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Dreifache Bedrohung für Europa

PALO ALTO: Europa leidet derzeit unter gleichzeitigen Banken-, Währungs- und staatlichen Schuldenkrisen. Schwere wirtschaftliche Not und politischer Druck erschüttern die Beziehungen zwischen Bürgern, souveränen Staaten und supranationalen Institutionen wie der Europäischen Zentralbank. Allerorts vernimmt man Forderungen nach einer Aufgabe der fiskalpolitischen Souveränität, einer drastischen Rekapitalisierung des finanziell anfälligen Bankensystems und/oder einem Ausstieg Griechenlands und möglicherweise weiterer finanziell angeschlagener Euroländer aus dem Währungsverbund (oder der Gründung einer vorübergehenden zweistufigen Währungsunion).

In diesem explosiven Umfeld greift die Politik in einem Versuch, Finanzpanik, Ansteckung und Rezessionsrisiko entgegenzuwirken, verzweifelt auf verschiedene Instrumente zurück – darunter die EZB, den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität. Aber stellt sie es richtig an?

Banken-, Euro- und staatliche Schuldenkrise sind eng verbunden. Angesichts ihrer großen, ramponierten Bestände an Staatsanleihen der Peripherieländer der Eurozone wären viele der unterkapitalisierten Banken Europas insolvent, wenn ihre Vermögenswerte zum Marktwert bewertet wären. Ihre Entschuldung hemmt die wirtschaftliche Erholung. Und die großen fiskalischen Anpassungen, die in Griechenland, Irland, Portugal und möglicherweise sogar Italien und Spanien erforderlich sind, werden das wirtschaftliche und gesellschaftliche Gefüge in Mitleidenschaft ziehen. Ein Zahlungsausfall dürfte mit einer schweren wirtschaftlichen Talfahrt einhergehen – Argentiniens BIP fiel nach seinem Zahlungsausfall 2002 um 15%.

Trotz Stresstests, Rettungsfonds und ständigen Sitzungen ist der europäischen Politik bisher keine dauerhafte, tragfähige Lösung eingefallen. Ein Scheitern wird eine enorme Hürde für das europäische Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren errichten und könnte sogar die Existenz des Euros selbst gefährden. Uneinigkeiten der Staats- und Regierungschefs untereinander sowie im Verhältnis zur EZB über den Ankauf von Staatsanleihen aus Krisenländern haben die Unsicherheit nur weiter erhöht.

Eine annehmbare paneuropäische Konjunkturerholung und eine erfolgreiche allmähliche Haushaltskonsolidierung würden es möglich machen, dass die Staatsanleihen der Krisenländer im Laufe der Zeit an Wert gewönnen. Bis dahin wird das Gerangel darüber, wer wann und wie für die Verluste aufkommen soll, weitergehen. Werden es die griechischen Bürger sein? Die deutschen, französischen und niederländischen Steuerzahler? Die Inhaber der Anleihen? Die Aktionäre der Finanzinstitute? Und das grundlegende Problem ist, dass die Art der Lösung Einfluss auf die Höhe der Verluste haben wird.

Die Kurse der Bankaktien und der Euribor-OIS-Spread (einer Messgröße für Finanzstress) signalisieren einen profunden Mangel an Vertrauen in die Staatsanleihen der Krisenländer; die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen erreiche kürzlich 25%. Die Krise wirkt sich auch außerhalb Europas aus; so schaden etwa die Sorgen über das Engagement amerikanischer Banken und Geldmarktfonds in den angeschlagenen europäischen Banken den US-Finanzmärkten.

