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Wie ist Terrorismus zu definieren?

George P. Fletcher

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2005-07-13

Jede Zeit hat ihre Feinde. In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Faschisten die Schurken. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Kommunisten, die unsere Zivilisation bedrohten. Heute sind Terroristen die anerkannten Herren des Bösen. Das Wort „Terrorismus“ erscheint in Rechtstexten und Gesetzgebung überall auf der Welt. Die Bombenanschläge vom 7. Juli haben gezeigt, dass die ausgewiesenen Herren des Bösen unserer Zeit weiterhin die Terroristen sind.

Es ist allerdings nicht immer einfach, festzulegen, wer „sie“ – die Terroristen – sind. Ob eine Organisation als terroristisch eingestuft wird oder nicht, wird im hohen Maße durch die Politik bestimmt. Die UNO verabschiedet regelmäßig Resolutionen gegen den Terrorismus, ohne sich allerdings darüber einigen zu können, wie der Begriff zu definieren sei.

Die offiziellen Definitionen des Terrorismusbegriffes sind wenig überzeugend. Die Definition des amerikanischen Kongresses von Terrorismus beispielsweise beinhaltet das Motiv, ein Volk zu nötigen oder zu einzuschüchtern oder eine Regierung beeinflussen zu wollen. Diese Formel allerdings deckt nicht einmal die Terrorangriffe vom September 2001 klar ab: Falls es lediglich das Motiv der Luftpiraten war, Ungläubige zu töten, so fiele der Angriff nicht unter die Definition des Kongresses.

Es ist ein Fehler, zu versuchen, Terrorismus auf dieselbe Weise zu definieren wie Diebstahl oder Mord. Es gibt zu viele strittige Aspekte. Ein besserer Ansatz ist es, die Fragen zu identifizieren, die sich ergeben, wenn man über Terrorismus nachdenkt, und klarzustellen, warum die Menschen bestimmte Gewaltakte als Terror erleben. Dies erlaubt es uns, Terrorismus unter Bezugnahme auf alle diese Variablen zu definieren, ohne dabei jedoch eine davon zu bestimmen, die für unsere Definition ausschlaggebend sein soll.

Die drei grundlegenden strittigen Aspekte sind die Identität der Opfer, die Täter und die Bedeutung des Vorliegens einer gerechten Sache.

Müssen die Opfer von Terrorismus Zivilisten sein? Einige glauben dies, aber El-Kaida sprengte die USS Cole in die Luft, und die meisten Menschen betrachteten die Tötung der Besatzung an Bord als terroristischen Angriff. Dieselbe Logik kommt in den Richtlinien der Militärtribunale von Präsident George W. Bush zum Ausdruck, die sich gleichermaßen mit Angriffen auf militärisches Personal und Zivilisten befassen.

Eine ähnliche Frage stellt sich im Hinblick auf die Täter. Können Soldaten oder die Agenten von Staaten Terroristen sein? Die islamischen Länder innerhalb der UNO favorisieren diese Position, und ich bin der Ansicht, dass sie damit Recht haben. Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt Staatsoberhäupter für Kriegsverbrechen. Folgt man dieser Logik, so müssten Staatsdiener für unter ihrer Befehlsgewalt begangene terroristische Handlungen zur Verantwortung gezogen werden.

Der umstrittenste Aspekt bei der Definition von Terrorismus wird durch das Schlagwort „Was für die Einen Terroristen sind, sind für die Anderen Freiheitskämpfer.“ auf den Punkt gebracht. Das Problem ist, ob eine gerechte Sache den Einsatz entsetzlicher Mittel rechtfertigt. Die islamischen Staaten glauben, dass dem so sei, und stehen damit im Widerspruch zur Meinung im Westen.

Diejenigen, die sich für den Terror entscheiden, glauben immer, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Manchmal stimmt dies, manchmal nicht. Kein amerikanischer Bürger würde sich wohl dabei fühlen, die Boston Tea Party als einen terroristischen Akt gegen britisches Eigentum zu kennzeichnen. Ebenso wenig würde ein Franzose zustimmen, wollte man die Maquisards der französischen Résistance als Terroristen bezeichnen. Beide jedoch verübten Gewaltakte gegen Sachen und Menschen und erfüllen so Kriterien, die traditionell an den Terrorismus angelegt werden.

