Währungsfragen können in den Brennpunkt nicht nur kommerzieller Transaktionen sondern auch diplomatischer und politischer Zänkereien geraten. Wenn das geschieht, werden wirtschaftliche Transaktionen schwieriger und unterliegen größeren Unsicherheiten. Die Politisierung des Geldes in der Depression der Zwischenkriegszeit wirkte sich wirtschaftlich verheerend aus. Doch ist es auch in jüngerer Zeit zu recht unangenehmen Währungskriegen gekommen.
In den 1960er Jahren geriet die internationale Finanzordnung in den Mittelpunkt des politischen Tauziehens. Jede Seite hatte für das, was vor sich ging, recht unterschiedliche Theorien und Erklärungen. Die Europäer - insbesondere die Franzosen - klagten über das, was General Charles de Gaulle das "exorbitante Privileg" des US-Dollars nannte. Der General und sein Finanz-Guru, Jacques Rueff, behaupteten, die USA würden den Status des Dollars als Hauptreservewährung unter dem Bretton Woods Regime fester Währungskurse benutzen, um such Defizite zu erlauben und damit für ihre überseeischen militärischen Abenteurertum aufzukommen (damals in Vietnam).
Frankreich reagierte mit dem Ruf: Finanzreform, um die Sonderrolle des Dollars zu beenden, und versuchte den weitgehend diskreditierten Goldstandard wieder zu beleben. Die Europäer begannen eine lange Diskussion über die Vorteile einer Währungsunion, um mit dieser Errungenschaft dem Dollar in die Augen blicken zu können.
Doch vom amerikanischen Standpunkt aus war die internationale Rolle des Dollars eine Falle. Andere Länder konnten ihre Wechselkurse ändern und auf diesem Weg für sich eine größere Konkurrenzfähigkeit bei den Ausfuhren aufrechterhalten. Die US-Regierung war angesichts eines unterbewerteten Yens machtlos und nährte den Glauben, der Rest der Welt würde den Dollar benutzten, um Amerikas Produktionsbasis anzugreifen.
Die Regierung Nixon gelangte zu dem Schluss, der einzige Weg, die amerikanische Wirtschaft zu retten, sei der monetäre Unilateralismus, eine so drastische Geldausweitung, dass andere Länder gezwungen seien, ihre Wechselkurse anzupassen.
Diese schon lange vergessenen Kämpfe scheinen plötzlich wieder sehr aktuell zu sein. Die Welt steht zwar nicht mehr unter dem Regime fester Wechselkurse, doch bleibt der Dollar die größere Reservewährung - eine Art floatendes Bretton Woods. Für Amerikaner ist die Rolle des Dollars als Reservewährung eine potentielle Bedrohung, während sie Nicht-Amerikanern als ein weiterer Fall der amerikanischen neoimperialen Suche nach Vorherrschaft erscheint.
In diesem Jahrzehnt hat China den Platz eingenommen, den Japan in den 1960er Jahren innehatte. Es hält seine Wechselkurse niedrig, um das Wachstum seiner Ausfuhren anzustoßen. Folglich ist China Ziel von US Beschwerden über ungerechten Wettbewerb und ihrer Anstrengungen, eine Anpassung der Währungskurse zu erzwingen, die Amerikaner davon abhalten würde, chinesische Spielzeuge, Geräte, und Kleidung zu kaufen. Die Hersteller in den USA haben entschieden, dass in China gefertigte Büstenhalter eine Gefahr für die amerikanische Lebensweise darstellen.
Inzwischen klagen die Europäer (besonders die Franzosen) über das große US-Defizit, und das Argument de Gaulle's, dass der Rest der Welt für Amerikas Kriege aufzukommen hat, ist wieder in Mode. Einige Europäer schlagen vor, die asiatischen Zentralbanken sollten einen größeren Teil ihrer Währungsreserven in Euros halten. Das ist ein Echo des erfolglosen Versuchs, mit dem der General Amerika durch den Aufkauf von Gold gegen Dollar in die Knie zwingen wollte.
Die 1960er Jahre endeten mit dem Zusammenbruch des "Systems" und in größeren Finanzturbulenzen. Hinzu kam ein inflationärer Anstieg der Güterpreise. Alle wurden geschädigt und Amerikas Rolle in Weltangelegenheiten war erschüttert. Ein ähnlicher Zusammenbruch würde heute wahrscheinlich ganz andere Wirkungen zeitigen. Das System freier Wechselkurse ist heute stärker und die Lasten der Anpassung werden anders verteilt. Die meisten Amerikaner leiden nicht unter dem deutlichen Dollarabsturz, da die Verkäufer aus dem Ausland ihre Preise auf dem US-Markt anpassen müssen.
Die asiatischen Wirtschaften wachsen kräftig und sammeln in ihren Zentralbanken Forderungen an die USA an. Sie werden wahrscheinlich diese Politik fortsetzen, da die Alternative einen plötzlichen Rückschlag für die Konkurrenzfähigkeit ihrer Ausfuhrsektoren auf dem für sie überaus wichtigen US-Markt nach sich zöge. Das lässt den USA längere Zeit, ihr Zahlungsbilanzdefizit, das sich auf lange Sicht so nicht aufrechterhalten lässt, anzugehen.
Die wirtschaftlich dynamischen Regionen der Welt - Nordamerika und Asien - sind auf diese Weise in einem Pakt verbunden, was die zentrale Rolle des amerikanischen Dollars bis auf weiteres sicherstellen wird. Die Amerikaner werden weiterhin Schulden anhäufen, weil die Asiaten dies von ihnen wünschen. Den Pakt zu kündigen, wäre gegen die Interessen beider Seiten.
Dies ist kein amerikanischer Unilateralismus, weil es die Zusammenarbeit mit Asien bedeutet. Doch für die Europäer, die von diesem Pakt ausgeschlossen sind, sieht es wie Geld- und Wirtschaftsunilateralismus aus.
In der Zwischenzeit sorgt der Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar für beträchtliche Schmerzen bei den europäischen Güterexporteuren. Europa kann allerdings nicht viel unternehmen, um sich Erleichterung zu verschaffen. Tatsächlich wird Europa in den neuen Währungskämpfen der größere Leidtragende sein. Antworten, die in den 1960er Jahren herumposaunt wurden - die Wiederbelebung des Goldstandards, oder die Einführung einer gemeinsamen Europäischen Währung - scheinen heute nicht mehr sehr hilfreich zu sein. Eine einzige gemeinsame Währung zu besitzen, hat sich als kein wesentlicher Schutz erwiesen.
Nur die alte Form der europäischen Reaktion - Psychologen könnten sie "Dollar-Neid" nennen - wird zunehmen. Es wird Appelle an die Europäische Zentralbank geben, die monetäre Basis auszuweiten, als wäre die Nachahmung des Dollars die Antwort auf alle industriellen, strukturellen und demographischen Probleme, die Europa plagen. Doch schon kurzes Nachdenken sollte uns daran erinnern, dass Europas Probleme nicht von Währungsmanipulationen abhängig sind.
Der Protest gegen die Neuauflage eines exorbitanten amerikanischen Geldprivilegs sollte als das gesehen werden, was er ist: ein Weg sich mit der wirklichen europäischen Ohnmacht abzufinden. Somit wird es beim Dollar-Neid bleiben, und er wird noch zunehmen, wenn der internationale Wert der Greenbacks dahin schmilzt, und zwar ohne offensichtlich nachteilige Auswirkung auf die Leute, die sie drucken und gebrauchen.


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