BERKELEY – Wenn eine Volkswirtschaft in eine Depression verfällt, kann die Regierung vier Dinge ausprobieren, um die Beschäftigungszahlen zurück auf ein normales Niveau und die Produktion auf ihr „potenzielles“ Niveau zu bringen. Nennen wir sie Fiskalpolitik, Kreditpolitik, Geldpolitik und Inflation.
Inflation ist am einfachsten zu erklären: Die Regierung druckt jede Menge Geldscheine und gibt sie aus. Das zusätzliche Bargeld in der Wirtschaft lässt die Preise steigen. Wenn die Preise steigen, wollen die Menschen kein Geld mehr in der Tasche oder auf ihrem Konto haben – sein Wert könnte täglich dahinschmelzen –, also beschleunigen sie ihr Ausgabetempo und versuchen, ihr Vermögen von Bargeld, das an Wert verliert, auf reale Wirtschaftsgüter umzuschichten, die etwas wert sind. Diese Ausgaben führen die Menschen aus der Arbeitslosigkeit in Arbeit und pushen die Kapazitätsauslastung auf ein normales und die Produktion auf ihr „potenzielles“ Niveau.
Doch würden Menschen bei klarem Verstand Inflation eher vermeiden. Es ist ein sehr gefährliches Mittel, das Wertestandards untergräbt, ökonomische Berechnungen praktisch unmöglich macht und Besitz nach dem Zufallsprinzip umverteilt. Wie John Maynard Keynes schon sagte: „Es gibt kein feineres und sichereres Mittel, die bestehenden Grundlagen der Gesellschaft umzustürzen, als die Vernichtung der Währung. Dieser Vorgang stellt alle geheimen Kräfte der Wirtschaftsgesetze in den Dienst der Zerstörung, und zwar in einer Weise, die nicht einer unter Millionen richtig zu erkennen imstande ist …“ Doch bevor die Regierungen eine weitere Weltwirtschaftskrise zulassen, werden sie auf Inflation zurückgreifen – man sollte besser nicht in diese Lage geraten, wenn es irgendeine andere Möglichkeit gibt, das Beschäftigungs- und Produktionsniveau wiederherzustellen.
Normalerweise werden einsetzende Depressionen durch Geldpolitik bekämpft. Wenn Beschäftigung und Produktion abzunehmen drohen, kauft die Zentralbank Staatsanleihen gegen sofortiges Bargeld auf, und verkürzt damit die Dauer der sicheren Vermögenswerte der Investoren. Wenn es auf dem Finanzmarkt weniger sichere, Geld bringende Vermögenswerte gibt, steigt der Preis für sicheres Vermögen. Damit wird es für Unternehmen lohnender, in die Expansion ihrer Kapazitäten zu investieren und somit Bargeld, das sie an ihre Aktionäre verteilen könnten, für eine bessere Marktposition auszugeben, die es ihnen ermöglichen wird, ihre Aktionäre in der Zukunft zu belohnen. Diese Steigerung der zukunftsorientierten Ausgaben heute holt die Menschen aus der Arbeitslosigkeit und steigert die Kapazitätsauslastung.
Das Problem mit der Geldpolitik ist, dass die Zentralbanken der Welt als Antwort auf die derzeitige Krise so viele sichere Staatsanleihen für so für viel Geld gekauft haben, dass der Preis für sicheres Vermögen in nächster Zukunft absolut flach ist – der nominale Zinssatz für Staatspapiere beträgt null. Die Geldpolitik kann sicheres Vermögen in der Zukunft nicht wertvoller machen. Und das ist wirklich schlimm, denn wenn wir eine Depression allein durch die Geldpolitik verhindern könnten, so würden wir das tun, da sie das politische Instrument zur makroökonomischen Stabilisierung ist, das wir am besten kennen und das die geringste Gefahr für störende Nebeneffekte mit sich bringt.
Das dritte Instrument ist die Kreditpolitik. Wir würden die Ausgaben gern sofort ankurbeln, indem wir Unternehmen dazu bringen, nicht nur in Projekte zu investieren, die Geld, das heute sicher ist, gegen sichere Gewinne in der Zukunft eintauschen, sondern auch in Projekte, die riskant oder ungewiss sind. Doch wenige Unternehmen sind derzeit in der Lage, dafür Geld aufzubringen.
Riskante Projekte sind heute ungeheuer billig, da die Risikotoleranz des Finanzmarktes im Privatsektor zusammengebrochen ist. Niemand ist bereit, Vermögenswerte zu kaufen und zusätzliche Unsicherheit auf sich zu nehmen, weil alle Angst haben, dass jemand anders mehr weiß als sie – und zwar dass man schön blöd wäre, jetzt zu kaufen. Obwohl die Zentralbanken und Finanzministerien der Welt viele erfinderische und innovative Maßnahmen ersonnen haben, um die Kreditvergabe anzukurbeln, hatten sie bislang keinen großen Erfolg.
Das bringt uns zum vierten Instrument: der Fiskalpolitik. Das bedeutet, die Regierung leiht sich Geld und gibt dieses aus, wodurch sie die Menschen aus der Arbeitslosigkeit holt und die Kapazitätsauslastung auf ein normales Niveau bringt. Das hat Nachteile: den darauf folgenden Nettowohlfahrtsverlust bei der Finanzierung der zusätzlich entstandenen Staatsschulden, und die Angst, dass ein zu rasches Schuldenwachstum private Investoren vom Bau physischer Wirtschaftsgüter abhalten könnte – und diese bilden die Besteuerungsgrundlage für zukünftige Regierungen, welche die zusätzlichen Schulden tilgen müssen.
Doch wenn einem nur zwei Instrumente bleiben, von denen keines perfekt für die Aufgabe ist, so ist das Vernünftigste, beides – die Kreditpolitik und die Fiskalpolitik – gleichzeitig auszuprobieren. Und das versucht die Regierung Obama derzeit.


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