaft anzukurbeln, das Postsparwesen zu reformieren und das Fraktionssystem der lange regierenden Liberaldemokratischen Partei zu zerschlagen. Durch seine alljährlichen Besuche des Yasukuni-Schreins legitimierte Koizumi allerdings auch einen neuen japanischen Nationalismus und brachte China und Südkorea gegen Japan auf. Abe arbeitet mit noch mehr Nachdruck daran, ein entschlossenes und kompromissloses Japan aufzubauen.

Wer glaubt, die Kontroverse um den Yasukuni-Schrein sei lediglich eine undurchsichtige historische Angelegenheit, die von Chinesen und Koreanern benutzt wird, Japan um eines politischen Vorteils willen zu ärgern, hat wahrscheinlich noch nicht viel Zeit in diesem Land verbracht. Das Problem sind nicht die im Schrein bestatteten hochrangigen Kriegsverbrecher, sondern vielmehr das nebenan liegende Militärmuseum Yushukan.

Dort findet man nämlich neben einem Mitsubishi Zero, Panzern und Maschinengewehren auch die Geschichte des Pazifikkrieges dargestellt, die den Anspruch erhebt, „die Wahrheit über die japanische Zeitgeschichte“ zu erzählen. Es folgen nationalistische Schilderungen: Japan, ein Opfer europäischer Kolonialmächte, versuchte nur, den Rest Asiens vor diesen Kolonialherren zu schützen. Die koloniale Besetzung Koreas durch Japan wird beispielsweise als „Partnerschaft“ beschrieben. Eine Schilderung über die Opfer des japanischen Militarismus in Nanjing oder Manila sucht man allerdings vergeblich.

Man könnte nun sagen, das Museum ist eben eine Möglichkeit der geschichtlichen Darstellung in einer pluralistischen Demokratie. Aber ein alternatives Museum, in dem die Rolle Japans im 20. Jahrhunderts anders dargestellt wird, gibt es nicht. Das Yushukan-Museum wird von einer privaten religiösen Organisation geführt, hinter der sich eine Reihe japanischer Regierungen versteckt haben, um nicht die Verantwortung für die im Museum dargestellten Ansichten übernehmen zu müssen.

Diese Haltung ist nicht überzeugend. Denn im Gegensatz zu Deutschland hat Japan die Frage nach seiner Schuld am Pazifikkrieg nie bewältigt. Obwohl sich der sozialistische Ministerpräsident Tomiichi Murayama im Jahr 1995 bei China für den Krieg offiziell entschuldigte, gab es in Japan nie eine echte Diskussion über das Ausmaß seiner Schuld. Auch gab es nie ernsthafte Bemühungen, eine Alternative zu Yushukan zu errichten.

Ich machte meine Erfahrungen mit der japanischen Rechten in den frühen 1990er Jahren, als ich gemeinsam mit Watanabe Soichi in mehreren japanischen Gremien saß. Watanabe Soichi wurde von meinem japanischen Verleger (ohne mein Wissen) als Übersetzer meines Buches Das Ende der Geschichte ins Japanische ausgewählt. Watanabe, Professor an der Sophia-Universität, war Mitarbeiter von Shintaro Ishihara, dem nationalistischen Politiker, der das Buch Japan kann auch Nein sagen schrieb und heute Bürgermeister von Tokio ist.

Im Laufe mehrerer Begegnungen mit Watanabe, erlebte ich, wie er mehrmals vor großem Publikum erklärte, dass die Menschen in der Mandschurei einst aus lauter Dankbarkeit gegenüber Japan die Guangdong-Armee mit Tränen in den Augen verabschiedeten, als sich diese aus China zurückzog. Laut Watanabe war der Pazifikkrieg letzten Endes eine Rassenfrage, denn die USA waren angeblich entschlossen, alle Menschen nicht-weißer Hautfarbe zu unterdrücken. Watanabe ist also so etwas wie ein Holocaust-Leugner, aber im Gegensatz zu seinen deutschen Pendants gelingt es im mühelos, eine große Anhängerschaft um sich zu scharen. (Ich bekomme regelmäßig Bücher japanischer Autoren zugesandt, in denen „erklärt“ wird, dass das Massaker von Nanjing ein großer Schwindel ist.)

Außerdem kam es jüngst zu einer Reihe bedenklicher Vorfälle, bei denen Kritiker von Koizumis Besuchen des Yasukuni-Schreins von Nationalisten physisch bedroht wurden. So geschehen beispielsweise bei einem Brandanschlag auf das Haus des ehemaligen Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt Kato Koichi. (Auf der anderen Seite griff der Herausgeber des normalerweise konservativen Blattes Yomiuri Shimbun die Yasukuni-Besuche Koizumis heftig an und veröffentlichte eine faszinierende Artikelreihe über die Frage der japanischen Kriegsschuld.)

Damit befinden sich die USA in einer schwierigen Lage. Etliche amerikanische Strategen sind darauf erpicht, über den japanisch-amerikanischen Sicherheitsvertrag hinausgehend, um China einen NATO-artigen Verteidigungsring zu errichten. Seit den letzten Tagen des Kalten Kriegs, haben die USA Japan zur Wiederbewaffnung gedrängt und offiziell die Änderung von Artikel 9 der Nachkriegsverfassung unterstützt, der es Japan verbietet, eine Armee zu haben oder Krieg zu führen.

Allerdings sollte Amerika mit seinen Wünschen vorsichtig sein. Die Legitimität der gesamten militärischen Position Amerikas im Fernen Osten gründet sich darauf, dass Japans souveräne Aufgabe der Selbstverteidigung von den USA ausgeübt wird. Vor dem Hintergrund des neuen Nationalismus würde eine einseitige Änderung von Artikel 9 Japan in praktisch ganz Asien isolieren.

Die Änderung von Artikel 9 steht schon lange auf Abes Tagesordnung, aber ob er dieses Thema forciert, wird davon abhängen, welche Art von Ratschlag er von engen Freunden in den USA bekommt. Präsident Bush wollte seinem „guten Freund Junichiro“ aus Dankbarkeit für die japanische Unterstützung im Irak nie etwas über den neuen japanischen Nationalismus sagen. Jetzt, da Japan sein kleines Truppenkontingent abgezogen hat, wird Bush vielleicht ein offenes Wort mit Abe sprechen.

Francis Fukuyama ist Leiter des Instituts für höhere internationale Studien der Johns Hopkins University und Chef der Zeitschrift The American Interest.

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iceman 08:33 25 Mar 11

Only the Jewish people have the power to shed light on truth with regards to  Germany's systematic annilation of Jews in Europe.

So Japan is trying to twist it's dark history of being of the wrong side of the war and doing inhumane acts on the people of Korea/China/Philippines (mostly) - and Americans are accompolices in such denial of truth.



AUTHOR INFO

Francis Fukuyama is Dean of the School of Advanced International Studies, Johns Hopkins University, and Chairman of The American Interest (www.the-american-interest.com).