Es gibt drei grundlegende Ansätze, um die Bankenkrise zu lösen (was die gleichzeitige Bewältigung der fiskalischen Anpassungen, der staatlichen Schulden und der Probleme mit dem Euro bedeutet). Der erste Ansatz setzt auf Zeit, Rentabilität und eine allmähliche Lösung. Eine Schätzung legt nahe, dass eine 50%ige Verringerung im Wert der Staatsschulden der Peripherieländer (eine vernünftige Annahme, was Griechenland angeht, aber hoch für die anderen Länder) Verluste in Höhe von etwa drei Billionen Dollar verursachen würde, was das Kapital der europäischen Banken übersteigt. Doch die Banken sind innerhalb des derzeitigen Umfeldes niedriger Zinsen profitable Unternehmen, denn sie nehmen in der Regel kurzfristige Kredite auf und verleihen das Fremdkapital langfristiger zu höheren Zinsen. Ein Spiel auf Zeit könnte sie also in die Lage versetzen, sich durch Thesaurierung ihrer Gewinne oder die Beschaffung von Kapital von außen allmählich zu rekapitalisieren.

Bei einer starken, langfristigen Konjunkturerholung könnte ein derartiger Ansatz funktionieren. Die meisten europäischen Funktionäre hoffen, dass er das – in Kombination mit der Bereitstellung erheblicher öffentlicher Gelder zur Stützung der notleidenden Staatsanleihen – tatsächlich tun wird.

Die Obama-Administration hat sich – nach den unpopulären Troubled Asset Relief Program, bei dem hunderte von Milliarden öffentlichen Geldes in das Bankensystem injiziert wurden (die inzwischen überwiegend zurückgezahlt sind) – für diese Option entschieden. Aber einige US-Banken, darunter die Bank of America und Citi, sind noch immer gefährdet und haben beträchtliche toxische Vermögenswerte (die zumeist mit Hypotheken für Eigenheime in Beziehung stehen) in ihren Bilanzen.

Der zweite Ansatz ist eine schnelle Lösung. Auf eine allmähliche Rekapitalisierung fragwürdiger Banken zu setzen und die Forderungsausfälle später beizulegen – etwa mit europäischen Brady Bonds (Null-Kupon-Anleihen, die es in den 1990er Jahren US-Banken und lateinamerikanischen Ländern ermöglichten, Teilabschreibungen zu vereinbaren) – wird nicht funktionieren, wenn die Verluste zu groß sind oder die Erholung zu fragil. Dann ist ggf. eine schnellere Lösung erforderlich, um zu verhindern, dass Zombiebanken das Finanzsystem infizieren.

Die US Resolution Trust Corporation hat zwischen 1989 und 1995 in aller Schnelle tausend insolvente Banken und Sparkassen geschlossen, um zu verhindern, dass diese die gesunden Finanzinstitute in Mitleidenschaft zogen. Umgerechnet auf die aktuelle wirtschaftliche Situation, wurden Vermögenswerte um Wert von 1,25 Billionen Dollar abverkauft, wobei 80% des Wertes eingetrieben werden konnten. Das Finanzsystem erholte sich schnell. Dieser Ansatz erfordert Urteilsvermögen und Entschlossenheit bei der Trennung zwischen insolventen und solventen Finanzinstituten.

Und schließlich ist da der Weg des öffentlichen Kapitals. Falls eine durch den Markt angetriebene Rekapitalisierung zu langsam abläuft und die Schließung der konkursbedrohten Institute unmöglich ist, besteht eine extremere Alternative darin, öffentliches Kapital direkt in die Banken zu injizieren (statt wie derzeit indirekt, indem man den Wert der Staatsanleihen, die sie halten, stützt). Dieser Ansatz verhindert Bankenstürme, weil Banken mit mehr Kapital sicherer sind. Aber wie viel öffentliches Kapital sollte zum Einsatz kommen, und zu welchen Bedingungen? Natürlich ist privates Kapital vorzuziehen, doch angesichts des Risikos, dass es durch spätere öffentliche Interventionen vernichtet wird, werden die Anleger misstrauisch sein. In der Zwischenzeit erhöhen die Regulierungsstellen die Eigenkapitalquoten der Banken.

Die Europäer – Schuldner wie Gläubiger – müssen das Bankenproblem umgehend in Angriff nehmen, und zwar gleichzeitig mit den Problemen beim Euro, bei den Staatsschulden und bei den fiskalpolitischen Anpassungen. So zu tun, als ob Banken, die wenig anspruchsvolle Stresstests bestanden haben, ohne größere Sicherheiten dauerhaft geöffnet bleiben können, ist Wunschdenken, und gefährlich.

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