Es gibt weitere beunruhigende Grenzfälle. Was ist mit der Stern-Gruppe, die das Hotel „King David“ in die Luft sprengte, um Palästina von den Briten zu befreien? Gibt es guten Terror und schlechten Terror? Für einige spielt die politische Zielsetzung eine entscheidende Rolle, aber in Wahrheit gibt es nur eine kleine Anzahl historischer Fälle, bei denen sich die meisten Menschen tatsächlich nicht einigen können.

Was bleibt, ist die quälende Frage: Warum ist Terrorismus anders, warum erfordert er eine besondere Definition, warum fürchten wir uns mehr vor dieser Form von Gewalt als vor anderen kriminellen Handlungen?

Ein Grund ist, das Terrorismus in der Regel eine organisierte Aktivität ist. Als im Juli 2002 ein Ägypter am El Al Schalter des Los Angeles International Airport das Feuer eröffnete und zwei dort anstehende Menschen tötete, entschied das FBI, das der Verdächtige kein Terrorist sei, da er allein gehandelt habe. Terroristen sind organisiert, und die Gruppe kann fortbestehen, selbst nachdem der einzelne Täter gefasst ist. Das macht Terroristen Furcht erregender als gewöhnliche Kriminelle.

Ein weiterer Grund für unsere gesteigerte Furcht vor dem Terrorismus ist, dass, während gewöhnliche Kriminelle die Verborgenheit vorziehen, Terroristen sich nach Öffentlichkeitswirkung sehnen. Wirksamer Terrorismus macht Schlagzeilen – immer. Er ist unerwartet, mit großer Schockwirkung. Wie gutes Theater spielt der Terrorismus jeweils ein moralisches Drama durch, und um im Bewusstsein der Öffentlichkeit Terror zu erzeugen, müssen Terroristen öffentlich handeln, und zwar ohne Schuldbewusstsein oder Reue.

Doch selbst wenn wir versuchen wollten, die Angriffe des 11. September 2001 als Terrorismus zu definieren, indem wir die folgende Formel verwenden – ein gewalttätiger, organisierter und öffentlicher Angriff von Privatpersonen auf andere Zivilisten, ohne Schuldbewusstsein und unabhängig vom Vorliegen einer gerechten Sache – bleiben Probleme, da es Gegenbeispiele für jede dieser sechs Dimensionen gibt.

Manchmal sind die Opfer Militärangehörige und die Täter sind Staaten, manchmal scheint die Sache gerecht, und manchmal kann eine Person mit genügend Waffen, aber ohne Organisation Terror verursachen. Eine Verschwörung, Briefe mit Milzbranderregern zu verseuchen, kann privaten Terror hervorrufen. Einige Terroristen hegen möglicherweise Reue und Schuldgefühle in Bezug auf ihre Handlungen.

Diese Gegenbeispiele sollten uns nicht überraschen. Viele Definitionen haben mit diesem Problem zu kämpfen. Ludwig Wittgenstein, einer der großen Philosophen des 20. Jahrhunderts, schlug für Fälle, in denen Definitionen Schwierigkeiten bereiten, einen anderen Ansatz vor: die Erklärung von Konzepten mittels der Analogie der „Familienähnlichkeit“. Familienmitglieder können viele physische Merkmale teilen, wie etwa Größe, Hauttönung oder Haarfarbe. Jedes Familienmitglied teilt vielleicht einige, aber nicht alle der häufigen Merkmale mit anderen Familienmitgliedern. Möglicherweise gibt es kein einzelnes Merkmal, das alle Familienmitglieder gemeinsam aufweisen; trotzdem sind sie alle problemlos als Mitglieder ein und derselben Familie zu identifizieren.

Dasselbe lässt sich in Bezug auf den Terrorismus sagen. Es gibt mindest sechs relevante Merkmale, aber für jedes davon lassen sich Ausnahmen finden. Komplexe Definitionen, die bereits Ausnahmen vorsehen, sind vielleicht für Juristen eine unbequeme Angelegenheit, aber in der wirklichen Welt sind sie möglicherweise das Beste, das wir ersinnen können.

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AUTHOR INFO

George P. Fletcher is Cardozo Professor of Jurisprudence at Columbia University. His latest book is Romantics at War: Glory and Guilt in the Age of Terrorism.